Kultur | 06.10.2016

Neues vom «shnit»

Text von Carlo Senn | Bilder von Katharina Good
Was erwartet uns am diesjährigen Kurzfilmfestival «shnit» in Bern? Tink.ch hat sich vor der 14. Runde des Festivals ein Bild gemacht. Und den kometenhaften Aufstieg beobachtet, von der ersten bis zur heutigen Ausgabe.
Ein kleiner Faun für kurze Filme - deshalb nicht weniger glänzend.
Bild: Katharina Good

Das Thema des 14. shnit Kurzfilmfestivals heisst «Crossing Borders», Grenzen überschreiten. Das tut shnit bereits in Bezug auf die Organisation: Auch diesmal findet das Festival in acht Städten weltweit vom 5. bis 8. Oktober statt. Ein Beispiel zu «Crossing Borders» am shnit ist «Bon Voyage»: In diesem Film geht es um ein Schweizer Ehepaar, das auf einer Yacht im Mittelmeer auf ein überfülltes Flüchtlingsboot trifft und der Situation nicht entfliehen kann.

«Wir wollten die Schweizer in direkte Konfrontation mit der Flüchtlingskrise setzen.», sagt Joel Jent, Produzent von «Bon Voyage». Oliver van der Hoeven, Festivaldirektor und Vorsitzender der Programmkommission, spricht von einem Ausnahmefilm in Sachen Qualität, der natürlich perfekt in das Thema des diesjährigen Festivals passe. Der 20-minütige Film erzeugt starke Emotionen, die Kameraeinstellungen auf hoher See sind fast immer unkadriert, unruhig. Vor allem in der letzten Einstellung wird klar: Dieser Film hat eine klare moralische Aussage und muss kaum gedeutet werden.

Höhepunkte und Neuheiten

Neben diesem Film werden auch andere visuelle Höhepunkte des Festivals gezeigt. Der Kurzfilm «Operator», der ausschliesslich in einer Feuerwehrzentrale spielt, zeigt die alltägliche Bemühung einer Telefonistin, Menschenleben zu retten. «9 days – from my window in Aleppo» ist ein brandaktueller Dokumentarfilm des Fotografen Issa Touma, der den Beginn des Gewaltexzesses in der syrischen Stadt Aleppo von seinem Fenster aus mit der Kamera dokumentiert.

Interessant dürften auch die Neuerungen sein, welche die 14. Ausgabe des shnit zu bieten hat. Heuer wird shnit «TRIBUTE» lanciert, wo professionelle Mitglieder der Filmindustrie ihre Favoriten für den shnit Award «FLAMING FAUN» auswählen. Die Zuschauer haben dabei wenig Einfluss auf die Auswahl für den besten internationalen Kurzfilm. Für jeden Austragungsort wird jedoch ein Publikumspreis vergeben.

Als Höhepunkt und Ausblick in die Zukunft des Films dürften die Vorführungen der Virtual Reality anzuführen sein, die van der Hoen als «ein absoltes Muss», bezeichnet. Am Bahnhof Bern können hier an 20 Stationen mit den sogenannten VR – Brillen und Headsets Kurzfilme bestaunt werden. Die Vorstellungen sind kostenlos zugänglich, wenn keine Shows stattfinden. Festivaldirektor van der Hoeven sieht die Brillen jedoch nicht als Ersatz für den bisherigen zweidimensionalen Film, sondern lediglich als «Ergänzung». Man darf auf die Wirkung der virtuellen Brillen auf das Filmschaffen gespannt sein.

Von der Reitschule in den Schweizerhof

Die Entwicklung des shnit ist bemerkenswert. Die allererste Vorführung fand noch im Kulturzentrum der Reitschule statt, und zeigte an einem Tag Schweizer, am nächsten Tag indische Kurzfilme. Bereits ab dem zweiten Jahr wurde ein Preisgeld von 1000 Franken an den Publikumsliebling vergeben.

Seit 2006 konnte das neugegründete PROGR als Spielstätte dazugewonnen werden. So expandierte das Festival von Jahr zu Jahr, wurde internationaler, die Preisgelder stiegen. Erneut findet dieses Jahr die Preisverleihung in New York statt. Mit wieviel Preisgeld der «FLAMING FAUN» genau dotiert ist, ist unbekannt. «Es geht um eine Ehrenauszeichnung für den besten Kurzfilm.» Das Geld stehe «nicht im Vordergrund», sagt van der Hoeven auf Anfrage.

Am 8. Oktober wird der Preis für den Sieger der «NATIONAL COMPETITION», also den besten Schweizer Kurzfilm, verliehen. Die Gala findet neu im Schweizerhof statt. Das 5-Sterne-Hotel ist der neuste Partner des Festivals. Für Van der Hoeven ist die Location die logische Fortsetzung der Entwicklung des Kurzfilmfestivals – eben ein kometenhafter Aufstieg.