Was bezwecken verlorene Initiativen?

Wer an diesem Sonntag darum bangte, das eine oder andere Resultat der Hochrechnung könnte sich bis zum Endergebnis noch ändern, der wurde einmal mehr herb enttäuscht (Resultate in der Infobox am Schluss). Erwartungsgemäss erlitten die Initiativen und das Referendum Schiffbruch. Soweit so normal. Doch was bei diesen Abstimmungen sehr exemplarisch gezeigt werden kann, ist der Sinn und Zweck von politischen Vorlagen und deren versteckte Strategien und Agenden.

Die Initiative «AHVplus» etwa forderte um 10 Prozent erhöhte Altersrenten – ein politisches Vorhaben, dass schon von Beginn weg zum Scheitern verurteilt war. So war es dennoch nicht das Ziel der Initianten, an der Urne zu bestehen. Lanciert wurde die Initiative des Gewerkschaftsbundes nämlich im Frühjahr 2012 – just dann also, als sich Bundesrat Alain Berset mit seiner Rentenreformen auseinanderzusetzen begann.

In der Debatte um eine Reform der Altersvorsorge waren besonders zwei Szenarien diskutiert worden: Massnahmen, die Rentenkürzungen beziehungsweise eine Erhöhung des Bezugsalters vorsahen oder aber der Verbleib beim Status quo. Über eine Erhöhung war aufgrund der in Schieflage geratenen Finanzen der AHV nicht gesprochen worden.

Einflussnahme dank Initiative

Die Gewerkschaften sträuben sich allerdings, Rentenkürzungen hinzunehmen oder das Rentenalter zu erhöhen; sie lancierten den dritten Vorschlag, damit nicht nur zwischen den beiden oben genannten Varianten entschieden werden muss. Damit konnten sie einerseits Druck auf Berset ausüben, andererseits war in der Debatte erstmals auch die eher utopische Variante einer Rentenerhöhung im Gespräch.

Müsste in einer solchen Situation entschieden werden, so würden sich wohl viele für den Mittelweg und damit für eine Fortführung der bestehenden Ausgangslage entscheiden, was ganz im Sinne der Gewerkschaften wäre. Sie hätten so eine Verschlechterung aus Sicht der Arbeitnehmenden abwenden können.

Auch Verlierer sind Gewinner

Initiativen gelten oft als Druckmittel, um bei anstehenden Diskussionen von aussen einwirken zu können. Ähnlich war dies auch bei den Grünen und ihrer Initiative «Grüne Wirtschaft». Im Vorfeld der Bekanntgabe der bundesrätlichen Energiestrategie 2050 startete die Sammelphase – nur 9 Monate später legte Energieministerin Doris Leuthard ihre Pläne dazu an einer Pressekonferenz vor. Gezielt wurde auch mit dieser Initiative auf eine Einflussnahme hingearbeitet.

Das Scheitern der Vorlagen an sich ist dabei aus strategischer Sicht oftmals zweitrangig – sofern die Initiativen auch ihren gewünschten Einfluss nehmen können. Selbstverständlich ist es dennoch auch das Ziel der Initianten, selbst die weitergehenden Vorschläge der Initiative bei den Stimmenden durchzubringen. Abstimmmungsverlierer haben also oftmals trotzdem etwas zu feiern.

Die Resulate im Überblick

Neues Nachrichtendienstgesetz

JA 65,5 – Nein 34,5

Initiative «AHVplus»

Ja 40,6 – Nein 59,4

Initiative «Grüne Wirtschaft»

Ja 36,4 – Nein 63,6

Selinas nachhaltiger Tipp Nr. 1: Saisonale Lebensmittel – Für dich und den Planeten!

Wenn es draussen kalt und grau wird und dich in der Obst- und Gemüseabteilung deines Supermarkts knallrote Erdbeeren, Himbeeren, Kirschen und Tomaten anlachen, ist das zwar verlockend, macht aber unserer Meinung nach wenig Sinn.

Was spricht denn gegen Erdbeeren im Winter oder Spargeln im Herbst?

  1. Erdbeeren im Winter und Spargeln im Herbst haben bei uns keine Saison und kommen von weit her. Das bedeutet, dass sie bereits einen enorm langen Transportweg (Flugzeug, Schiff, Lastwagen) hinter sich haben, wenn sie bei uns im Laden eintreffen. Die Transportmittel beeinflussen so die Umwelt aufgrund des CO2-Ausstosses.
  2. Meistens werden Früchte und Gemüse unreif geerntet, damit sie während des Transports nicht faulen. Auf der langen Fahrt von der Plantage, z.B. in Südafrika, bis zu uns in den Schweizer Supermarkt verlieren die Lebensmittel wichtige Nährstoffe,  Vitamine und Geschmack.
  3. Nicht saisonales Obst und Gemüse schmeckt weniger gut, als saisonales aus der Region.
  4. Nicht saisonales Obst und Gemüse werden meistens unter sehr hohem Energieaufwand in Treibhäusern hergestellt. Auch dies belastet die Umwelt, aufgrund des hohen Wasser- (zum Wässern) und Energieverbrauch (zum Heizen) beim Anbau in Treibhäusern.

In jeder Jahreszeit gibt’s frische Vitamine!

Keine Sorgen – du brauchst nicht auf frische Vitamine zu verzichten. Denn in der Schweiz hat immer irgendeine Gemüse- oder Obstsorte Saison. Darum kannst du das ganze Jahr über frisch geniessen!

Und damit du keine Saison verpasst, empfehlen wir dir diesen GORILLA Saisonkalender herunterzuladen und gleich an deinem Kühlschrank zu pinnen.

Mach’s wie die GORILLA Botschafterin Meta Hiltebrand, indem du im Sommer zum Beispiel aus Erdbeeren Konfitüre machst, Obst einfrierst oder gar für ein leckeres Birchermüesli trocknest.

Und dies kannst du mit vielen weiteren Gemüse- und Obstsorten, welche im Sommer geerntet werden, tun. Du wirst dich in den kalten Tagen über die Vitaminbomben aus dem Tiefkühler oder der Trockenfrüchte-Box freuen.

Dieser Artikel ist am 21. September 2016 auf dem Blog von unserem Partner GORILLA erschienen.

Frankensteins Erben: NIFFF-Doku über Film-Monster

In Joe Dantes MATINEE von 1993 finden wir eine wunderbare Szene, in der der Horror-Regisseur Lawrence Woolsey (John Goodman) die Ursprünge seines Metiers erklärt. Demzufolge handelt es sich schon bei den ersten Mammut-Darstellungen auf Höhlenwänden um protokinematographische Monsterfilme, deren Künstler auf den grösstmöglichen Effekt zielten: «People are coming to see this”, stellt sich Woolsey den Gedankengang der Höhlenmaler vor und wirft in einer erstaunlichen Tricksequenz gleich selbst ein Mammutbild an die nächstbeste Wand (notabene die Fassade eines Kinos). «Let’s make it good. Let’s make the teeth real long, and the eyes real mean. Boom! The first monster movie.”

Diese hinreissende Fabel könnte auch am Anfang von THE FRANKENSTEIN COMPLEX stehen, den das Neuchâtel International Fantasy Film Festival im Rahmen des Dokumentarfilmprogramms aufführte. Darin erforschen die französischen Filmemacher Alexandre Poncet und Gilles Penso die Kunst des Monster- und Masken-Designs im Horrorkino. Tatsächlich beginnt der Film mit einem Verweis auf die Höhlenmalerei: Seit frühester Vorzeit stellt die Vorstellung von Monstern und Untieren eine Art anthropologische Konstante dar. Imaginäre Wesen, mit denen wir uns ein Bild von der Welt und – mehr noch – von uns selbst machen. Wie in Woolseys prähistorischem Märchen müssen Monster daher vor allem eines: gezeigt werden.

Frankensteins Erben

Der lateinische Wortsinn hinter Monster meint denn auch genau dies: «zeigen», monstrare. Das Kino hat in seiner mittlerweile 120-jährigen Geschichte Mittel und Wege gefunden, eigentlich unmögliche Kreaturen darzustellen. Denken wir nur an die ausgestorbenen Riesenechsen, die Steven Spielberg für JURASSIC PARK wieder auferstehen liess, oder an den fiktiven Monsteraffen KING KONG. Ihre schiere filmische Realisierung ist nicht weniger erstaunlich als Dr. Frankensteins Schöpfungsakt im Roman. THE FRANKENSTEIN COMPLEX lässt jene modernen Mad Scientists hinter den Kulissen zu Wort kommen, die von ihren Kreaturen partout nicht als Spezialeffekte, sondern als Charaktere sprechen wollen. Bebildert sind die Interviews mit Behind-the-Scenes-Archivalien, was die Doku teilweise wie ein überlanges DVD-Making-of wirken lässt.

Doch wie alle guten Dokumentationen über das Filmemachen destilliert auch THE FRANKENSTEIN COMPLEX einige zentrale Wahrheiten des Mediums heraus. So ist der Film ein flammendes Plädoyer für das Kino als kollaborative Kunstform. Selten gab es dafür ein anschaulicheres Bild als den elektronischen Werwolfschädel, der von drei bis vier Personen gleichzeitig ferngesteuert wird. Jeder Effekt-Artist ist für eine Gesichtspartie zuständig und nur gemeinsam ergibt sich das beeindruckende Mienenspiel, das wir im fertigen Film bestaunen.

Von Puppen zu Pixeln

Nebst den Effekt-, Masken- und Animationskünstlern treten auch prominente Genre-Regisseure wie John Landis (AN AMERICAN WEREWOLF IN LONDON), Guillermo Del Toro (HELLBOY, PANS LABYRINTH) und natürlich Joe Dante (GREMLINS) auf und vervollständigen den filmhistorischen Abriss mit persönlichen Anekdoten. So gelingt den Filmemachern ein umfassendes Bild der Monsterfilmgeschichte von den Pappmaché-Riesen in Georges Méliès‘ Stummfilmen über die legendären Stop-Motion-Animationen Ray Harryhausens bis zu den modernen Performance-Capture-Technologien in LORD OF THE RINGS oder AVATAR.

Das letzte Drittel des Films fokussiert dabei auf den Übergang von praktischen zu computergenerierten Effekten: Nebst JURASSIC PARK hatten in den 90ern auch James Camerons THE ABYSS und TERMINATOR 2: JUDGMENT DAY die Möglichkeiten digitaler Bildererzeugung aufgezeigt. Seither haben traditionelle Spezialeffekt-Künstler mit immer weniger Aufträgen, knapperen Budgets und sinkender Vorbereitungszeit zu kämpfen. Nicht nur die Produktionsrhythmen der Studios haben sich geändert, auch die Sehgewohnheiten des Publikums sind längst dem digitalen Standard angepasst. Gerade unter diesen Umständen eröffnen sich aber neue Möglichkeiten für die haptischen Filmmonster – so hat etwa der jüngste STAR WARS-Film gezielt auf den nostalgischen Charme handgemachter Puppen, Masken und Roboter gesetzt.

Bewegung und Belebung

Del Toro, der unlängst in PACIFIC RIM und CRIMSON PEAK die Symbiose von praktischen und computergenerierten Monster-Effekten vorgeführt hat, möchte denn auch die alten und neuen Technologien nicht gegeneinander ausgespielt wissen. Animation, ob in der Puppenwerkstatt oder am Computerbildschirm, folge stets demselben Prinzip: die Belebung von Unbelebtem durch Bewegung. Und ist das letztlich nicht das Wunder der Filmkunst selbst? Die Illusion von Leben auf der Leinwand – zugleich unheimlich, faszinierend und wunderschön.