Kultur | 08.04.2016

Von der kleinen Kammer auf die grosse Leinwand

Text von Sonja Nodup | Bilder von Christof Kleger
Wer bei den Jugendfilmtagen mitmacht, der lernt was - als freiwillige Helferin ebenso wie als Nachwuchsregisseur. Zur Eröffnung der 40. Jubiläumsausgabe kehrten ehemalige Teilnehmer und Teilnehmerinnen zurück und teilten ihre Erfahrungen mit dem Publikum.
  • Susanne Kunz führte durch den Abend - stets mit unprätentiösem Desktop-Hintergrund.

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  • Passend zum diesjährigen Fokus Romandie gab's Häppchen aus Fribourg.

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  • Die neuen Festivalleiterinnen sind mit dem Festival mitgewachsen.

    Bild: Christof Kleger - 3 / 3

Namhafte Schweizer Filmemacher wie Alain Gsponer (Lila, Lila, Heidi) und Anna Thommen (Neuland) haben hier ihre ersten Gehversuche gemacht. Ja, die Schweizer Jugendfilmtage bezeichnen sich zu Recht als Sprungbrett für Nachwuchstalente. Doch zum Springen braucht es Mut. Gar nicht so leicht, «frisch und frei von der Leber weg etwas auf die Leinwand zu bringen und das dann noch jurieren zu lassen», meinte Moderatorin Susanne Kunz am Eröffnungsanlass im Zürcher Stall 6 anerkennend. Aus rund 300 eingereichten Beiträgen schaffen es jedes Jahr 50-60 Filme ins Wettbewerbsprogramm. Die meisten der jugendlichen Teilnehmer zeigen zum ersten Mal einen Film vor grösserem Publikum. Für Herbstzeitlosen-Regisseurin Bettina Oberli, 1999 selber Teilnehmerin, war dies eine zentrale Erfahrung in ihrer Entwicklung. Nachdem sie sich an der Filmschule lange «in einer kleinen Kammer» bewegt habe, habe sie an den Jugendfilmtagen zum ersten Mal die Erfahrung gemacht, «dass es auch ein Publikum gibt und dass man Filme nicht nur für sich selber macht.»

Experimentierlabor für alle Disziplinen

Gross geschrieben wird an der diesjährigen Jubiläumsausgabe die Funktion der Jugendfilmtage als unkomplizierte Experimentier- und Lernplattform. So zeigt das Festival nicht nur Filme von Nachwuchstalenten, sondern wird in den verschiedenen Aufgabenbereichen ebenso von Nachwuchstalenten geplant und durchgeführt. «Wir sind ein sehr junges, experimentierfreudiges Team», sagt Co-Festivalleiterin Laura Walder. Mit ihr und Selina Wenger besteht die neue Festivalleitung aus zwei jungen Filmwissenschaftsabsolventinnen, die die Jugendfilmtage zuvor bereits mehrere Jahre als freiwillige Helferinnen unterstützt und kennengelernt hatten. Der Trailer zur diesjährigen Jubiläumsausgabe wurde von Paula Schenkel, der letztjährigen Gewinnerin in der Kategorie C (U20) umgesetzt. Auch der neu eingeführte Livestream, der den Jugendfilmtagen auch in den anderen Landesteilen mehr Reichweite verschaffen soll, wird nicht von Profis, sondern von Studierenden des Bachelor-Studiengangs CAST/Audiovisuelle Medien (ZHdK) realisiert.

«Improvisieren und aus wenig viel machen»

Aus dem Rahmen fällt die Moderation am Eröffnungsabend: Susanne Kunz, langjährige Moderatorin beim Schweizer Fernsehen, geht kaum mehr als jugendliches Nachwuchstalent durch. Gut ins Konzept passt hingegen ihr frischer, unkomplizierter und stellenweise etwas improvisierter Auftritt. Eigenschaften, die die Jugendfilmtage samt den Filmen und der Organisation ausmachen. Gerade etwas «fragmentierte, unfertige» Filme von Jugendlichen steckten oft voller «kreativer Kraft», meint Regisseur und Produzent Marcel Ramsay (Der Meister und Max). Sein Rat an die jungen Teilnehmenden: «Improvisieren und aus wenig viel machen sind Fähigkeiten, die ihr euch bewahren sollt.»

Und das diesjährige Programm?

An der Eröffnung lag der Schwerpunkt auf dem Jubiläum und somit auf einem Rückblick und den geladenen Ehemaligen. Das war interessant, lustig und hat dem Festival dank all der Erfolgsgeschichten mehr Gewicht verliehen. Leider kamen dabei die Filme des diesjährigen Wettbewerbs, die kaum angeteasert wurden, zu kurz. Vielleicht hat das auch Co-Leiterin Wenger gespürt, in dem Moment, als sie sagte: «Der Anlass hier ist cool, aber bitte kommt auch die Filme schauen!» Der Blick ins Programmheft und die fünf Wettbewerbskategorien ist auf jeden Fall vielversprechend.

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Das Programm in Kürze:

Kernstück sind wie jedes Jahr die Filme aus den fünf Wettbewerbskategorien, die am Freitag und Samstag gezeigt werden. Ein abwechslungsreiches Rahmenprogramm aus Ateliers, Konzerten und Kurzfilmen aus der Romandie begleitet den Wettbewerb. An der Preisverleihung am Sonntag lockt neben der Bekanntgabe der Gewinner die Enthüllung des neu gestalteten springenden Panthers. http://jugendfilmtage.ch/festival2016/programmuebersicht-2016/