Kultur | 16.04.2016

Von der Idee zum Drehbuch

Die Jugendfilmtage bieten nicht nur Platz, Filme auf Grossleinwand zu präsentieren. Sie fördern auch die Weiterbildung junger Filmtalente. In verschiedenen Ateliers konnten junge Filmbegeisterte von Profis lernen.
Drehbuchschreiben will gelernt sein.
Bild: Anna Renner

Filmemachen ist mehr als eine Aneinanderreihung toller Bilder und spannender Dialoge. Dem Aufbau, der zielführenden Handlung und der Umsetzung der Themen liegt eine Logik zugrunde, die gelernt sein will. Im Workshop Von der Idee zum Drehbuch lehrt der Drehbuchautor Ken Zumstein, wie Ideen strukturiert in Form eines Drehbuchs zum Ausdruck kommen.

Mathe oder Film?

Die Notiztafel neben Kursleiter Ken erinnert eher an eine Mathestunde zu Funktionsgraphen, als an die Sammlung kreativer Ideen. «Ein klassischer Langspielfilm dauert etwa 1.5 Stunden und ist in drei Akte eingeteilt. Akt 1, auch Expositionsphase genannt, dauert gut zehn Minuten, strebt eine Steigerung an und führt die Zuschauenden in das Geschehen ein», erklärt Ken.

Wichtige Figuren

«Die Produzenten lesen meist nur die wichtigsten Punkte, die in einem dramatischen Drehbuch vorgegeben sind: Exposition, Konfrontation und Auflösung», sagt Ken. Er versuche daher, diese Punkte zu Beginn jedes Entstehungsprozesses jeweils durchzudenken. Dies klingt nach einem starren, einengenden Gerüst. Doch im Verlauf der Arbeit, durch eigene Einfälle und Ansprüche von Produzenten und Regisseuren würden sich die Höhe- und Wendepunkte der Geschichte immer wieder verändern. Dass die Wendepunkte stimmen, sei nur ein Teil, wie Ken meint. «Fast am wichtigsten ist, dass die Figuren spannend sind.»

Spass am Schreiben

Die Kreativität ist denn auch kein grosses Problem für Ken und seine Kursteilnehmenden. «Ideen habe ich immer» und «Ich habe eine geflügelte Fantasie», lauten die Antworten auf die Frage nach kreativen Phasen. Guy, einer der Teilnehmer, hat jeweils eine bestimmte Figur, eine Szene im Kopf, um die er dann eine Geschichte zu spinnen versucht. Eine andere Teilnehmerin, Lola, möchte ihre eigene Geschichte auf die Leinwand bringen: «Mehr für mich, als Verarbeitung meiner Erlebnisse» Überhaupt steht bei den Teilnehmenden das eigene Ausprobieren, die Freude am Geschichten Schreiben, der Spass am Filmen im Vordergrund. «Natürlich wäre es schön, einmal ein grosses Projekt mit einer wichtigen Botschaft zu realisieren», meint Guy. Dies verlangte aber mehr Energie und Zeit, und bis dahin versteht er das Filmemachen als spannende und kreative Beschäftigung neben dem «vernünftigen» Naturwissenschaftsstudium.

Auf den Grund gekommen

Ken selber sagt von sich, er habe schon immer geschrieben, sei jedoch «nie richtig an die Menschen rangekommen». So begann er, eigene Figuren zu erfinden – und kam zum Drehbuchschreiben. «Durch diese fiktionalen Geschichten kann ich den Menschen und Geschehnissen erst richtig auf den Grund gehen.» In Ateliers wie diesem möchte er seine Erfahrung nun weitergeben und interessierten jugendlichen Filmemachern eine erste Übersicht über das Drehbuchschreiben vermitteln.