Kultur | 09.04.2016

Die Kinder von morgen

Text von Auline Sánchez | Bilder von Auline Sánchez
Die jugendlichen Filmemacher und Filmemacherinnen der Kategorie B haben grosse Zukunftspläne. Ihre Filme zeigen, was uns 2056 erwarten könnte und stimmen nachdenklich.
Einblick in jugendliche Zukunftsvisionen gaben die Filme der Kategorie B am Freitagabend.
Bild: Auline Sánchez

Die Kategorie B (U19) sprudelte an den diesjährigen Jugendfilmtagen vor lauter guter Ideen. Alle Filme widmeten sich dem gleichen Thema: 2056 – ein Blick in die Zukunft. Vierzig Jahre in die Zukunft blicken, das hat viele Ideen in den Jugendlichen geweckt.

Angst vor der Digitalisierung

Als ein brisantes Thema in vielen Filmen zeigen sich die digitalen Fortschritte. Im Film Robokid haben die Kinder der Zukunft das Spielen verlernt. So können die Eltern ein Roboterkind für nur 150 Franken pro Monat mieten, das ihre Kinder von deren Computersucht befreit. In Chipstories haben Eltern die Möglichkeit, ihre Kinder rund um die Uhr zu überwachen und  zu kontrollieren. Kinder wollen dann plötzlich kein Taschengeld mehr, essen lieber Lauch als Süsses, erledigen liebend gern ihre Hausaufgaben. Doch Achtung, die Kinder sind schlau genug und drehen den Spiess um. Wo Eltern das Kinderzimmer aufräumen, tonnenweise Süssigkeiten einkaufen und die Kinder spielen lassen solange sie wollen, da gehen Kinderträume in Erfüllung.

Wenn Kinder die Weltmacht hätten

In Schule der Zukunft zeigt eine fünfte Klasse aus Zürich, was passiert, wenn Kernkraftwerke weiterhin in Gebrauch bleiben. Bis 2056 haben diese infolge atomarer Unfälle alle radioaktives Material freigesetzt und die Menschen sind zu Zombies mutiert. Ausser die Kinder, die bleiben Kinder und werden von den Zombies als Arbeitskräfte missbraucht. Bis sie schlussendlich die Menschheit retten. Hätten Kinder die Weltmacht, würde das nicht gut rauskommen, wie ein junger Filmemacher auf der Bühne meint. Sie würden sich wegen unnötigen Dingen zu oft streiten und das würde dann zu grossem Unfrieden führen. Deshalb fände er es besser, wenn die Erwachsenen die Welt regieren.

Der Nerv der Zeit

Wach sind sie auf jeden Fall, diese jungen, kreativen Denkerinnen und Denker. Alle Filme treffen den Nerv der Zeit, die MacherInnen zeigen heutige Probleme auf, Unzufriedenheit aus ihrem Alltag und Ängste oder Erwartungen an die Zukunft. Looking down und Die Auswanderung, zwei Animationsfilme, beschäftigen sich mit dem Thema der Überbevölkerung. In Morgen ist heute Gestern wendet sich eine sechste Klasse der Gesundheit, dem Fremdenhass und der Armut zu. Durch einen Blick in ihre eigene, düstere Zukunft ändern die Kinder im Film ihre Ansichten und ihren Lebensstil.

Hinhören

Eine Gruppe schwerhöriger Jugendlicher nutzt die Jugendfilmtage, um anderen ihre Beeinträchtigung näherzubringen. Die erste Sekundarschule präsentiert den Dokumentarfilm Hörgeräte 2056. Darin schildern sie ihre Wünsche an ein futuristisches Hörgerät. Es soll leistungsfähiger und wasserdicht werden, beim Sport nicht stören, kleiner sein. Es soll sich gut im Ohr verstecken lassen oder sich als Schmuckstück tarnen, sodass die Trägerin oder der Träger nicht anders sind als die anderen Kinder. Doch zwei gute Eigenschaften hat auch das „Hörgerät 2016“ schon, wie einer der Schüler sagt: «Natürlich hilft es mir beim Hören. Und wenn meine Eltern mich anschreien, kann ich es einfach ausziehen.»

Und so geht’s weiter:
http://jugendfilmtage.ch/festival2016/programmuebersicht-2016/