Gesellschaft | 02.04.2016

Das Energiebündel im Präsidium

Text von Lukas Blatter | Bilder von Anne-Lea Berger
Sie ist eine der alten Hasen bei Tink.ch. Und sie ist amtierende Co-Präsidentin. Welche Motivation die zuweilen zappelige 24-Jährige in dieses Amt gehievt hat und was sie an Tink.ch so toll findet.
Anita Béguelin
Bild: Anne-Lea Berger

Sie ist zwar nicht mehr an jeder Berner Redaktionssitzung von Tink.ch anzutreffen, doch die Freude daran scheint ihr noch immer nicht vergangen zu sein – im Gegenteil: Anita Béguelin, mittlerweile Co-Präsidentin desselben Vereins, fehle es schlicht an Zeit, erzählt sie anlässlich des Treffens der Jungjournalisten.

«Ich vermisse die kreativen Sitzungen als Redaktionsleiterin», so Béguelin. Coole Ideen zu haben, einander gegenseitig zu helfen und neue Leute kennenzulernen, das habe der 24-Jährigen schon zu Beginn zugesagt. Eine Kollegin am Gymnasium hatte ihr 2010 von Tink.ch erzählt. Jeder könne dort mitschreiben, so soll sie ihr davon berichtet haben. Ein Jahr verging, ohne dass sich Béguelin bei Tink.ch meldete.

Interview mit Nebengeräusch

Erst eine Einladung für eine Sitzung zur Planung des nächsten Themenmagazins, dem damaligen Printmagazin von Tink.ch, liess sie aufhorchen. Sie nahm daran teil und schnappte sich den Auftrag, ein Interview mit Noah Veraguth von der Bieler Band Pegasus zu führen, ihr erster Artikel für Tink.ch.

Schwierigkeiten bereitete Béguelin dabei nicht nur ihr Aufnahmegerät, dass bereits nach zwei Minuten zu surren begann. Auch um die kritische Distanz zu Noah Veraguth stand es schlecht, zumal die junge Reporterin auch persönlich für den Sänger schwärmte. Damals war noch unklar, dass die Band dereinst grosse nationale Erfolge feiern werden würde.

Auch wenn Anita Béguelin zu Tink.ch dazustiess, um einen ersten Einblick in den Journalismus zu erhalten, so stellte sie rasch fest, dass dies nicht ihr zukünftiger Beruf werden soll. Wenngleich sie bei Tink.ch das journalistische Handwerk erlernte, bemerkte sie bald, dass sie sich zu anderem berufen sah. «Ich bin gerne ein Coach», sagt sie von sich selbst.

«Man muss nicht Journalist sein bei Tink.ch»

Vom einen auf den anderen Tag wurde Béguelin Redaktionsleiterin Bern, eine Position, in der sie aufblühte. «Da wurde ich ziemlich ins kalte Wasser geworfen», kommentiert sie dies lapidar. Der Aufgabe ausgesetzt, lernte sie sich schnell in ihrer neuen Rolle zurecht zu finden.

Und ebendiese Möglichkeit, Erfahrungen zu machen und Fertigkeiten zu erlangen, Wissen, das sonst nirgends zu erwerben ist, gefällt ihr so an Tink.ch: «Das coole ist ja, dass man bei Tink.ch nicht Journalistin sein muss, um Teil des Projektes zu sein.»

Nach einem kurzen Zwischenstopp in der Chefredaktion, in der sie Artikel korrigierte und veröffentlichte, wechselte sie an der Mitgliederversammlung vergangenen Jahres in das Präsidium. Spätestens seit ihrer Arbeit in der Chefredaktion ist ihr klar, dass sie sich lieber den organisatorischen Belangen eines Vereines widmet und sich weniger mit der redaktionellen Arbeit befassen will.

Mit der Verantwortung als Co-Präsidentin einher geht eine Menge an Vereinsarbeit, die sie unentgeltlich leistet. Anita Béguelin liebt Ehrenamtlichkeit – die ihrer Meinung nach ehrlichste Art, sich einer Sache zu verschreiben. Ihre Motivation sei eben gerade nicht die Bezahlung für die geleistete Arbeit.

Doch immer weniger Zeit bleibt ihr so für die Dinge, an denen sie einst so viel Gefallen gefunden hatte. Oftmals reicht die Zeit nicht dazu, ihre Redaktion in Bern besuchen zu gehen, auch wenn sie sich mit den Reportern und der Dynamik der Sitzungen sehr verbunden fühlt: «Hier sind viele Leute dabei, die eine schnelle Auffassungsgabe haben und manchmal einen Drive entwickeln, der alle mit sich zieht.» Sie liebe es, wenn viel Energie im Raum ist, erzählt sie und man bemerkt sofort, dass ihr dies auch an dieser Sitzung einmal mehr positiv aufgefallen ist.

Nicht nur ein Medienprojekt

Auch sonst ist die ehemalige Berner Studentin, die in Ipsach nahe dem Bielersee aufwuchs, ein Energiebündel, dass sich schnell für etwas begeistern lässt. Sie wirkt spontan und macht klar, dass sie Abwechslung brauche. Auch wenn ihr dies bei ihrer derzeitigen Arbeit etwas zu kurz komme – das viele Herumsitzen dort sage ihr eher weniger zu –, die Arbeit gefalle ihr und fordere sie.

Im Rahmen eines Praktikums als Projektbetreuerin und -beraterin bei der Crowdfunding-Agentur «I care for you» hilft sie Personen bei der Beschaffung von Geldern für Projekte mit sozialem Anliegen. Vieles, das sie bei Tink.ch gelernt hat, kann sie dort anwenden. Und sollte es einmal langweilig werden, sorgt Tink.ch für reichlich Abwechslung.

Auch wenn aus Anita Béguelin dereinst keine Journalistin werden wird, Tink.ch sei dennoch ein wichtiger Teil ihrer Entwicklung gewesen und biete ihr nach wie vor an, etwas Neues dazuzulernen. Tink.ch sei nicht nur ein Medienprojekt, sondern ein Zusammenschluss von jungen Menschen und ein Ort, an dem die verschiedensten Erfahrungen gemacht werden können.

Hatte sie während ihres Studiums noch so ihre Schwierigkeiten mit der Buchhaltung, zeigte sie sich verantwortlich für die letzte Jahresrechnung des Vereins. «Ich bin Co-Präsidentin von Tink.ch, um der ganzen Welt zu sagen: Ihr könnt alles erlernen, wenn ihr euch nur getraut.» Sie selbst ist offenbar das beste Beispiel dafür.