Gesellschaft | 09.04.2016

Animation wie anno dazumal

Text von Monika Ertl | Bilder von zVg
Die Jugendfilmtage haben neben unzähligen Filmen von Nachwuchsregisseuren auch ein spannendes Rahmenprogramm zu bieten. Am Samstagnachmittag war in der Veranstaltung «Hier et aujourd'hui - animation à l'ancienne» eine Reihe ungewöhnlicher Trickfilme zu sehen.
Farbenfrohe Szene aus "Le poisson arc-en-ciel" (Iran, 1998)
Bild: zVg

Die Kinder im Publikum warten gespannt auf den Beginn der Vorstellung. Doch bevor es losgeht, stellen die Veranstalterinnen noch kurz ihr Projekt vor. In Kooperation mit dem Lausanner Festival Cinéma Jeune Public präsentiert das Jugendfilmfestival neun Trickfilme, von denen jeder mit einer anderen Animationstechnik hergestellt wurde. Es geht darum zu zeigen, dass Animation weit mehr sein kann als rein digitale Computerkunst.

Eine Katze aus Sand

Im Saal wird es dunkel und der erste Film beginnt. Von der Leinwand starren den Zuschauern zwei riesige blaue Katzenaugen entgegen. Sie gehören der magischen Chamäleonkatze, die zusammen mit dem Hirtenjungen Hansi einen bösen Fürsten besiegen muss. Für diesen Film aus dem Jahre 1975 haben die Regisseure Gisèle und Ernest Ansorge eine ganz besondere Technik verwendet. Sie zeichneten ihre Figuren mithilfe von Sand auf den bunten Hintergrund.

Knetgummi, Stoff und mehr

Auch andere aussergewöhnliche Techniken sind im Programm zu sehen. Im Film Gumbasia aus dem Jahre 1955 formieren sich immer neue Landschaften aus rosarotem Knetgummi. In Chemin Faisant entsteht mit Hilfe grober Pinselstriche eine melancholische Herbstlandschaft. In Le poisson arc-en-ciel erzählt die iranische Regisseurin Farkhondeh Torabi die allseits beliebte Geschichte vom Regenbogenfisch mithilfe von Stoffresten. Ein langer Reissverschluss dient dabei als Maul eines gefährlichen Raubfisches, der versucht den Regenbogenfisch zu fressen.

 

"Les Kiriki - Acrobats Japonais" (Frankreich, 1907) überzeugt auch heute noch mit seinenbeeindruckenden Spezialeffekten.
“Les Kiriki – Acrobats Japonais” (Frankreich, 1907) überzeugt auch heute noch mit seinen beeindruckenden Spezialeffekten.

Hundert Jahre und immer noch top

Ein Highlight der Veranstaltung ist der Kurzfilm Les Kiriki – Acrobats Japonais des Filmpioniers Segundo de Chomón. Eine Gruppe Akrobaten führt in diesem frühen Film von 1907 waghalsige Kunststücke vor. Die Spezialeffekte wirken auch nach über hundert Jahren noch beeindruckend.

Doch nicht nur alte Filme sind im Programm zu sehen. Gezeigt werden auch neuere Filme von Schweizer Filmschaffenden. Ganz lustig ist der Film Punkt & Striche von Jesus Pérez, in dem ein Strichmännchen und ein Strichfrauchen versuchen, sich gegenseitig auszuradieren. Der Film kombiniert gekonnt Animation und reale Elemente und zeigt, dass die Trickfilmkunst bis heute lebendig ist.

Auf den Geschmack gekommen

Den vorwiegend jungen Gästen scheint das Programm zu gefallen. Fasziniert beobachten sie die Geschehnisse auf der Leinwand. Am Schluss gibt es für alle noch einen Snack und ein kleines Geschenk. Stolz zeigt mir eine Gruppe Kinder ihre Instant Tattoos mit dem Festivallogo. Wer weiss, vielleicht sind einige von ihnen heute inspiriert worden und werden in ein paar Jahren selber einen Film am Jugendfilmfestival präsentieren.


Das Partnerfestival Cinéma Jeune Public in Lausanne findet ihr unter: http://www.festivalcinemajeunepublic.ch

Den über hundert Jahre alten Film mit den Akrobaten könnt ihr euch hier anschauen: http://cinema.arte.tv/de/die-kiriki-japanische-akrobaten