Kultur | 02.03.2016

Trash Attack

Text von Robin Mahler | Bilder von Pascale Amez
Es gibt Leute, die schlechte Filme als eine Kunstform bezeichnen. Ob sie nun absichtlich billig gedreht worden sind, provozieren oder wegen künstlerischen Unvermögens grossartig scheitern, spielt dabei keine Rolle. Sie finden immer ihr Publikum und ihre Fans. Ronny Kupferschmid, Veranstalter und Gründer des Blogs «kultmoviegang» ist ein Anhänger dieses Genres und bringt sie ins Kino.
Über 70 Personen nahmen am Screening von Shark Attack 3 teil.
Bild: Pascale Amez

Tatort: Kino CineClub in Bern, Donnerstag 21. Januar 2016:

Eine Vorstellung tanzt aus der donnerstäglichen Kinoliste aus der Reihe. Der im Jahre 2002 gedrehte Haifisch-Horrorfilm Shark Attack 3: Megalodon wird gezeigt. Sogar in einem Kino, welches sich sonst dem Genre «Arthouse», also künstlerisch anspruchsvollen Filmen widmet.

Bereits vor Beginn der Vorstellung kommen Fans und Neugierige auf ihre Kosten. Vor dem Eingang wird man von einem Plüschhai begrüsst. Jeder Besucher kann sich im Foyer mit einer Gratis-Flosse als Kopfbedeckung ausrüsten. Für fünf Franken gibt es einen eigens entworfenen Megalo-Shot in passender blauer Farbe zu kaufen. Auf Videobildschirmen laufen zum jeweiligen Soundtrack Szenen aus bekannten Kultfilmen wie Fight Club oder Back to the Future ab.

Bevor es mit der Vorführung losgeht, hält Ronny Kupferschmid eine kurze Ansprache, bei dem er klarstellt, dass während des Films ruhig geklatscht, geredet und mit extra mitgebrachten Plüschhaien seines Sohnes geworfen werden darf, was vom Publikum dann auch befolgt wird. Mit Bedauern fügt Ronny an, dass die Stars des Films leider nicht kommen konnten, da sie «keine Zeit hätten oder zu beschäftigt mit Botox» wären. Zur Einstimmung werden drei ausgelesene Trailer gezeigt, unter anderem zu Birdemic 2, der zwei Monate später im gleichen Kino gezeigt wird.

Licht aus, Film an.

Hailige Scheisse!

Die Handlung von Shark Attack 3 ist schnell erzählt: Die mexikanische Küste wird von Hai-Angriffen heimgesucht. Ein dauergrinsender Rettungsschwimmer und eine Forscherin gehen der Sache auf den Grund. Interessanterweise wird die Hauptrolle von John Barrowman gespielt, welcher aktuell in den DC-Comics Serien Arrow und The Flash zu sehen ist und somit etwas Prominenz in den Cast bringt. Ansonsten bietet der Film das volle Programm eines B-Movies: Logiklöcher, lachhafte Effekte, schlechte schauspielerische Leistungen und mies geschriebene Dialoge, die einen wahlweise zum Lachen oder Kopfschütteln bringen.

Richtig amateurhaft: Die Attacken des Megalodon, der als grösste ausgestorbene Haifischart der Welt gilt, werden einfach aus Ausschnitten von Tierdokumentationen und Wackelkamera zusammengesetzt, Leute springen aus einer Yacht ins Wasser, um sich vor weiteren Angriffen zu schützen, ein kleines U-Boot verfügt über Torpedos und in der besten Szene dieses Machwerks versucht ein Bösewicht dem Hai zu entkommen, indem er mit seinem Jetski in das Maul des Hais fährt. Diese Szene muss man gesehen haben. Sie erntet an diesem Abend das lauteste Gelächter und Szenenapplaus. Danach folgt nicht mehr viel, der Megalodon wird erledigt und leitet somit das obligatorische Happy-End ein.

Nach kurzweiligen 99 Minuten geht es für die Zuschauer mit einem Grinsen nach Hause. Aus folgendem Filmzitat haben sie sogar an diesem Abend noch etwas gelernt: «Assholes are never happy.»

Für jene Leser, welche jetzt neugierig geworden sind, halbwegs gut Englisch verstehen und sich gerne mal trashige oder lustige Filme reinziehen, sei das nächste Screening empfohlen. Es findet am Donnerstag, 31.März 2016 um 20:45 Uhr im CineClub Bern statt. Gezeigt wird Birdemic 2: Resurrection. Der Trailer hat schon angedeutet, dass der Streifen seinem Vorbild Die Vögel qualitativ in nichts nachstehen wird.

Im Interview spricht Ronny Kupferschmid über den Aufwand, solche Filme ins Kino zu bringen.