Kultur | 09.03.2016

«Es geht um den gemeinsamen Spass im Kino»

Text von Robin Mahler | Bilder von Pascale Amez
«Ronny Kupferschmid ist ein grosser Filmliebhaber». Besonders angetan ist er von trashigen und schlechten Machwerken, welche er sich mit grossem Vergnügen in seiner Freizeit reinzieht. Seit 2015 bringt er solche in regelmässigen Abständen ins Kino. Vor kurzem hat er sein viertes Screening in Bern über die Bühne gebracht. Im Interview erzählt er über diese Vorführung, seinen Blog «Kultmoviegang» und den Aufwand, solche Streifen überhaupt in ein Lichtspielhaus bringen zu können.
Ronny Kupferschmied bringt spezielle Filme ins Kino
Bild: Pascale Amez
Tink.ch: Ronny, wie bist du auf die Idee für deinen Blog gekommen?

Ronny Kupferschmid: Das war im Dezember 2014. Ich wollte etwas kreieren, was ich gern und mit viel Hingabe mache. Durch meine Filmleidenschaft wusste ich, dass es etwas mit Filmen zu tun haben muss. Da ich im Zeitalter der VHS-Kassette aufwuchs, sollte es ein Blog mit einer gewissen «Trash-Quote» werden. Ich mag gute Filme und schaue mir solche gerne im Kino an. Schlechte Filme sind aber eine Nische, welche in der Schweiz noch niemand richtig besetzt hat und um diese Art Film geht es auf der Webseite. Die Idee ist, wie der Name es schon sagt, eine Art «Gang» aufzubauen, also mehrere Leute, die daran mitarbeiten. Deswegen suche ich noch Schreiber. Bei Interesse kann man sich per Mail an keinblatt@kultmoviegang.ch melden. Sämtliche Social-Media Kanäle, Promotion für die Screenings und sonstige Arbeiten werden von mir betrieben.

Apropos Screening: Wie hast du die Aufführung von «Shark Attack 3» erlebt?

Sehr positiv. Ich habe erwartet, dass weniger Leute kommen, da sich in den letzten Jahren eine gewisse Sättigung an Haifilmen eingestellt hat (Bekanntes Beispiel: Die «Sharknado» Reihe der Asylum Studios). Ein paar Kollegen, die bis jetzt bei jedem Screening dabei waren, haben mir explizit gesagt, dass sie deswegen nicht kommen werden. Von daher war ich überrascht, dass über 70 Nasen aufgetaucht sind. Die Stimmung war von Anfang bis Ende toll und die Leute sind richtig abgegangen. Trotz des grossen Kinosaals, in welchem 70 Leute schon etwas verloren wirken. Mein Ziel ist deshalb, entweder kleinere Kinosäle zu mieten oder die 300 Plätze im Kino Club auszuverkaufen.

Dann war es für dich von den vier bisherigen das beste Screening?

Aus finanzieller Sicht gesehen nein (lacht). Persönlich aber schon. Es war ein grosser Spass.

Gibt es einen oder mehrere Filme, die deine Leidenschaft für Trash geweckt haben?

Es gibt da ein Ereignis, welches die Passion wahrscheinlich insgeheim getriggert hat: Mit 14 Jahren habe ich mir in meinem Kinderzimmer die Comic-Verfilmung «The Punisher» mit Dolph Lundgren angeschaut. Nur schon die Tatsache, einen Film mit Altersfreigabe ab 18 Jahren zu sehen, hat mich wohl weggeblasen. Glücklicherweise hatten wir in Lyss einige coole Video-Stores. Ich habe mich rasch mit den Mitarbeitern angefreundet. Sie haben mich mit Filmen versorgt und ich konnte mir ein breites Wissen an Genres aneignen. Ein Film, den ich früher ziemlich oft gesehen habe ist die Komödie «Teen Wolf» mit Michael J. Fox. Kein wirklicher Trash, wobei, aus heutiger Sicht wahrscheinlich schon (grinst).

Wie läuft die Planung für einen solchen Kinoabend ab?

Mein Ziel ist es, alle zwei Monate einen Film in Bern ins Kino zu bringen. Ich brauche diese Vorlaufzeit, um potenzielle Filme anzuschauen, geeignete zu notieren und dann die Filmrechte zu sichern. Danach melde ich mich bei «Quinnie» mit den Details. Bei Zustimmung beginne ich die Promotion mit Facebook Postings, rezensiere den Film auf dem Blog, organisiere die Intro-Videos, kreiere die Gadgets für das Foyer und überlege mir den thematisch passenden Drink oder Shot, den wir für später an der Vorführung anbieten.

Klingt nach einer Menge Arbeit.

Ist es auch. Zum Glück unterstützt mich meine Frau und hilft beim Basteln mit. Ab und zu schauen wir einen schlechten Film zusammen, wobei sie eher «gute» Filme mag.

Nach welchen Kriterien wählst du die gezeigten Filme aus?

Ob der Regisseur einen ernsthaften Streifen im Sinn gehabt oder bewusst Quatsch gedreht hat, ist egal. Der Film muss einfach für ein Rahmenprogramm geeignet sein. Um ihn auf die Leinwand bringen zu können, muss die Bildqualität stimmen. Der Ton sollte, wenn möglich, in 5.1. vorliegen, damit man einen optimalen Kinosound hat und alles gut hörbar ist. Das Wichtigste ist, dass er nicht langweilt und während der gesamten Laufzeit unterhaltsam ist.

Wie konntest du deine Idee, solche Machwerke auf die Leinwand zu bringen verwirklichen?

Es ist recht simpel: Zuerst habe ich ein Konzept geschrieben und es dann verschiedenen Kinobetreibern vorgestellt. Kino REX in Bern hat beispielsweise Interesse gezeigt. Das Kino «Quinnie» hat dann aber den Zuschlag erhalten, da sie mir den Saal des »CineClub» zur Verfügung gestellt haben, einen der schönsten Säle in der Schweiz. Ausserdem hat es eine Bar. Zudem zeigten sie sich von Anfang an sehr offen gegenüber der Idee. Die Zusammenarbeit ist freundschaftlich und fair.

Lohnt sich dein Projekt überhaupt?

Bis jetzt halten sich die Einnahmen in Grenzen. Offengesagt: für die Rechte an «Shark Attack 3» gingen 150 Franken drauf, für andere habe ich sogar mal bis zu 400 Franken gezahlt. Dafür verdiene ich jeweils die Hälfte an den Eintritten. Da ich aber die Promotion, die Gadgets und sonstlichen Aufwände aus der eigenen Tasche bezahle, bin ich froh, wenn es am Ende des Tages eine Null-Rechnung ist. Es ist nicht das Ziel, Gewinn zu erzielen, dennoch will ich meine Familie nicht in den Ruin stürzen (lacht). Wenn es irgendwann gelingt, keine Unkosten mehr zu haben, ist das auch gut.

Wieso soll sich jemand einen schlechten Film im Kino anschauen?

Es geht darum, gemeinsam Spass im Kino zu haben und nicht nur still im Saal zu hocken und auf die Leinwand zu starren. Kino ist ein gemeinsames Erlebnis und solche Filme sind perfekt dafür geeignet.

Hast du Pläne für die Expansion (beispielsweise in einer anderen Stadt, weitere Kinos…)?

Momentan bestehen Verhandlungen mit weiteren Kinos für «Kultmoviegang»-Screenings. Der Hauptstandort bleibt in Bern.

Ist es möglich als Zuschauer bei dir Filmvorschläge abzugeben?

Sehr gerne. Ich bin für alles offen und man kann sich bei mir über die Webseite, per Mail oder Facebook melden.

Kann es nach «Birdemic 2» wirklich noch schlechter kommen? Dieser Film sieht ja schon vielversprechend aus mit seinen hölzernen Dialogen, der wirren Kameraführung und den Spezialeffekten.

Das wird eine schwierige Angelegenheit. Es kann sicherlich noch besser kommen, im Sinne von noch unterhaltsamer. Von den Effekten und dem Produktionswert her, also in seiner gesamten Machart, ist er schon einer der schlimmsten (schmunzelt).

Weitere Screenings: «Birdemic 2: Resurrection» am 31. März 2016 und «A Hard Ticket To Hawaii», 19. Mai 2016 jeweils im CineClub in Bern. Den Bericht zur jüngsten Aufführung gibt es hier.