Politik | 23.02.2016

Mit Essen spielt man nicht!

Im Zuge der kommenden Abstimmungen vom 28. Februar bat Tink.ch mehrere Nachwuchspolitiker der grössten Jungparteien, Stellung zu den Vorlagen zu beziehen. In einer Carte Blanche spricht sich hier Caroline Morel, Geschäftsleiterin von Swissaid, für die Annahme der Spekulationsstopp-Initiative aus.
Andreas Hermsdorf /pixelio.de
Bild: Andreas Hermsdorf /pixelio.de

Die Nahrungsmittelkrise 2007/2008 schreckte die internationale Gemeinschaft auf. Die Zahl der Hungernden stieg rasch um 100 Millionen und erreichte die traurige Rekordmarke von 1 Milliarde Menschen. Die Hauptgründe: Die Preise für Grundnahrungsmittel waren wegen Ernteausfällen nach Dürren und Überschwemmungen markant gestiegen. Hinzu kamen der politisch geförderte Anbau von Agrotreibstoffen sowie die zunehmende Tierfutterproduktion wegen steigendem Fleischkonsum. Doch auch die Spekulation mit Agrarrohstoffen wie Weizen oder Reis trieb die Preise in die Höhe.

Hohe Nahrungsmittelpreise führen zu Hunger, Rückschritten in der Armutsbekämpfung und sozialen Unruhen. In Entwicklungsländern geben arme Haushalte 60 bis 80 Prozent ihres Einkommens fürs Essen aus – prozentual gesehen viel mehr als bei uns. Hohe Preise für Grundnahrungsmittel führen häufig zum Verzicht auf höherwertige und gesunde Nahrung wie Obst, Gemüse oder Milch, zu Verschuldung oder zu geringeren Ausgaben für Gesundheit und Bildung. Dies hat langfristige gesundheitliche und ökonomische Konsequenzen für arme Menschen in Entwicklungsländern: Ganze Familien sind in ihrer Existenz bedroht.

Nahrungsmittelspekulation verstärkt die Preisschwankungen

Weltbank- und UNO-Studien gehen davon aus, dass Finanzspekulationen die Getreidepreise 2008 zusätzlich in die Höhe trieben. Dies ist jedoch wissenschaftlich umstritten. Einig sind sich die Gelehrten aber darüber, dass die Spekulation mit Nahrungsmitteln die Preisschwankungen verstärkt: Seit Agrarrohstoffe ins Visier der Investoren gerückt sind, hat die Preisvolatilität markant zugenommen.

Doch bei der rein auf Profit ausgerichteten Spekulation mit Nahrungsmitteln geht es um mehr als um einen Streit unter Wissenschaftlern. Die damit verbundenen Risiken für Millionen Menschen sind schlicht zu gross. Darum muss alles getan werden, um das Risiko von starken Preisschwankungen möglichst klein zu halten, ganz nach dem Prinzip: «Better save than sorry»!

Starke Preisschwankungen verhindern nachhaltige Entwicklung

Die unberechenbare Preisentwicklung für ihre Produkte ist für Kleinbauernfamilien in Ländern des Südens verheerend, denn sie können nicht langfristig planen und scheuen sich, in ihren Betrieb zu investieren. In der Not kann die unsichere Situation dazu führen, dass die Bauern Saatgut, Vieh oder Land verkaufen müssen. Die Gefahr wächst, dass die Menschen qualitativ und quantitativ schlechter mit Nahrungsmitteln versorgt werden.

Angesichts der 800 Millionen Menschen, die heute unter Hunger leiden, ist die Spekulation mit Nahrungsmitteln ein Skandal. Es muss alles unternommen werden, um schädliche und exzessive Spekulation zu unterbinden. Mit der Spekulationsstopp-Initiative können wir das erreichen. Gerade in der Schweiz, einem der wichtigsten globalen Handelsplätze für Agrarrohstoffe, braucht es einen mutigen politischen Schritt zum Schutz des Rechts auf Nahrung für alle.