Politik | 23.02.2016

«Grundlage für mehr Schwerverkehr durch die Alpen»

Text von Judith Schmutz | Bilder von zvg
Im Zuge der kommenden Abstimmungen vom 28. Februar bat Tink.ch mehrere Nachwuchspolitiker der grössten Jungparteien, Stellung zu den Vorlagen zu beziehen. In einer Carte Blanche spricht sich hier Judith Schmutz, Co-Präsidentin der Jungen Grünen Schweiz, gegen einen zweiten Gotthard-Strassentunnel aus.
Judith Schmutz, Co- Präsidentin der Jungen Grünen Schweiz.
Bild: zvg

Das meistverbreitete Argument der Befürworter der zweiten Röhre betrifft die Sicherheit, die im bestehenden Gotthardtunnel nicht gewährleistet sei. Dazu heisst es dann, dass sich die Gegner der zweiten Gotthardröhre gegen mehr Sicherheit aussprechen. Was absoluter Blödsinn ist. Natürlich sind die Gegner der zweiten Röhre nicht für weniger Sicherheit, nur darf die Sicherheit nicht als Vorwand für eine zweite Röhre missbraucht werden, so wie es der Bund etwa tut.

In den letzten 35 Jahren sind im Gotthardtunnel 36 Menschen ums Leben gekommen, dies sind viel weniger als in anderen Verkehrsschwerpunkten wie zum Beispiel im Grossraum Zürich, bei denen die Sicherheit nicht kritisiert wird. Während den Sanierungsarbeiten wird bekanntlich die Tunnelhöhe auf 4,8 Meter erhöht. Ebenso könnte eine versenkbare Mittelleitplanke eingeplant werden, um die Sicherheit zu erhöhen.

Nun sind wir aber noch nicht so weit gekommen, um darzulegen, wieso es diese zweite Röhre eben nicht braucht: Mit dem Bau einer zweiten Röhre wird möglich gemacht, die Kapazität des Transitverkehrs zu vergrössern. Die Kapazität des Transitverkehrs darf aber laut dem Alpenschutzartikel, der 1994 durch den Volkswillen in die Verfassung geschrieben wurde, nicht erhöht werden.

Mit einer zweiten Röhre aber und somit mit zwei doppelspurigen Röhren, wird die Grundlage geschaffen, um mehr Transitverkehr durch die Alpen zu schleusen, was einerseits dem Alpenschutzartikel widerspricht und ausserdem die Sicherheitsvorkehrungen schwächen würde, da es dann vor allem mehr Schwerverkehr geben wird. Die jährliche Zunahme des allgemeinen Mehrverkehrs beträgt etwa 3 Prozent, und diese wird auch der Gotthard zu spüren bekommen.

Ein wichtiger Punkt bezüglich der Diskussion über eine weitere Gotthardröhre (offiziell geht es dabei um die Sanierung der bestehenden Röhre) betrifft die NEAT, welche am 1. Juni 2016 eröffnet wird. Der neu gebaute Schienentunnel, hauptsächlich für den Schwerverkehr gedacht, hat uns Milliarden gekostet und konnte seine Fähigkeiten noch nicht beweisen.

Trotzdem stimmt das Stimmvolk schon über eine zweite Röhre ab, was einfach nur absurd ist. Zuerst müssen wir schauen, wie sich die Lage um den Gotthard entwickelt, sobald die NEAT in Betrieb ist. Dann wird ein grosser Teil des Gütertransports auf die Schiene verladen werden, was dazu führen wird, dass weniger Lastwagen durch den Gotthardstrassentunnel fahren. So sind wir wieder bei der Sicherheitsfrage gelandet und konnten sie ohne eine zweite Röhre lösen.

Mit einem „Ja“ zu einer zweiten Röhre sagen wir „ja“ zu mehr Transitverkehr, zu mehr Luftverschmutzung und zu einem Verschleiss von Milliarden!

Deshalb ein dickes fettes „Nein“ zur zweiten Gotthardröhre!