Gesellschaft | 15.02.2016

Future Forest

Text von Louisa Merten | Bilder von Louisa Merten
Es wird immer wärmer - unsere Erde mutiert zum Backofen. Wie die Schweizer Wälder in fünfzig Jahren aussehen werden, darüber können Experten nur spekulieren. «Schädlinge und Krankheiten werden die Entwicklung des Waldes unvorhersehbar bestimmen» , meint Andreas Roloff vom Institut für Forstbotanik in Dresden. Klar ist aber, dass Baumarten, wie zum Beispiel die Föhre, bereits im Hitzejahr 2003 stark gelitten haben. Neben der Hitze haben ihnen auch die sich dadurch rapide vermehrenden Borkenkäfer stark zu schaffen gemacht und einen grossen Teil der Föhrenpopulation zurückgehen lassen.
Bäume brauchen Kohlenstoffdioxid zum Leben. Doch zu viel ist zu viel - auch für unsere Wälder.
Bild: Louisa Merten

Hitze fördert Schädlingsverbreitung

Künftig ist öfter mit solchen Hitzesommern zu rechnen und gegen die Schädlinge sind nicht nur die Föhren machtlos. Auch die Fichte kämpft mit den Krabbeltieren und der sengenden Sonne. Durch die Hitze können sich für die Borkenkäfer schädliche Schimmelpilze nicht genug ausbreiten, die Krabbler werden seltener krank, vermehren sich in der Folge prächtig und fressen sich durch den gesamten Fichten-, Föhren-, und Rottannenbestand.

Ausgetrocknete Böden

Fichte, Föhre und weitere Baumarten bekommen zudem mit dem immer trockener werdenden Boden ein massives Problem. Unter den Förstern ist dieses Phänomen schon hinreichend bekannt. Um sich auf die kommenden Jahre einzustellen, haben viele von ihnen deshalb begonnen, die Rottanne, die die meisten Schwierigkeiten mit der Anpassung an die neuen Klimabedingungen hat, durch hitze- und trockenbeständigere Gehölze zu ersetzen. Alles in allem rechnet Forstbiologe Andreas Roloff in der Zukunft aber mit einem artenreicheren Wald. Vor allem seltenere Baumarten sollen im Vorteil sein, die bisher von den aktuell häufig vorkommenden Fichten, Kiefern und Buchen derzeit eher verdrängt werden.

Bessere Voraussetzungen für Amphibien

Nicht nur einigen Bäumen, sondern auch den feuchtigkeitsliebenden Amphibien käme eine gewisse Zunahme an Wärme zugute, meint Biologe Benedikt Schmidt von der Koordinationsstelle für Amphibien und Reptilienschutz in der Schweiz. Denn die Fische, die in den Waldteichen leben und die Amphibienlarven fressen, könnten in einem ausgetrockneten Tümpel nicht überleben. Wenn dieser also nach seiner Austrocknung imstande wäre, sich durch einige Regengüsse wieder zu füllen, wäre er fischfrei, was der Amphibienpopulation zugute käme. Zu viel Hitze ist aber zweifellos schädlich. Für Amphibien als auch für Reptilien. «Eidechsen vergraben ihre Eier zum Beispiel im Boden und es besteht die Gefahr, dass dieser zu heiss wird.»,erklärt Schmidt. Dies habe ein Absterben der Embryonen zur Folge.

Entwicklung in der Schweiz noch ungewiss

Mit der Klimaveränderung beginnt ein Wettlauf gegen die Zeit. Vielerorts verändern sich Klima und Bedingungen zu schnell für die Amphibien. Während Fische zehn bis zwanzig Jahre brauchen, um sich anzupassen, vergehen bei den Amphibien etwa fünfzig Jahre, bis eine vergleichbare Anpassung vollbracht ist.

Es sind Fälle bekannt, in denen sich das Klima schneller verändert hat, als sich die Amphibien anpassen konnten. «Das gibt dann einen kritischen Moment, in dem nicht klar ist, ob sie die Schnelligkeit der Veränderung durch Anpassung aufholen können.», meint Schmidt. Ohne Amphibien ist der Nährstofftransport zwischen Land und Wasser unterbrochen, der ein wichtiges Glied in der Nahrungskette darstellt. In Südamerika hat sich die Art des Nährstofftransports aufgrund mangelnder Amphibienvorkommen bereits verändert. Ob es sich in der Schweiz ähnlich entwickelt, wird sich zeigen.