Kriegt Leonardo DiCaprio seinen ersten Oscar?

Ja, es ist wieder soweit und es ist Oscar-Zeit. Schon zum 88. Mal werden die Academy Awards verliehen und mit dabei ist wieder der ewige Verlierer Leoardo DiCaprio mit seinem Film «The Revenant».

Für den Hollywood-Beau wird der 28. Februar zum sechsten Anlauf, um ein Goldmännchen mit nach Hause nehmen zu dürfen. In den Vorjahren ist DiCaprio immer leer ausgegangen. Doch diesmal soll alles anders werden, den laut Experten, die jedes Jahr Wettquoten erstellen, stehe dem nichts im Wege. Ausserdem hat Leonardo DiCaprio bei fast allen anderen Film Festivals abgesahnt und meistens fallen bei einigen Festivals ähnliche Urteil wie bei den Academy Awards.

Wegweiser, Pelzjäger und Halbblutindianer

Im Westernfilm «The Revenant» geht es um einen Mann namens Hugh Glass (Leonardo DiCaprio), der mit seinem Sohn als Wegweiser arbeitet. Er lotst Pelzjäger durch den Wald, die Pelze transportieren und später in ihrem Dorf weiterverarbeiten und verkaufen. Doch der Weg durch den Wald ist nicht das einzige Problem der Pelzjäger, sondern auch die Gefahren, die dort lauern. Von einer Seite gibt es Indianerstämme, die sich bekämpfen und von anderer Seite lauern die Franzosen, die auch hinter den Pelzen sind. Hugh Glass ist mit einem diesen Indianerstämme gut vertraut, weil seine Frau von dort kam und sein Sohn Halbblut-Indianer ist. Hugh Glass verlor seine Familie bei einem Armeeüberfall, sein Sohn erlitt dabei mehrere Brennwunden. Nach diesem Vorfall versprach er seinem Sohn, dass er immer für ihn da sein und ihn nie verlassen werde. Dann gibt es noch den Gegenspieler John Fitzgerald (Tom Hardy), der schon vom Anfang an nichts von Hugh Glasses Wegweiser-Künsten hielt und vor allem nichts von seinem Sohn.

Filmische Darbietung

Alejandro G. Iñárritu hat wirklich ein Händchen dafür, wie man einen tollen Film macht. Er ist bekannt für seine Independent-Filme, doch im Gegensatz zu früher, wird diesen viel mehr Aufmerksamkeit geschenkt.

Wirklich viele Filme hat er nicht gedreht, eine Dokumentation und einige Kurzfilme ausgeschlossen beläuft sich die Zahl auf sechs Filme in den letzten 16 Jahren. Doch es gibt auch andere gute Regisseure, die sich mit ihren Filmprojekten viel Zeit lassen, sowie Quentin Tarantino, der jetzt mit «The Hateful Eight»’ gerade mal seinen achten Film rausbrachte. Tarantinos Filme mögen nicht so kunstvoll und ästhetisch gestaltet sein wie Iñárritus Filme, aber auch er hat das Kino revolutioniert. Bis anhin war Iñárritu kein Mann, der Filme für die breite Masse produziert hat. Das sollte sich mit seinem Film «Birdman» ändern. Dieser Film verhalf dem Regisseur zu dem Sprung in die breite Masse. Aufallend ist die Ähnlichkeit in der Kameraführung zwischen «Birdman» und «The Revenant».

Besonders eine Szene fällt durch viele Parallelen auf: Bei dieser Szene gab es eine epische Schlacht, bei der die Kamera nicht wie gewöhnlich nur den Hauptprotagonisten fokussierte, sondern einmal durch die ganze Schlacht hindurchging. Die berühmten Schauspieler, wie Leonardo DiCaprio, Tom Hardy und Will Poulter waren nur noch im Hintergrund zu sehen. Ausserdem gab es keinen Unterbruch, es wurde  fortlaufend gefilmt.

In einer anderen Szene wurde Hugh Glass fast fünf Minuten lang von einem Bären zerfleischt und diese Szene wirkte authentisch, obwohl der Bär nur eine Computeranimation war. Diese Filmszene, die im Trailer vorkam, sorgte in den Internetforen für Aufsehen, weil einige User dachten, DiCaprio würde von einem Bären vergewaltigt. Fox dementierte und stellte fest, dass es sich um eine Kampfszene handelt. So realistisch die Szene auch sein mag, nach dieser fängt erst der oscarwürdige Teil von DiCaprios schauspielerischer Leistung an. Stöhnend schleift er sich mit Ach und Krach durch die Wildnis, um Rache am Mörder seines Sohnes zu üben.

In der Nacht auf Montag, den 28. Februar, wird der Preis vergeben. Ab acht Uhr sendet ProSieben die ganze Nacht lang Live aus Los Angeles . Wer seinen Schönheitsschlaf braucht, kann aber auch erst um fünf Uhr morgens einschalten und mit Leonardo DiCaprio mitfiebern.

Spekulation – (k)ein Abstimmungsratgeber

Schummriges Licht. Ein Anzugträger vor dem Computer. Mit jedem Klick auf der Tastatur berstet ein weiteres Nahrungsmittel. Ananas. Weizen. Zitronen. Auch Mais explodiert, zerspringt in alle Teile. Dazu dramatische Musik, Mozart.

So inszenieren die Initianten der Nahrungsmittelspekulationsinitiative eben jenes Geschäft, welches sie sogleich verbieten möchten. Dies, weil es ihrer Meinung nach für den Hunger in der Welt mitverantwortlich sei. Mit Essen spiele man bekanntlich nicht!

Uneinigkeit

Dieser moralische Appell tönt richtig und wichtig. Experten und Politiker streiten sich jedoch um die Wirkung und Bedeutung der Spekulation mit Agrargütern. Wirtschaftsverbände sagen, die Spekulation helfe Bauern sowie Händler, sorge für stabilere Preise, und legen gleich dies bestätigende Studien vor. Linke Politiker, Hilfs- und Entwicklungsorganisationen, Kirchenverbände behaupten das Gegenteil und präsentierten ihrerseits dazu passende Studien. Wenn bereits Experten aus aller Welt keine eindeutige Lösung finden, wie sollen die Stimmbürger in der Schweiz wissen, wie sie abzustimmen haben?

Auch die Fachwelt ist sich uneins. Die Universität Basel erforschte diese Uneinigkeit in einer Metastudie, also einer Studie, welche andere Studien untersucht und vergleicht. Laut dieser wird der Spekulation in etwa der Hälfte aller Studien gar keine Auswirkung zugeschrieben. Bei der anderen Hälfte der Studien finden sich zu etwa gleichen Teilen negative oder positive Auswirkungen. Solche positiven Auswirkungen sind unter anderem weniger extreme Preisschwankungen (Volatilität), welche besonders für ärmere Länder verheerend sein können.

«Für einen Laien sind solche Zusammenhänge zwischen Börsenhandel, Preisniveau und Preisschwankungen enorm schwer zu beurteilen», sagt Anna Zuber vom Center for Corporate Responsibility and Sustainability (CCRS). Sich alleine auf den gesunden Menschenverstand zu verlassen führe in dieser Frage rasch in die Irre, so Zuber, die für ihre Doktorarbeit während fünf Jahren über Nahrungsmittelspekulation forschte.

Aber genug der Unklarheiten. Wenden wir uns den Fakten zu.

Absicherung

Ein Bauer weiss nicht, wie sich der Marktpreis entwickelt haben wird, wenn er im kommenden Sommer seine Ernte einbringt. Sicherheitshalber vereinbart er also mit einem Weizenhändler schon im Winter, wie viel Weizen dieser zu welchem Preis kaufen wird. So kann er das Risiko eines plötzlich tiefen Erlöses seiner Ernteabsichern. Der Weizenhändler seinerseits kann darauf hoffen, den Weizen im Sommer zu einem höheren Preis weiterverkaufen zu können. Er spekuliert also.

Diesen Teil der Spekulation wird unbestritten als «gute» Spekulation bezeichnet, wird auch von der Juso nicht bekämpft. Sie hilft dem Bauern wie dem Abnehmer und hat einen echten Warenaustausch zur Folge.

Börsenhandel

An einer Warenterminbörse treffen dann Produzenten, Abnehmer und Spekulanten aller Art aufeinander. Was geschieht genau? Gehandelt werden Produkte (Futures), die standardisiert sind in Bezug auf Menge, Qualität und Liefertermin. Der Preis aber kann sich ständig ändern. Er ist abhängig von verschiedensten Einflüssen; vom Wetter, von der politischen Lage in den Anbaugebieten und natürlich von Angebot und Nachfrage.

Die Produkte werden aber nicht wirklich gehandelt, sondern stellen eine Art Gutschein dar, etwa für Maismehl, Weizen oder Kaffee. Mit diesem Gutschein kann man später die Ware, wenn sie geerntet ist, einlösen. Oder man verkauft den Gutschein weiter.

Die Leute, die an der Börse handeln, sind meist nicht interessiert an der Ware selbst, sie wollen also den erworbenen Gutschein gar nie einlösen. Ihr einziges Interesse ist der Gewinn, den sie aus der Differenz zwischen Kauf- und Verkaufspreis ziehen. Bei tiefen Preisen kaufen sie den Gutschein, in der Hoffnung, ihn später teurer verkaufen zu können. Ein Spekulant muss also in die Zukunft blicken können, den Markt gut kennen. Oder besonders risikofreudig sein.

Positive Spekulation?

Wird das Angebot knapp und steigt die Nachfrage, so steigt auch der Preis. Genau hier sehen viele Fachleute einen positiven Effekt der Spekulation. Dadurch, dass die Spekulanten bei einer Knappheit ihre Ware weiterverkaufen, steigt der Preis nicht weiter, weil wieder mehr Ware auf den Markt zurückkommt.

Trotz dieser viel angetönten Preisstabilisierung durch Spekulanten sind eben diese auch an grossen Preisschwankungen interessiert. Dies kann für die Mitglieder von ärmeren Bevölkerungsschichten zum Problem werden, da diese sich die Lebensmittel aufgrund der auch sonst bereits hohen Ausgaben dafür dann nicht mehr im selben Masse leisten können. Denn, und darüber sind sich die meisten Experten einig, die Preise an der Börse und auf dem physischen Markt passen sich an, auch wenn nicht klar ist, wie und in welchem Ausmass.

Wissen um Nichtwissen

Der heutige Forschungsstand zur Nahrungsmittelspekulation ist unbefriedigend. Noch gibt es keinen eindeutigen Trend der Studien, verschiedenste Analysen scheinen möglich. Dementsprechend gegensätzlich sind die Argumente der Politiker und Experten.

Die klaren Positionen der Befürworter wie Gegner der Initiative seien aus wissenschaftlicher Sicht teilweise deutlich abzuschwächen, so Zuber vom CCRS: «Beide Seiten übertreiben, wenn sie von ‹klar erwiesenen› positiven oder negativen Auswirkungen der Spekulation berichten.»

Ob ein Verbot von Nahrungsmittelspekulation den Hunger in der Welt eindämmen würde, könnte letztlich nur ein globales Experiment zeigen. Für Zuber bestehe jedoch die Gefahr, in guter Absicht mehr Schaden anzurichten als Probleme zu lösen: «Das Ziel einer Regulierung müsste sein, allfällige negative Auswirkungen der Spekulation einzudämmen, ohne dabei die positiven Effekte zu gefährden.»

Intuition versus Statistik

Wer einem Spekulanten zusieht, wie dieser vor seinem Computer innerhalb weniger Minuten Tausende von Franken gewinnt oder verspielt, kann sich wohl nicht wirklich mit diesem Geschäft anfreunden. Wer ihn dann auch noch sagen hört, er hoffe auf eine richtig gute Dürre, die den Preis verdoppeln könnte, der empört sich aus nachvollziehbaren Gründen. Man möchte beinahe aufschreien: «Halt, Stopp, so nicht!» Doch möglicherweise erleichtert eine Annahme der Initiative nur das Gewissen.

Nach heutigem Forschungsstand lässt sich laut Experten nicht abschliessend belegen, ob ein Verbot den Hunger in der Welt nun lindern oder verschlimmern würde. Es scheint, als ob die Initiative somit zu früh zur Abstimmung kommt. Müsste man sich bei der Abstimmung an wissenschaftlichen Untersuchungen orientieren, so könnte man sich bei dieser Initiative nur schwer für ein Ja oder ein Nein entscheiden.

«CVP berücksichtigt nur erzkonservative Minderheit»

Die Initiative ist wie ein Nagel in einem Vermicelles : Im Vordergrund wird die, von vielen als ungerecht empfundene, Steuerstrafe abgeschafft. Im Hintergrund werden jedoch erzkonservative Wünsche umgesetzt.

Eine wichtige Frage die man sich stellen muss, ist wie gross die Diskriminierung von Ehepaaren wirklich ist. Die Zahlen sind relativ deutlich, auf Bundesebene werden 80’000 Paare steuerlich benachteiligt. Hier stehe ich ganz klar dafür ein, dass dieser Misstand möglichst schnell aufgehoben wird. Die kantonale Steuer wird für die Ehepartner kaum sinken, da diese auf dieser Ebene mindestens gleich- wenn nicht bessergestellt sind.

Und was macht die CVP jetzt? Sie hat die Möglichkeit gefunden, dass ihre veralteten Ansichten in die Verfassung Einzug finden. Die Partei betreibt Politik, in dem sie einem kleinen Teil der Bevölkerung ein Geschenk macht, im Wissen, dass sie damit eine viel grössere Gruppe diskriminiert. In der Schweiz leben 500’000 Menschen, die sich als LGBT+ bezeichnen, die Christlichen behaupten jedoch, dass die Mehrheit sich nicht immer der Minderheit anpassen müssten. Die Zahlen beweisen das krasse Gegenteil!

In einer Umfrage vom November des letzten Jahres, befürworten 70.4 Prozent der Bevölkerung die Öffnung der Ehe. Falls diese Initiative angenommen wird, wird die Ehe für alle mindestens um 10 Jahre zurück geworfen. In diesem Zusammenhang frage ich mich oft, ob die gesetzliche Ehe im 21. Jahrhundert noch zeitgemäss ist.

Ich finde, den Staat hat es nichts mehr zu interessieren, in welcher Kombination und Bindung mündige Menschen Beziehungen eingehen. Diese Initiative ist für mich nicht ein Verbot von Diskriminierung von Ehe-Paaren, es ist sogar eine Bevorzugung, im Sinne, dass eine Bevölkerungsgruppe ihrer Liebe freien Lauf lassen kann, während die andere auf eine erzkonservative Minderheit Rücksicht nehmen muss. Eine Bevorteilung einer Ehe zwischen Mann und Frau gegenüber LGBT+ Menschen ist sicher nicht mehr Zeitgemäss und muss dringend verhindert werden.

Für mich gibt es in einem modernen Staat nur zwei Möglichkeiten: Entweder wir öffnen die Ehe für alle oder die staatliche Ehe muss abgeschafft werden! Als Lösung dient eine Partnerschaft, die für alle Formen die gleichen Rechte und Pflichten kennt. Damit die Steuergerechtigkeit hergestellt wird, fordere ich die Individualbesteuerung.

«Benachteiligung von Ehepaaren endlich abschaffen»

Die Heirats-Initiative der CVP verlangt, dass der Bund die Benachteiligung von verheirateten Paaren endlich abschafft. Noch heute zahlen viele Ehepaare mehr Steuern und kriegen dafür weniger Renten als Alleinstehende und Konkubinatspaare. Schon 1984 hat das Bundesgericht auf diesen Missstand hingewiesen. Da der Bund in den letzten dreissig Jahren seinen Auftrag nur ungenügend wahrgenommen hat, hat die CVP ihre Initiative lanciert.

Mit der Initiative sollen Paare weiterhin als eine Wirtschaftsgemeinschaft besteuert werden, was bedeutet, dass auch in Zukunft eine gemeinsame Steuererklärung eingereicht wird. Dies soll dafür sorgen, dass es beim heutigen, unkomplizierten System bleibt und Bürokratiemonster wie die «Individualbesteuerung» vermieden werden.

Die vorgeschlagene Verfassungsbestimmung entspricht zudem der heute gültigen Rechtsauffassung von der Ehe in der Schweiz. Bei der Abstimmung über die neue Bundesverfassung wurde die Ehe in Übereinstimmung mit Artikel 12 der Europäischen Menschenrechtskonvention (EMRK) von Bundesrat, Parlament und Volk festgelegt. Die vorliegende Initiative hält sich an diese Grundsätze. Rechtlich und tatsächlich ändert der Passus der Initiative an der geltenden Rechtsprechung nichts.

Mit einem Ja am 28. Februar 2016, können wir die die Heiratsstrafe abschaffen und die Benachteiligung von Ehepaaren und eingetragenen Partnerschaften beenden.

Mit Essen spielt man nicht!

Die Nahrungsmittelkrise 2007/2008 schreckte die internationale Gemeinschaft auf. Die Zahl der Hungernden stieg rasch um 100 Millionen und erreichte die traurige Rekordmarke von 1 Milliarde Menschen. Die Hauptgründe: Die Preise für Grundnahrungsmittel waren wegen Ernteausfällen nach Dürren und Überschwemmungen markant gestiegen. Hinzu kamen der politisch geförderte Anbau von Agrotreibstoffen sowie die zunehmende Tierfutterproduktion wegen steigendem Fleischkonsum. Doch auch die Spekulation mit Agrarrohstoffen wie Weizen oder Reis trieb die Preise in die Höhe.

Hohe Nahrungsmittelpreise führen zu Hunger, Rückschritten in der Armutsbekämpfung und sozialen Unruhen. In Entwicklungsländern geben arme Haushalte 60 bis 80 Prozent ihres Einkommens fürs Essen aus – prozentual gesehen viel mehr als bei uns. Hohe Preise für Grundnahrungsmittel führen häufig zum Verzicht auf höherwertige und gesunde Nahrung wie Obst, Gemüse oder Milch, zu Verschuldung oder zu geringeren Ausgaben für Gesundheit und Bildung. Dies hat langfristige gesundheitliche und ökonomische Konsequenzen für arme Menschen in Entwicklungsländern: Ganze Familien sind in ihrer Existenz bedroht.

Nahrungsmittelspekulation verstärkt die Preisschwankungen

Weltbank- und UNO-Studien gehen davon aus, dass Finanzspekulationen die Getreidepreise 2008 zusätzlich in die Höhe trieben. Dies ist jedoch wissenschaftlich umstritten. Einig sind sich die Gelehrten aber darüber, dass die Spekulation mit Nahrungsmitteln die Preisschwankungen verstärkt: Seit Agrarrohstoffe ins Visier der Investoren gerückt sind, hat die Preisvolatilität markant zugenommen.

Doch bei der rein auf Profit ausgerichteten Spekulation mit Nahrungsmitteln geht es um mehr als um einen Streit unter Wissenschaftlern. Die damit verbundenen Risiken für Millionen Menschen sind schlicht zu gross. Darum muss alles getan werden, um das Risiko von starken Preisschwankungen möglichst klein zu halten, ganz nach dem Prinzip: «Better save than sorry»!

Starke Preisschwankungen verhindern nachhaltige Entwicklung

Die unberechenbare Preisentwicklung für ihre Produkte ist für Kleinbauernfamilien in Ländern des Südens verheerend, denn sie können nicht langfristig planen und scheuen sich, in ihren Betrieb zu investieren. In der Not kann die unsichere Situation dazu führen, dass die Bauern Saatgut, Vieh oder Land verkaufen müssen. Die Gefahr wächst, dass die Menschen qualitativ und quantitativ schlechter mit Nahrungsmitteln versorgt werden.

Angesichts der 800 Millionen Menschen, die heute unter Hunger leiden, ist die Spekulation mit Nahrungsmitteln ein Skandal. Es muss alles unternommen werden, um schädliche und exzessive Spekulation zu unterbinden. Mit der Spekulationsstopp-Initiative können wir das erreichen. Gerade in der Schweiz, einem der wichtigsten globalen Handelsplätze für Agrarrohstoffe, braucht es einen mutigen politischen Schritt zum Schutz des Rechts auf Nahrung für alle.

«Grundlage für mehr Schwerverkehr durch die Alpen»

Das meistverbreitete Argument der Befürworter der zweiten Röhre betrifft die Sicherheit, die im bestehenden Gotthardtunnel nicht gewährleistet sei. Dazu heisst es dann, dass sich die Gegner der zweiten Gotthardröhre gegen mehr Sicherheit aussprechen. Was absoluter Blödsinn ist. Natürlich sind die Gegner der zweiten Röhre nicht für weniger Sicherheit, nur darf die Sicherheit nicht als Vorwand für eine zweite Röhre missbraucht werden, so wie es der Bund etwa tut.

In den letzten 35 Jahren sind im Gotthardtunnel 36 Menschen ums Leben gekommen, dies sind viel weniger als in anderen Verkehrsschwerpunkten wie zum Beispiel im Grossraum Zürich, bei denen die Sicherheit nicht kritisiert wird. Während den Sanierungsarbeiten wird bekanntlich die Tunnelhöhe auf 4,8 Meter erhöht. Ebenso könnte eine versenkbare Mittelleitplanke eingeplant werden, um die Sicherheit zu erhöhen.

Nun sind wir aber noch nicht so weit gekommen, um darzulegen, wieso es diese zweite Röhre eben nicht braucht: Mit dem Bau einer zweiten Röhre wird möglich gemacht, die Kapazität des Transitverkehrs zu vergrössern. Die Kapazität des Transitverkehrs darf aber laut dem Alpenschutzartikel, der 1994 durch den Volkswillen in die Verfassung geschrieben wurde, nicht erhöht werden.

Mit einer zweiten Röhre aber und somit mit zwei doppelspurigen Röhren, wird die Grundlage geschaffen, um mehr Transitverkehr durch die Alpen zu schleusen, was einerseits dem Alpenschutzartikel widerspricht und ausserdem die Sicherheitsvorkehrungen schwächen würde, da es dann vor allem mehr Schwerverkehr geben wird. Die jährliche Zunahme des allgemeinen Mehrverkehrs beträgt etwa 3 Prozent, und diese wird auch der Gotthard zu spüren bekommen.

Ein wichtiger Punkt bezüglich der Diskussion über eine weitere Gotthardröhre (offiziell geht es dabei um die Sanierung der bestehenden Röhre) betrifft die NEAT, welche am 1. Juni 2016 eröffnet wird. Der neu gebaute Schienentunnel, hauptsächlich für den Schwerverkehr gedacht, hat uns Milliarden gekostet und konnte seine Fähigkeiten noch nicht beweisen.

Trotzdem stimmt das Stimmvolk schon über eine zweite Röhre ab, was einfach nur absurd ist. Zuerst müssen wir schauen, wie sich die Lage um den Gotthard entwickelt, sobald die NEAT in Betrieb ist. Dann wird ein grosser Teil des Gütertransports auf die Schiene verladen werden, was dazu führen wird, dass weniger Lastwagen durch den Gotthardstrassentunnel fahren. So sind wir wieder bei der Sicherheitsfrage gelandet und konnten sie ohne eine zweite Röhre lösen.

Mit einem “Ja” zu einer zweiten Röhre sagen wir “ja” zu mehr Transitverkehr, zu mehr Luftverschmutzung und zu einem Verschleiss von Milliarden!

Deshalb ein dickes fettes “Nein” zur zweiten Gotthardröhre!

Von der Durchsetzungsinitiative zur Selbsthilfegruppe

Es hätte eine Debatte zu der wohl brisantesten Vorlage vom 28. Februar werden sollen, die am vergangenen Donnerstagabend im Berner Jugend- und Kulturzentrum Gaskessel stattfand. Auf dem Programm stand die Durchsetzungsinitiative der SVP, Vertreter aus beiden Lagern waren gekommen, um ihre Argumente zum Besten zu geben. Doch lange hatte die Runde nicht Bestand.

Brücken schlagen

Die Fronten waren bereits zu Beginn der Diskussionsrunde verhärtet. Eine prüfende Umfrage des Moderators Beni Lehmann bestätigte dies in aller Klarheit. Niemand im Saal wollte sich noch von Adrian Spahr zu einem Ja für die Durchsetzungsinitiative umstimmen lassen. Der Vertreter der JSVP stand auf verlorenem Posten.

Grund genug für Lehmann, der auch Herausgeber des Magazins «Helvezin» ist, die Auseinandersetzung zu beenden und auf ein neues Thema zu sprechen zu kommen. Ganz nach dem Motto seiner Zeitschrift versuchte er, Brücken zu schlagen zwischen den beiden Lagern, zwischen denen sich ganz offensichtlich eine tiefe Kluft aufgetan hat.

«Hier gibt es keine Stimmen mehr zu gewinnen», stellte er sehr rasch fest. Und dennoch machte er eines klar: «Nach diesem Sonntag müssen wir auch weiterhin miteinander auskommen.» Eine gespaltene Schweiz, zwei Lager, die in ihrer Meinung unterschiedlicher nicht sein könnten. Und zumindest bei einem der beiden werde man am kommenden Sonntag ein langes Gesicht machen müssen.

Ideologie weicht der Lösungsfindung

Von da an lenkte Lehmann die Diskussion hin zu einer anderen Frage: Was müsse man tun, um den Zusammenhalt in der Gesellschaft auch nach dieser Abstimmung zu stärken? Aus dem anfänglich erbittert geführten Kampf der Ideen und Ideologien wurde eine Art Selbsthilfegruppe.

Der Einfall eines versöhnlichen Dialogs sei ihm spontan gekommen, erklärte Lehmann nach der Diskussion. Im Vorfeld dachte er, die Debatte um die SVP-Initiative sei easy zu managen. Doch schnell sei ihm klargeworden, dass das Thema mehr Zündstoff liefere, als angenommen. «Zwischen Elite und dem Volk auf dem Land besteht ein grosser Graben.» Dies führe auch einmal zu heftigen Auseinandersetzungen zwischen den beiden Lagern, so Lehmann.

Als ihm dann aber aufgefallen sei, dass sich alle gegen den einzigen Befürworter der Initiative aufbauten, kam ihm die Idee zum Umentscheid. «Ich dachte, fragst du mal, wie so die Stimmung im Publikum ist.» Da wurde ihm klar, dass die Debatte zu nichts führte. Und so wandte er die Diskussion von der Initiative ab.

Die diametral entgegengesetzten Ansichten wichen einer Lösungsfindung, an der sich alle beteiligten. Die geäusserten Vorschläge fanden Beifall und man schien sich wieder zusammengerauft zu haben, um gemeinsam an einer besseren Zukunft zu arbeiten.

Auch der ans Podium geladene Staatsrechtler Markus Müller appellierte an die anwesenden Diskussionsteilnehmenden: «Bleibt sachlich, sucht nach Lösungen!» Zuvor kritisierte er den Griff zur Initiative – sowohl bei der Durchsetzungsinitiative der SVP als auch bei der Initiative «Raus aus der Sackgasse» – als Rechtsmissbrauch und als schädlich für unsere demokratische Kultur.

Nicht nur Schwarz und Weiss

Den Abschluss machte wiederum eine spontane Wortmeldung. Joy Schenk, eine Zuhörerin aus dem Publikum, liess die Diskussion nicht locker: Sie schrieb anlässlich der Debatte völlig spontan ein Gedicht, welches sie am Schluss allen vortrug. «Monate mit einer Initiative beschäftigt, aber die wahren Probleme vernachlässigt», sagte die 17-jährige Gymnasiastin.

Sie zählte gleich selbst auf, mit welchen Herausforderungen sie sich konfrontiert sieht: «Energiewende, Krieg, Hunger und Geld. Das Überleben der Spezies Mensch auf dieser Welt.» Es gebe nicht nur Gut und Schlecht, nicht nur Schwarz und Weiss. Ihre poetische Auseinandersetzung wurde vom Publikum schliesslich mit Applaus bedacht.


Zur Veranstaltung

Die Podiumsdiskussion wurde weitgehend selbständig organisiert von Jugendlichen des Jugend- und Kulturzentrums Gaskessel. Durch die Diskussion von Abstimmungsthemen sollen junge Bernerinnen und Berner für politische Themen sensibilisiert und in ihrer Willensbildung unterstützt werden. Es ist geplant, auch in Zukunft vor den Abstimmungen solche Podien mit Experten und Politikern durchzuführen. (abe)

Future Forest

Hitze fördert Schädlingsverbreitung

Künftig ist öfter mit solchen Hitzesommern zu rechnen und gegen die Schädlinge sind nicht nur die Föhren machtlos. Auch die Fichte kämpft mit den Krabbeltieren und der sengenden Sonne. Durch die Hitze können sich für die Borkenkäfer schädliche Schimmelpilze nicht genug ausbreiten, die Krabbler werden seltener krank, vermehren sich in der Folge prächtig und fressen sich durch den gesamten Fichten-, Föhren-, und Rottannenbestand.

Ausgetrocknete Böden

Fichte, Föhre und weitere Baumarten bekommen zudem mit dem immer trockener werdenden Boden ein massives Problem. Unter den Förstern ist dieses Phänomen schon hinreichend bekannt. Um sich auf die kommenden Jahre einzustellen, haben viele von ihnen deshalb begonnen, die Rottanne, die die meisten Schwierigkeiten mit der Anpassung an die neuen Klimabedingungen hat, durch hitze- und trockenbeständigere Gehölze zu ersetzen. Alles in allem rechnet Forstbiologe Andreas Roloff in der Zukunft aber mit einem artenreicheren Wald. Vor allem seltenere Baumarten sollen im Vorteil sein, die bisher von den aktuell häufig vorkommenden Fichten, Kiefern und Buchen derzeit eher verdrängt werden.

Bessere Voraussetzungen für Amphibien

Nicht nur einigen Bäumen, sondern auch den feuchtigkeitsliebenden Amphibien käme eine gewisse Zunahme an Wärme zugute, meint Biologe Benedikt Schmidt von der Koordinationsstelle für Amphibien und Reptilienschutz in der Schweiz. Denn die Fische, die in den Waldteichen leben und die Amphibienlarven fressen, könnten in einem ausgetrockneten Tümpel nicht überleben. Wenn dieser also nach seiner Austrocknung imstande wäre, sich durch einige Regengüsse wieder zu füllen, wäre er fischfrei, was der Amphibienpopulation zugute käme. Zu viel Hitze ist aber zweifellos schädlich. Für Amphibien als auch für Reptilien. «Eidechsen vergraben ihre Eier zum Beispiel im Boden und es besteht die Gefahr, dass dieser zu heiss wird.»,erklärt Schmidt. Dies habe ein Absterben der Embryonen zur Folge.

Entwicklung in der Schweiz noch ungewiss

Mit der Klimaveränderung beginnt ein Wettlauf gegen die Zeit. Vielerorts verändern sich Klima und Bedingungen zu schnell für die Amphibien. Während Fische zehn bis zwanzig Jahre brauchen, um sich anzupassen, vergehen bei den Amphibien etwa fünfzig Jahre, bis eine vergleichbare Anpassung vollbracht ist.

Es sind Fälle bekannt, in denen sich das Klima schneller verändert hat, als sich die Amphibien anpassen konnten. «Das gibt dann einen kritischen Moment, in dem nicht klar ist, ob sie die Schnelligkeit der Veränderung durch Anpassung aufholen können.», meint Schmidt. Ohne Amphibien ist der Nährstofftransport zwischen Land und Wasser unterbrochen, der ein wichtiges Glied in der Nahrungskette darstellt. In Südamerika hat sich die Art des Nährstofftransports aufgrund mangelnder Amphibienvorkommen bereits verändert. Ob es sich in der Schweiz ähnlich entwickelt, wird sich zeigen.

YB – GC: Spitzenspiel ohne Gewinner

«Das Resultat bringt definitiv niemandem etwas, doch unser Ziel war, YB nicht näher an uns herankommen zu lassen und dies haben wir erreicht.» Mit diesen Worten wendete sich Haris Tabakovic, nach seinem ersten Pflichtspiel für GC, an die Journalisten. Das Verfolgerduell startete wie erwartet. Bereits in der zehnten Minute setzte der nach einer Verletzung zurückgekehrte Guillaume Hoarau den Ball an den Pfosten.

Joel Mall im GC-Tor lenkte den Ball mit den Fingerspitzen an die Torumrandung. Die Berner standen hoch und setzten die Zürcher stark unter Druck. Sulejmani sah seinen Schuss vom GC-Schlussmann, Joel Mall, pariert und Alexander Gerndt scheiterte, alleine vor Mall, am eigenen Unvermögen.

Kurz nach Gerndts Chance überlief Loris Benito den Spieler Moritz Bauer und flankte von der Grundlinie in den Rücken der Abwehr. Dort stand Hoarau genau richtig und nickte ein. Die Zürcher reklamierten bei Schiedsrichter Jaccottet, da Gerndt Mall im passiven Abseits irritiert haben soll, doch der Schwede stand gar nicht im Abseits, denn Bauer hob dieses auf.

Kamberi mit der Hake

GC bislang ohne Möglichkeit, erhielt in der 31. Minute einen Eckball zugesprochen. Youngstar Kamberi schaute vermutlich vor dem Spiel einige Videos von Superstar Ibrahimovic an, denn er setzte zur Hake an und prompt landete der Ball hinter dem chancenlosen YB-Torwart Mvogo.

YB schien etwas geschockt, denn kurz nach dem Ausgleich hatte Dabbur den Führungstreffer auf dem Fuss, scheiterte aber am hervorragend reagierenden Mvogo. Kurz vor der Pause eine weitere heikle Situation. YB-Neuzugang Yoric Ravet flankte einen Freistoss auf Hoarau, der den Ball ins Tor köpfte, doch das Tor wurde annulliert, da der Franzose scheinbar aus einer Abseitsposition gestartet sei. Ein Fehlentscheid. Vilotic und Zakaria standen beide im Abseits, Hoarau nicht.

GC dominant

In der zweiten Halbzeit dominierten die Zürcher, jedoch schauten bloss selten gefährliche Chancen heraus. Dabbur setzte sich oft schön gegen mehrere YB-Verteidiger durch, scheiterte aber immer am gut positionierten Mvogo.

YB konnte nicht an der Leistung aus der ersten Hälfte anknüpfen und hatte einzig in der 84. Minute eine Chance, erneut in Führung zu gehen. Hoarau scheiterte jedoch mit seinem unplatzierten Kopfball an Mall. Doch das Spiel war noch nicht vorbei. Plötzlich stand Tabakovic alleine vor Mvogo und wird im letzten Moment zurückgepfiffen. Auch dies ein Fehlentscheid, denn Tabakovic stand nicht im Abseits. Somit gab es heute zwei gröbere Fehlentscheide, glücklicherweise je einen pro Mannschaft. Haris Tabakovic meinte nach dem Spiel: »In der ersten Halbzeit hatten wir Glück, in der zweiten YB. Also ist ein Unentschieden ein gerechtes Resultat.» Nuzzolo sah dies etwas anders: »Ich denke, GC ist mit diesem Resultat besser bedient als wir, aber wir hätten in der zweiten Halbzeit sicherlich mehr machen müssen.»

«Viele haben ein falsches Bild von der Kirche.»

Tink.ch: Sie sind jetzt schon seit über 20 Jahren als Pfarrer tätig. Nachdem Sie Ihr Thelogiestudium beendet haben, waren Sie in der Kirchgemeinde Halden im Kanton St. Gallen tätig. Nun sind Sie schon seit über drei Jahren in der Heiliggeistkirche in Bern. Inwiefern hat sich Ihre Arbeit als Pfarrer im Laufe der Zeit verändert?

Pfr. Andreas Nufer: Es hat sich sehr viel verändert durch das Aufkommen von Computer, Telefonbeantworter und Handy. Die Kommunikation läuft heute viel schneller ab als früher. Das ist praktisch, da ich in meinem Beruf sehr viel mit Menschen kommunizieren muss.

Die Gesellschaft ist insgesamt viel heterogener geworden, das heisst, dass zunehmend verschiedene Lebensstile sowie Anforderungen nebeneinander bestehen. Für mich bedeutet dies, dass ich  immer mehr Angebote für immer kleinere Gruppen entwickeln muss. Zwar waren schon immer die Angebote auf eine bestimmte Zielgruppe ausgerichtet, es gab demnach noch nie ein Angebot für alle, jedoch hat die Anzahl kirchlicher Projekte, wie themenspezifische Gottesdienste, Kinderlager oder Konzerte, zugenommen.

Laut der Kirchenstatistik sind im Jahre 2014 4‘710 Personen aus den reformierten Kirchen im Gebiet Bern-Jura-Solothurn ausgetreten (bei 331 Eintritten). Was machen Ihrer Meinung nach die Kirchen falsch, so dass die Mitgliederzahl stetig sinkt?

Offenbar sind wir nicht relevant genug.

Zudem glaube ich, dass wir ein sehr schlechtes Image haben. Die Vorstellungen Vieler über die Kirche stimmen nicht mehr.

Das grösste Problem meiner Meinung nach ist, dass die Kirche eine Sprache spricht, welche viele Leute nicht richtig verstehen. Die meisten stellen sich die Dinge wie zum Beispiel die Auferstehung von Jesus kindlich-bildlich vor. Darüber hinaus ist das aber eine sehr sinnstiftende und lebensbejahende Geschichte, bei der jede und jeder herausfinden kann, was sie für sich bedeutet.

Die Schuld für die Kirchenaustritte liege also bei den Anhängern und nicht bei der Kirche selber.

Überhaupt nicht! Ich würde eher sagen, die Kirche hat es nicht geschafft, eine Sprache zu finden, welche die Leute verstehen. Das ist das Problem der Kirche, nicht der Kirchengänger.

Wie könnte man dieses Problem lösen?

Indem man immer wieder versucht, die Texte in die heutige Sprache zu übersetzen oder mitteilt, was die jeweilige Geschichte für eine Bedeutung für das heutige Leben hat.

Die Kirchliche Unterweisung (kurz KUW) ist ein freiwilliger Kirchenunterricht für Kinder und Jugendliche. Was ist das Ziel dieser KUW?

Der Unterricht war schon immer freiwillig und muss auch freiwillig bleiben. Das ist eine Grundbedingung der Religion.

Die KUW besteht aus vier Säulen: Wissensvermittlung, das Entdecken und Einüben der eigenen Spiritualität, kreative Arbeit und das Pflegen der Gemeinschaft. Die Themen bauen aufeinander auf.

Das Ziel ist, dass man die eigene Religion erklärt bekommt und dann mit der Konfirmation bestätigt, ob man diese Religion will oder nicht.

Und wenn man diese Religion nicht will? Was haben die Jugendlichen für Möglichkeiten?

Im Unterricht zeigen und besuchen wir selbstverständlich auch die anderen Religionen. Immer behandelt werden das Judentum, der Islam, der Hinduismus und der Buddhismus. Je nach Reise, wie dem Konfirmationslager, beprechen und besuchen wir noch andere Religionen. Mit dem Erwachsenwerden sollen sich die Jugendlichen dann entscheiden, ob sie Christ werden wollen, keine Religion oder eine andere Religion annehmen wollen. Das muss eine freie Entscheidung sein!

Was müssen die Jugendlichen tun, um die Religion zu wechseln?

Für das Konvertieren, also den Wechsel in eine andere Religion, gibt es bei jeder Religion andere Regeln. Es ist aber bei allen Religionen so, dass man die Religion zuerst kennenlernen muss, bevor man Mitglied werden kann. Das ist ja auch logisch.

Wie erleben Sie die Beziehung zwischen den verschiedenen Religionen in Bern?

Bern ist ein Paradebeispiel von einem sehr guten Dialog zwischen den Religionen.

Nicht aus irgendeinem Grund gibt es in Bern das «Haus der Religionen», welches europaweit einzigartig ist.

Bei uns in der Kirche gibt es das Programm «Heiliggeist interreligiös», bei welchem sich Vertreter aus acht verschiedenen Religionen regelmässig treffen, sich austauschen, zusammen diskutieren und beten.

Was für eine Haltung sollte die Kirche bei aktuellen Diskussionen wie der Flüchtlingskrise einnehmen?

Meiner Meinung nach sollte sich die Kirche immer auf die Seite der Schwächeren stellen, da Gott sich immer auf die Seite der Schwachen gestellt hat, sich immer auf die Seite der Schwachen stellt.

Beim Thema Flüchtlinge sollte sich die Kirche deshalb dafür einsetzen, dass die Schweiz offene Grenzen hat und dass Flüchtlinge, in ihrer Heimat an Leib und Leben bedroht, nach ihrer Flucht schnell und unkompliziert bei uns aufgenommen und anständig behandelt werden.

Welche Tipps würden Sie neuen, am Anfang ihres Berufs stehenden Pfarrerinnen und Pfarrern, auf den Weg gehen?

Schön ist, wenn sie Freude an den verschiedenen Personen und an der Arbeit haben. Und sie müssen eine gute Balance zwischen Arbeit und Ausruhen finden. Das ist bei unserem Beruf besonders wichtig.

Transparenzhinweis: Pfr. Andreas Nufer und der Autor Riccardo Schmidlin kennen sich persönlich.