Gesellschaft | 29.12.2015

Die Sorge um den Wald ist alt

Text von Clara ACampo | Bilder von Iris Wippich
Seit eh und je hat der Wald für den Menschen hohe Bedeutung. Er ist Erholungsraum, schützt vor Naturkatastrophen und beliefert mit Holz. Im 19. Jahrhundert hatte die Schweiz ihren Wald jedoch stark reduziert. Damals wurden erste Schutzmechanismen geschaffen, die bis heute grosse Wirkung zeigen. Clara A´Campo
Überall hinterlässt der Mensch seine Spuren
Bild: Iris Wippich

Mit vielerlei harzt es in der Schweiz im Naturschutz. Pro Sekunde wird ein Quadratmeter Land verbaut. 90 Prozent der Auen sind in den letzten Jahrzehnten verschwunden. Von den 55 Schweizer Fischarten sind 41 entweder gefährdet, potentiell gefährdet oder bereits ausgestorben – Trost schenkt bei der Betrachtung solcher Zahlen in der Schweiz jeweils der Wald. Denn dieser befindet sich in gutem Zustand und er vergrössert seine Fläche stetig. Im 19. Jahrhundert, als die Grundsteine für diese Erfolgsgeschichte gelegt wurden, hätte man das vielleicht noch nicht für möglich gehalten.

Die Grundlage des Schweizer Waldschutzes bilden zwei Verbote: das Kahlschlag- und das Rodungsverbot. Rodung bezeichnet die Umwandlung von Waldfläche in landwirtschaftliches oder bebautes Gebiet. Unter Kahlschlag wird die Abholzung aller Bäume auf einer bestimmten Fläche verstanden. Die alternative Methode der Holzgewinnung besteht darin, einzelne Bäume an verschiedenen Stellen im Wald zu fällen. So gehen Förster in der Schweiz vor.

Kahlschlag- und Rodungsverbot wurden hier sehr früh eingeführt. Denn die Sorge um den Wald ist alt: Zu Beginn des 19. Jahrhunderts verbrauchte man in der Schweiz enorme Mengen an Brenn- und Bauholz. Kahlschlag folgte auf Kahlschlag, das Prinzip der Aufforstung galt noch nicht. Damals setzte eine Häufung von Erdrutschen, Steinschlägen, Lawinen und Überschwemmungen ein. Strassen wurden verschüttet, Brücken von Wasser mitgerissen, Vieh unter Erde begraben. Die Menschen verliessen Alpendörfer, die nicht mehr lawinensicher waren.

1876 endlich kam es auf Bundesebene zur Einführung von Kahlschlag- und Rodungsverbot. Diese zeigten hohe Wirkung: Inzwischen ist die Waldfläche der Schweiz wieder um 70 Prozent gewachsen. Vor allem in den Alpenregionen, wo Weiden und Wiesen unrentabel wurden, konnte sich der Waldbestand erholen.

Heute ist es auch nicht mehr der Bedarf an Bau- und Brennholz, der den Wald in erster Linie gefährdet, und rechtlichen Schutz nötig macht. Denn die Bedeutung von Holz als Ressource ist durch das Aufkommen fossiler Brennstoffe und neuer Baumaterialien stark gesunken. Waldflächen sind aus ökonomischer Sicht heute nicht mehr von besonderem Wert. Viel einträglicher wären stattdessen Siedlungsflächen. Doch hier erweist sich das Rodungsverbot als ein wirksames Mittel im Kampf gegen die Zersiedelung.