Kultur | 05.10.2015

Saison der Änderungen und des Aufbruchs

Text von Andri Mahler | Bilder von Robin Trachsel)
Die Basler Clubs sind anfangs September in die neue Saison gestartet. Die Ankündigungen verschiedener Betreiber, dass sie den Betrieb im Laufe oder Ende dieser Saison einstellen, hat in der Szene anfangs Jahr für Aufruhr gesorgt. Von "Clubsterben" war und ist die Rede. Was ist in der Sommerpause passiert?
Clubs und DJ's erhalten Hilfe aus der Politik. (
Bild: Robin Trachsel)

Nordstern, Hinterhof Bar, Lady Bar und Garage; diese vier Clubs werden in einem Jahr nicht mehr Teil des Basler Nachtlebens sein. Anfangs Jahr ging der Begriff „Clubsterben“ wie ein Schreckgespenst durch die Medien. Facebook-Gruppen wie „Für ein junges, lebendiges Basel“ wurden gegründet und erhielten rasanten Zuwachs.

 

Die TagesWoche organisierte in der Kaserne eine Podiumsdiskussion zum Thema. Mit von der Partie waren Clubbetreibende, Politiker, Politikerinnen und Behörden. Häufig war das Gespräch von technischen Aspekten, wie den neuen Bassreglementen bestimmt. Es waren sich jedoch die meisten Teilnehmenden einig, dass eine grundsätzliche Diskussion über Bedürfnisse, Gestaltungsmöglichkeiten und Anforderungen an das Zusammenleben in der Stadt, geführt werden müsse.

 

Die Clubbetreibenden wiesen zudem darauf hin, dass es auch in der Vergangenheit immer wieder zu Schliessungen in der Clubszene kam, dies aber nicht zu tragisch sei, so lange neue Clubs entstehen würden. Es stellt sich die Frage, ob im Moment die Rahmenbedingungen für das Erschaffen von neuen Clubs gut und förderlich sind?

 

Virtuelles Engagement wird real

Viele der Kommentierenden befürchteten, dass sich das virtuelle Bestreben für ein attraktives Nachtleben im Sande zerlaufen würde. Die Kritiker wurden eines Besseren belehrt, als am 28.7. bei der Eröffnung des Kulturflosses, die Petition «Für ein lebendiges Basel« lanciert wurde. Die zentralen Punkte sind, dass die Clubkultur eine grössere Anerkennung erhalten solle, dass die Vorgaben zur Nutzung des öffentlichen Raumes und Auflagen an Betreiber nicht die kulturelle Vielfalt einschränken und das bessere Rahmenbedingung für Betreiber von Clubs und kulturellen Veranstaltungsorten gewährleistet werden. Dies betrifft insbesondere das Bewilligungsverfahren.

 

Eine Petition ist kein sehr starkes politisches Instrument, da es sich lediglich um eine Bittschrift handelt, welche die Regierung zur Kenntnis nehme muss, aber nicht darauf einzugehen hat. Mirjam Ballmer, Grossrätin für das Grüne Bündnis und Mitglied von „Kulturstadt jetzt!“, einem parteiunabhängigen Komitee, ist sich dessen bewusst, verweist aber darauf hin, dass eine Petition durchaus Druck auf die Regierung ausüben könne.

 

Ballmer wurde zudem im Grossen Rat aktiv und reichte am 11. März eine Interpellation bei der Regierung ein. In der Antwort der Regierung steht unter Anderem, dass das Nachtleben für Basel ein wichtiger Standortfaktor sei. Zudem schreibt die Regierung, dass sie im Rahmen ihrer Möglichkeiten das Nachtleben unterstützen werde, jedoch das Ruhebedürfnis der Bevölkerung nicht ausser Acht lassen könne. Abschliessend erklärte sich der Regierungsrat dazu bereit, die gängige Bewilligungspraxis zu überprüft.

 

Diese Antwort führte dazu, dass Ballmer und weitere Mitglieder des Parlaments einen Anzug einreichten, der den Regierungsrat aufforderte, die Bewilligungspraxis zu überprüfen und, wenn möglich, zu vereinfachen. Der Ball liegt nun bei der Regierung, sie hat zwei Jahre Zeit, um die Überprüfung vorzunehmen.

 

Die aufgeschobene Diskussion

Beim Podiumsgespräch der Tageswoche wurde angesprochen, dass die Clubkultur in der Stadtentwicklung berücksichtigt werden müsse. Die Stadtentwicklung ist in Basel schon länger ein heisses Eisen. Mirjam Ballmer vom Grünen Bündnis schlägt vor, dass bei dieser zentralen Diskussion über Zusammenleben, Nutzung von öffentlichen Plätzen und Gestaltungsmöglichkeiten in der Stadt, möglichst alle Interessensgruppen vertreten sein sollten. Diese Diskussion findet im Moment aber nicht statt oder ist hauptsächlich von wirtschaftlichen Interessen diktiert, was rund um den Novartis Campus und die Neubauten von Roche deutlich wird.

 

 

 

Mehr zum Thema

 


 

Petition: http://lebendigesbasel.ch/
Podiumsdiskussion der Tageswoche: https://www.youtube.com/watch?v=bTSeklgipPk