Gesellschaft | 08.10.2015

ProSiebenSat1 schafft sich neue Konkurrenz

Text von Lukas Blatter | Bilder von Puls 8
Am Donnerstagabend geht in der Schweiz ein neuer privatrechtlicher Kanal auf Sendung. Mit Puls 8 wagt sich die deutsche ProSiebenSat1 Media SE nach 15 Jahren erneut aufs Glatteis. Was um die Milleniumswende zusammen mit RTL nicht gelang, soll nun erneut erprobt werden: Ein privatrechtlicher Fernsehsender.
Bild: Puls 8

Nur sieben Monate lang dauerte das Experiment. Am 23. März 2000 schliesslich beendete das Joint Venture RTL/Pro7 seinen Sendebetrieb, nur eine Woche nachdem auch der zweite Privatsender TV3 das Aus seiner Nachrichtenredaktion bekannt gab. Es kam zu einer Welle von Entlassungen. Von Aufbruchsstimmung in der privatrechtlichen Fernsehbranche war nicht zu sprechen, zumal im Folgejahr auch Tele24 und TV3 endgültig von den Schirmen verschwanden.

Lizenzen ausschöpfen – Werbemarkt bedienen

Nun, 15 Jahre später, versucht sich die deutsche ProSiebenSat1 Media SE, die Betreiberin von ProSieben und Sat.1, erneut mit einem Privatsender nur für die Deutschschweiz, diesmal soll es ein Vollprogramm werden. Zu sehen bekommen werden die Zuschauer auf Puls 8 eingekaufte Formate wie Serien und Spielfilme. Auch deutsche Eigenproduktionen wie Verliebt in Berlin werden erneut aus der Konserve geholt.

Vorderhand sollen die bereits erworbenen Lizenzen an internationalen Fernsehinhalten auch in der Schweiz ausgeschöpft werden, sagte Andrea Haemmerli, Direktorin der SevenOne Media Schweiz AG, dem Schweizer Tochterunternehmen des Münchner Grosskonzerns, in einem Interview mit der NZZ. Als Grund für die neuerliche Expansion des Unternehmens nennt sie die hohe Nachfrage nach Werbeplätzen in der Schweiz und den stets wachsenden Werbemarkt.

Vorerst keine Eigenproduktionen

Das Konzept und der Name kommen indes nicht von ungefähr: In Österreich betreibt das Medienunternehmen einen ähnlichen Kanal unter dem Namen Puls 4. Der Wiener Privatsender, der im Juni 2004 unter dem Namen Puls TV erstmals über den Äther ging, wurde 2007 von der ProSiebenSat.1 Media übernommen und in Puls 4 umbenannt.

Im Gegensatz zum österreichischen Pendant werden in der Schweiz vorerst noch keine teuren Eigenproduktionen über den Bildschirm flimmern, weder Nachrichtenformate noch Castingshows stehen auf dem Programm. Langfristig seien allerdings auch Schweizer Eigenproduktionen geplant, teilt die Mediengruppe ProSiebenSat.1 in einer Mitteilung mit.

Keine Informationsformate

Auch der mittlerweile arrivierte Sender 3plus startete 2006 als reiner Unterhaltungskanal. Ähnlich wie nun bei Puls 8 wurden erfolgreiche Serien, Blockbuster und Filmklassiker eingekauft. Auf Informationsformate verzichtete man bewusst, Eigenproduktionen wurden erst nach einer Anlaufphase in Auftrag gegeben.

Inzwischen hat sich der Sender bei seiner Zielgruppe etabliert und erzielt dort bisweilen höhere Einschaltquoten als das gebührenfinanzierte SRF. Dies ist auch den beliebten Eigenproduktionen wie Bauer, ledig, sucht…, Der Bachelor und Bumann, der Restauranttester zu verdanken.

Erstarktes Privatfernsehen

Nach dem Scheitern der privaten Fernsehprojekte der Tamedia und RTL/Pro7 zeichneten 2001 zahlreiche Experten, darunter auch der damalige Medienminister Moritz Leuenberger, der privatwirtschaftlichen Fernsehwelt ein düsteres Bild. Der zu kleine Markt und die starke SRG würden jedem Projekt den Garaus machen.

Heute sieht dies komplett anders aus: Zahlreiche kleinere und grössere Privatstationen buhlen um die Gunst der Zuschauer. Und stets kommen neue überregionale Programme hinzu. Ob sich der neue Sender Puls 8 allerdings gegen seine zahlreichen Konkurrenten durchsetzen kann, wird – wie bereits in der Vergangenheit – nur die Zeit beweisen können.

 

Weitere Informationen


Puls 8 startet am 8. Oktober um 20:00 Uhr mit dem Film Star Trek. Weitere Informationen zum Sender auf www.puls8.ch.