Kultur | 27.10.2015

“Ich bin die Summe aller Teile”

Text von Sofiya Miroshnyk | Bilder von Tobias Häberli
Pablo Nouvelle ist in England längst ein bekannter Name. Im Gespräch mit Tink.ch bezeichnet er sich jedoch nicht als "Star".
Pablo Nouvelle, Musiker und Filmemacher, im Dachstock der Reitschule Bern.
Bild: Tobias Häberli

Tink.ch: Wer bist du, Pablo?

Pablo Nouvelle: Oh, das kann ich dir nicht in zwei Sätzen erklären.

Tue es in drei.

(lacht, überlegt.)

Ich bin die Summe aller Teile.

Wie äussert sich das?

Beispielsweise bin ich zwar mit Hip-Hop aufgewachsen und habe in meiner Musik auch deutlich Soul-Komponenten enthalten, doch mach ich keinen Hip-Hop. Das, was das Publikum heute gehört hat, war kein Hip-Hop, oder?

Nein. Was ich heute gehört habe war das Wort: real. Zwei Jungs sind während des Konzerts stehen geblieben und einer meinte verblüfft: “Der ist einfach REAL!” Was sagst du dazu?

Real? Nein, wenn schon bin ich “ächt”. Real ist zu gangsterhaft. (Als er das ausspricht, hält er sich die geballte Hand vor den Mund, als wollte er beatboxen.)

Warum hat es ausgerechnet die Summe deiner Teile soweit geschafft?

Meine Vision der Arbeit entspricht eben dem Zeitgeist. Das hat viel mit Glück, Timing und einer Menge Arbeit zu tun. Ich würde jetzt aber nicht sagen, dass ich ein Star bin.

Wie erlebst du die Auftritte in England im Gegensatz zu denen in der Schweiz?

In der Schweiz bist du als Künstler auf weichen Kissen gebettet. Dagegen ist England ganz anders.

Inwiefern?

England ist roh. Da kriegst du als Künstler nie die Gage der Schweiz, von einer Hotelübernachtung ganz zu schweigen. Sich in England als Künstler durchzuschlagen, ist nicht leicht.

Zwischen den Liedern hast du gesagt: “Reithalle, schön gibt es euch! Ich glaube, dass ihr nie abgeschafft werdet. Mit keiner SVP-Kampagne.” Siehst du dich als Künstler verpflichtet, auch politische Statements unter die Leute zu bringen?

Meine Musik war lange Zeit unpolitisch. Doch meine Filme sind die Kehrseite meiner Musik. (Pablo hat an der Universität Luzern Animation studiert. Sein Abschlussfilm “Bon voyage” (2012) spricht die Flüchtlingsthematik an und gewann nationale sowie internationale Preise.) Darin spreche ich soziale Themen an, die nicht unbedingt politisch sein müssen. Auch gehöre ich keiner Partei an. Was mich beschäftigt, spreche ich aber an.

Findest du, dass die Politik einen Platz in der Kunst hat?

Sie soll einen Platz haben dürfen, aber es soll kein Muss für Künstler sein, über Politik zu sprechen.

In meinem privaten Umfeld spüre ich durchaus das politische Engagement, doch in der Kunst noch nicht so.

Du hast Animation, also Film, studiert und machst gleichzeitig Musik. Was kann das eine, was das andere nicht kann?

Ich sag es mal so: Musik gleich Herz, Film gleich Kopf.

Diese Frage wird von Künstlern im Allgemeinen sehr ungern beantwortet. Aber: Was machst du eigentlich für Musik?

(lacht) Warmen und emotionalen Soul. Drops, aber kein EDM (Electronic Dance Music). EDM wäre eine Beleidigung. Auf jeden Fall Elektro, aber auch mit Folk und Rockeinflüssen. Die Summe aller Teile eben.

Weitere Informationen

www.pablonouvelle.com

Das nächste Konzert findet diesen Freitag, den 30. Oktober, im Werkk Kulturlokal in Baden statt.