Kultur | 19.10.2015

Der Bestatter – “Fascht e Familie”

Text von Michael Küng | Bilder von Michael Küng)
"Der Bestatter" bestach schon in der Vergangenheit mit speziellen, zum Teil sogar exquisiten Drehorten. Dies ist auch in der vierten Staffel nicht anders. Trotz des engen Zeitplans während des Drehs fanden die Hauptdarsteller Barbara Terpoorten und Mike Müller Zeit für ein Interview mit Tink.ch.
"Der Bestatter" am Drehort in Aarau. (
Bild: Michael Küng)

Tink.ch: Worauf können sich die Zuschauenden in der vierten Staffel  freuen?

Barbara Terpoorten (BT): Wir machen Sprünge in die Vergangenheit der Figuren. Der rote Faden spielt sich hauptsächlich in einem einzigen Dorf ab, da hier ein grosser Fall im Mittelpunkt steht. Einige – nicht zur Stammbesetzung gehörende – Rollen tauchen immer wieder auf.

 

Mike Müller (MM): Es gibt wiederum eine neue, durchgehende Geschichte, welche in der fiktiven Gemeinde Morgental spielt. Die durchgehende Geschichte hat den Vorteil, dass man mit den Schauspielern länger zusammen ist als in “nur” einer Episode.

 

Tink.ch: Fühlte sich die Rückkehr ans Set für Sie wie eine “Heimkehr” an?

BT: Ja, denn das Team ist zu einer grossen Familie zusammengewachsen. Im Juni freut man sich wieder auf die Zusammenarbeit, da fast immer die gleichen Leute zur Crew gehören. Nachdem wir den ganzen Sommer über gedreht haben, wird man wehmütig, ist aber auch froh, weil die Anspannung wieder etwas abnimmt. Es ist eine gute Zeit, weil wir ein harmonisches Team sind.

 

MM: Das ist so. Wenn man den Anzug anzieht, sich die Krawatte bindet und das erste Mal wieder in den Leichenwagen steigt, ist es ein etwas bekanntes Bild. Das ist manchmal auch die Schwierigkeit bei einer Serie: dass man unzählige Male die Treppe zur Thanatopraxie hinuntergestiegen ist, eine Leiche dort liegen und jemand dabeisitzen und trauern sieht. Ja, es ist wie ein Heimkommen, aber man muss schauen, dass dieses “Nachhause kommen” spannend bleibt.

 

Tink.ch: “Der Bestatter” wurde international verkauft. Hat dies für Sie etwas geändert? Werden Sie auch im Ausland eher erkannt?Und wie finden Sie die synchronisierte Fassung?

BT: Es ist eine andere Sprache, gewisse Dinge wie Helvetismen mussten geändert werden, das ist gewöhnungsbedürftig.

Andererseits ist es ein übliches Vorgehen. Denn auch von dänischen Krimis nehmen wir nur die deutsche Version wahr, selten schauen wir das Original. Die Serie aus einer anderen Dimension zu sehen, ist aber auch spannend.

Man kann sich sicher noch das Eine oder Andere abschauen und erhält einen neuen Blick auf die Bestatter-Situation. Es tut sicher auch gut, dass man es in einer anderen Sprache schauen kann. In Deutschland wird die Serie gut aufgenommen und spät ausgestrahlt. Sie erhielt denselben Sendeplatz wie die dänischen Krimis, das heisst wir haben das gleiche Format und es ist toll, dass wir dies geschafft haben.

 

MM: Ich bin sehr zufrieden mit der Adaption und es hat mich sehr gefreut, dass SRF die Sendung an den WDR verkaufen konnte, ist dies doch ein grosser Erfolg für die Serie. Da die Sendung in Deutschland in einem dritten Programm (Regionalprogramm) läuft, heisst dies, dass ich mich in Berlin weiterhin inkognito bewegen kann.

 

Tink.ch: Dieser Sommer bleibt auch wegen seiner sehr hohen Temperaturen in Erinnerung. Wie hat sich diese Hitzewelle auf die Dreharbeiten ausgewirkt?

BT: Es gibt eine lustige Anekdote: Während der Dreharbeiten in Freienwil wurde eine Szene mit Mike und mir in einem Raum gedreht, in welchem es sicher 42°C heiss war. Bei so grosser Hitze ist es schwierig, den Text immer im gleichen Tempo zu sprechen.

Aber nicht wir sind ausgestiegen, sondern die Kamera. Irgendwann lieferte sie nur noch ein purpurfarbenes Bild und musste zur Erholung in einen Kühlschrank gestellt werden.

 

MM: Diese Hitze hat allen zu schaffen gemacht. Und dies war bei uns nicht anders: wurde in der Nacht gedreht, hat man zwar nicht gefroren, konnte anderntags aber auch nicht ausschlafen. Bei gewissen Sets hatten wir bis zu 50°C, da die Fenster geschlossen werden mussten und insbesondere in den Autos durfte die Klimaanlage nicht eingeschaltet werden. Wenn dann die Drehtage bis zu zwölf Stunden dauern, bekommt man Konzentrationsschwierigkeiten.

 

Tink.ch: Barbara Terpoorten, welches sind Ihre weiteren Projekte?

BT: Wir planen ein Theaterstück in Aarau zum Thema “Familie, Generationen, rund ums Erben”. Es ist eine Adaption des Stückes “Der Geizige”. Bei uns heisst es: “Die Geizige oder die grosse Vacherin-Torte”.

Wir nehmen darin die familiäre Struktur unter die Lupe. Es machen auch Kollegen aus “Der Bestatter” mit. Voraussichtlich spielen wir Ende Mai 2016 in der “Tuchlaube” in Aarau. Zudem arbeite ich theaterpädagogisch und unterrichte an einer Filmschule als Dozentin.

 

Tink.ch: Mike Müller, wann geniessen Sie eigentlich Ferien?

MM: Ich kann zurzeit nur über Weihnachten Ferien machen, das bedeutet. in der Sendepause von “Giaccobo/Müller”. Wenn die Ausstrahlung von “Der Bestatter” beginnt, bin ich weg.

Tink.ch: Wie stark schmerzt es einen Satiriker, in der Sommerpause wichtige Themen wie die Griechenlandkrise oder den Fifa-Skandal zu verpassen?

 

MM: Es ist fast jeden Sommer so, dass wir denken:”schade haben wir keine Sendung”. Zur Griechenlandkrise fällt uns schon lange nichts mehr ein. Auch zur Fifa haben wir schon relativ viel gemacht, aber zu den Verhaftungen wäre uns sicher noch etwas in den Sinn gekommen. Wenn man als Satiriker das Gefühl hat, sich doch noch mitteilen zu müssen, dann gibt es diese Möglichkeit via Twitter, die ich auch nutze.

 

SRF zeigt die vierte Staffel ab Anfang Januar 2016.

 

Podcast


https://youtu.be/WG96jPwy_lw