Kultur | 21.10.2015

Britischer Akzent und Rasierklingen

Text von Yasin Emer
Die "Peaky Blinders", der Abschaum aus Birmingham, der sich langsam den Weg nach London frei schaufeln möchte, um die Buchmacher-Plätze des ganzen Landes zu übernehmen. Doch dies ist ein langer Weg für die ehemalige Zigeunerfamilie aus der Unterschicht, die stets ihre Herkunft verleugnet.
Die "Peaky Blinders" in voller Montur, die Schiebermützen sind hierbei ihr Markenzeichen. (Bildquelle: wikimedia.org)

1920 – der Krieg ist gerade erst vorbei, die Goldenen Zwanziger stehen vor der Tür, und genau diese Gelegenheit möchte Thomas Shelby nutzen, um die Umsätze für sein Wettbüro zu verdoppeln und danach zu verdreifachen. Die Serie beginnt mit einem hervorragenden Cast, die auch bekannte Gesichter und Neuankömmlinge beinhaltet.

 

Wie zum Beispiel unseren tapferen Paläontologen Sam Neil, der in Jurassic Park mitgespielt hat, sowie auch Christopher Nolan’s Film-Kollege Cillian Murphy von der Dark Knight – Triologie und Inception, der jetzt schon als Fanliebling für seine Rolle als Thomas Shelby zu den Unersetzbaren gehört. Im Laufe der Serie gesellen sich Schauspielkollege Tom Hardy und seine Frau Charlotte Riley dazu. Bevor diese die Bildschirme erobern werden, beweisen die Newcomer bereits, dass auch sie etwas auf dem Kasten haben.

 

Da diese Serie eine englische Produktion ist und die Spielzeit die 20er Jahre umfasst, wird ein an Birmingham angelehnter englischer Akzent gesprochen, der an manchen Stellen komplex erscheinen mag. Die Serie ist auf Englisch zu empfehlen, weil einige Wörter anstandshalber nicht mit übersetzt werden. Im Englischen nennen die Leute die Peaky Blinders: “Fucking Blinders'”. In der deutschen Version wird das hingegen nicht annähernd so ausgedrückt, sondern nur prüde “Peaky Blinders” genannt.

 

Darstellung und Umsetzung

Kommen wir zu dem Teil, der diese Serie ausmacht: die szenische Darstellung. Hierzu gibt es nichts zu bemängeln, weil der Regisseur den Bildern Zeit lässt und der Zuschauer diese gut verdauen kann. Die Szenen kommen auch gut ohne Worte zurecht, mit all diesen Farben und mit diesem düsteren Etwas. Die Bilder erinnern ein bisschen an einen Western mit einer Mischung aus Quentin Tarantino und Eli Roth, der ziemlich düster wirkt.

 

Schon die Tatsache, dass der Serienschöpfer Steven Knight nicht wirklich einen Vorspann benutzt, sondern die Serie laufen lässt und den Themen-Song im Hintergrund abspielt, während sich die Hauptfigur auf eine neue Handlung stürzt, ist lobenswert. Die Macher füllen die Bilder nicht zu stark mit Materiellem und geben den Schauspielern Raum, um sich zu entfalten. Egal, welche Szene: es reicht nicht, sie zu beschreiben, man muss sie gesehen haben.

 

Die Charaktere

Die Vielfältigkeit der Charaktere macht einen Grossteil der Serie aus, denn somit hat fast jeder und jede der Zuschauenden einen Charakter, mit dem man sich identifizieren kann. Da hätten wir den aggressiven Arthur Shelby, der Älteste von den vier Brüdern. Der Zweitälteste ist Thomas Shelby – der Kluge, gefolgt von John Shelby, dem Enthaltsamen und schliesslich kommt der sechsjährige Finn Shelby, der einfach nur zum knuddeln ist. Unterstützt werden diese Herren von ihrer Tante Polly, die eine fromme Erscheinung hat. Die anderen zwei Hauptcharaktere der ersten Staffel sind der irische Polizeiinspektor, der die Stadt vom Dreck befreien möchte und die irische Bardame mit der unglaublichen Stimme.

 

Ausstrahlung

Der Sender BBC TWO hat bereits zwei Staffeln der Serie Peaky Blinders ausgestrahlt, die jeweils sechs Folgen beinhalten. Für Menschen, die auf exorbitante Szenen stehen, ist diese Serie ein Muss. So beispielsweise auch für Fans von Breaking Bad und Game of Thrones. Sei es als Tapetenwechsel oder Lückenbüsser, die Serie ist für beides gut geeignet. Die Serie dauert nicht allzu lange, auch nicht zu kurz, gerade noch gut zum Geniessen und viel Zeit muss hierfür nicht investiert werden. Trotzdem ist es ein Muss für alle, die gerne auf atemberaubende, szenisch gute Darstellungen stehen und die so genannte Kinematographie lieben.