Kultur | 02.10.2015

Abenteuerinsel – Erlebnisse aus Bali

Text von Kaspar Anderegg | Bilder von Kaspar Anderegg)
Seit ich vier Jahre alt bin, war ich oft auf Bali. Ich ging mit den balinesischen Kindern fischen und war bei vielen Zeremonien dabei. Eines ist mir deshalb klar: Es gibt auf der Insel der Götter Abenteuerliches zu erleben und nicht nur Erlebnisse zur Aufrechterhaltung von Reisekatalogfantasien.
Abenteuerfeeling garantiert: Schwimmend durch eine Dschungelschlucht (
Bild: Kaspar Anderegg)

Tuak ist Palmwein. Eine Fischersfamilie hat mich zu einem Trinkabend eingeladen. Auf einem ausrangierten Boot am Strand wird Hühnersuppe, Reis und Pepes Ikan (gegrillter Fisch im Bananenblatt) serviert. Bald nach dem Essen wird der Tuak aufgetischt. Ein Liter kostet 50 Rappen und wird in einen Plastiksack abgefüllt. Wenn das Geld reicht, wird gerne etwas Bier hinzugefügt. Alle paar Minuten wird das kleine Glas aufgefüllt und an die nächste Person weitergegeben.

 

Dann wird es in ein bis zwei Schlucken geleert. Das für mich gewöhnungsbedürftige, bittersüsssaure, hefige Getränk, verschafft einen angenehmen, sanften Rausch. Sanft sind auch die Stimmung, das Geräusch der Wellen und die liebevolle Art der Menschen. Hauptthema der Gespräche ist das Fischen. Sie reden über Meile und Yard, oft benutzte Längenmasse bei den Fischern und über den 30 Kilo schweren geangelten Marlin von gestern. Dieser wurde mit einer um ein Stück Bambus gewickelten Leine geangelt. Es gebe leider immer weniger Fische und nicht alle Fischer schauen darauf, die Korallen beim Fischen nicht zu beschädigen. Noch immer gebe es Leute, die für schnellen Profit mit Dynamit oder Gift fischen und so die Riffe nachhaltig schädigen.

 

Dschungelabenteuer

Am nächsten Tag lerne ich Yohana in einem Warung kennen. Beim Essen in diesen Imbissbuden komme ich öfters mit Fremden ins Gespräch. Yohana ist Javanaerinund vor Ihrer muslimischen Familie nach Bali geflohen. Die Traditionen seien erdrückend gewesen. Auf Bali gibt es viele Menschen von anderen Inseln, auf der Suche nach einem Job oder mehr Freiheit. Wo der Tourismus fehle, sei es schwierig dem harten ländlichen Leben und den strengen familiären und religiösen Traditionen zu entfliehen, sagt sie. Yohana will ein Trekkingunternehmen aufmachen. Sie kennt viele verborgene Plätze und ich habe das Privileg diese als Gast zu testen.

 

Mehrere hundert hohe Stufen führen zum Fuss der Schlucht hinunter. Hier ist kein Tourist mehr anzutreffen, nur ein von Dschungel, Felsen, Bananenpalmen, Lianen und verschiedensten Blumen umgebener Fluss. Tief hat er sich in den Fels gefressen und eine Schlucht erschaffen. Man kann sich oft nur kletternd fortbewegen oder in der Schlucht gegen die starke Strömung ankämpfen, um die schönen Plätze flussaufwärts zu erreichen. Einige Balinesen gehen gerne hier fischen und haben kleine Stufen und Griffe in den Fels geschlagen, die wir nutzen können. Nach mehreren Kilometern erreichen wir einen Wasserfall. Den Rückweg bewältigen wir schwimmend durch die Schlucht.

 

Abenteuerliches Bali

Wer wie wir den zivilisierten Teil Balis verlässt, steht schnell vor wilder Natur. Im Bali Barat Nationalpark, an den Bergflanken und auch bei unserer, zum Teil geschwommenen, Schluchtwanderung herrscht dichter Dschungel vor. Auf die meisten Berge gibt es kleine Pfade, doch abseits von diesen wird es gefährlich und ein Durchkommen ist schwer möglich. Im Mai 2015 verschwanden zwei Holländer beim Versuch den höchsten Berg Balis, den Gunung Agung zu besteigen.