Politik | 01.09.2015

Willkommen, fremde Meinung!

Text von Clara A'Campo | Bilder von Mirco Friedli)
Neue Leute, ein Bundesrat, rege Diskussionen. Was nehmen die Teilnehmenden mit von der diesjährigen Jugendsession? Was wird ihnen in Erinnerung bleiben? Einige Stimmen vom Politfestival auf dem Waisenhausplatz.
Reporterin Clara A'Campo fragt nach. (
Bild: Mirco Friedli)

Die grauen Halsbänder mit den Namenskärtchen sind ihr Erkennungsmerkmal: wer so etwas trägt, ist Teilnehmer oder Teilnehmerin der Jugendsession. Am Politfestival auf dem Waisenhausplatz drängen sie sich dicht an dicht. Sie stehen an den Ständen der Jungparteien. Sie sitzen in den Stuhlreihen und folgen den Reden und Diskussionen auf dem Podium. Manche stehen selbst auf der Bühne und tragen starke Reden vor.

 

Andere schlendern einfach herum – diese lassen sich gern Fragen stellen. Zum Beispiel: Was war das Highlight der diesjährigen Jugendsession? «Sie ist noch nicht vorbei!», antwortet Djiril. Dann fügt er hinzu, die Witze von Johann Schneider-Ammann hätten ihm gut gefallen. Djiril ist dieses Jahr zum ersten Mal dabei.

 

Er lerne an der Jugendsession vor allem, sich mit anderen Meinungen auseinanderzusetzen und den eigenen Standpunkt durchzusetzen. Neben der Jugendsession ist Djiril nicht eigentlich politisch aktiv, denn er kann sich mit keiner Partei identifizieren. Die Kombination links-liberal-grün sei nirgends vertreten.

 

Anders liegt der Fall bei Christian, dieser fand zu den Sozialdemokraten. Dort fehlten ihm aber häufig fremde Sichtweisen, die den Diskussionen gut täten. Darum nimmt er nun schon zum zweiten Mal an der Jugendsession teil. Dort werde er häufig mit anderen Sichtweisen konfrontiert. «Auch mit ausgereiften Meinungen», fügt er respektvoll hinzu. Gefragt nach seinem Jugendsessions-Highlight sagt er: «Dass man dem Bundesrat Fragen stellen konnte, finde ich toll. Nicht in allen Ländern ist so etwas möglich.»

 

Auch Judith antwortet auf unsere Fragen. Sie kommt aus einer politisch bunt durchmischten Familie: Vater FDP, Mutter pseudo-links (man wisse eigentlich nicht so genau, was sie sei), Bruder ganz rechts, sie selber grün. So viele unterschiedliche politische Sichtweisen im Elternhaus reichen ihr aber noch lange nicht. Auch an ihrer Schule werde wenig über Politik diskutiert.

 

An der Jugendsession könne man endlich auf viele junge Menschen treffen, die sich für Politik interessierten. Und spannend sei, wie zum Beispiel einige Jugendliche aus dem Tessin eine ganz andere Sicht auf das Thema Flucht und Migration hätten. «Wir in der Zentralschweiz spüren davon ja nichts!», meint sie. Ihr Highlight von der Jugendsession: dieses Politfestival. «Am liebsten wäre ich selbst dort auf der Bühne.»

 


 

Zuerst erschienen auf der Webapp: https://juse.tink.ch/