Politik | 09.09.2015

Initiative zu verkaufen

Text von Clara A'Campo | Bilder von Lukas Blatter)
100'000 Unterschriften werden benötigt für eine Volksinitiative. Da heisst es: sammeln, sammeln, sammeln. Bevor man sich auf die Strasse und auf die Jagd begibt, stellt sich die Frage: Wie sammelt man am besten?
Mit jeder Unterschrift näher am Ziel. Auf dem Bild eine Unterschriftensammlerin auf dem Bahnhofsplatz in Bern. (
Bild: Lukas Blatter)

“Ob ihr Äpfel oder eine Initiative verkauft, macht kaum einen Unterschied”, heisst es in einem Workshop zum Unterschriftensammeln. Dieser Rat gilt für Privatpersonen ebenso wie für Mitglieder von NGOs oder Parteien. Viel wichtiger, wofür man sammelt, ist, wie man dafür sammelt.

 

Nicht alle Sammelnden mögen sich damit anfreunden. Es geht ihnen oft um ernste Themen, um Ausbeutung, Umweltverschmutzung, Aids, Unterdrückung oder Tierquälerei – da wünschen sie sich schon, dass die Menschen auch aus den “richtigen” Gründen unterschreiben.

 

Tatsächlich unterschreiben jedoch nicht alle ausschliesslich aus reiner Überzeugung für eine Sache. Eine einzelne Unterschrift hat meist eine ganze Reihe von Gründen. Dazu können persönliche Betroffenheit oder sorgfältig gebildete Meinung ebenso zählen wie Sympathie für den Sammler oder die Sammlerin.

 

Wie überzeugen?

Freundliches Lächeln und ein origineller Eisbrecher-Satz bringen die Menschen dazu, stehen zu bleiben und zuzuhören. Ist es so weit gekommen, unterschreiben viele recht schnell. Ein Logo oder ein Name bauen rasch Vertrauen in den Sachverstand der Sammelnden auf. Glaubwürdig wirken ausserdem Prospekte mit Zahlen, Fakten und Fotos. In vielen Fällen reichen wenige Schlüsselwörter, um die Menschen zu einer Unterschrift zu bewegen.

 

Medienwissenschaft und Psychologie behaupten: in einer Gesprächssituation geschehen 55 Prozent der Kommunikation auf nonverbale Weise, das bedeutet über Mimik, Gestik, Körperhaltung, Kleidung, Ort, Zeit. Weitere 33 Prozent finden paraverbal statt, also durch Stimme, Tonfall, Akzent, Sprechweise. Für das tatsächlich inhaltlich Gesagte bleiben bescheidene 10 Prozent.

 

Beim Unterschriftensammeln ist es also wie bei vielen anderen Dingen auch: der erste Eindruck zählt. Bleibt nur zu hoffen, dass das Abstimmen dann anders abläuft als das Unterschreiben.