Politik | 02.09.2015

Die Wichtigkeit der Politik

Am Samstag hielt der Bundesrat Johann Schneider-Ammann vor über 200 jungen Politikerinnen und Politikern eine Rede im Bundeshaus. Viele Jahre ist er bereits mit dabei im Saal und diskutiert mit den «grossen» Politikern. Dies tat er zuletzt auf dem Sitz mit der Nummer 100. Ein sehr interessanter Platz, wie Schneider-Ammann meint.
Im Anschluss an seine Rede stellt sich Bundesrat Schneider-Ammann den Fragen der JungpolitikerInnen. (
Bild: Nick Soland)

«Ich habe alles getan, damit unser Land ein vielfältiger und industrieller Arbeitgeber sein kann», erzählt Schneider-Ammann stolz. Am 30. September 2010 legte er den Schwur auf die schweizerische Bundesverfassung ab. Seither ist Schneider-Ammann offizieller Bundesrat. Er ist in vielen Bereichen auf dem Gebiet der Technik und der Wissenschaft tätig, wie zum Beispiel beim Werk- und Denkplatz Swissmem, wo er schon seit 1999 präsidiert. Er befasst sich hauptsächlich mit den Ressorts Wirtschaft, Bildung und Forschung, da ihm diese Departements unterliegen.

 

«Nicht lockerlassen, immer wieder einfordern!»

Johann Schneider-Ammann will etwas bewirken und seine Anliegen vertreten. Aus diesem Grund hat er die Politik entdeckt und sie «somit selbst in die Hand genommen.» Die Möglichkeit des Mitveränderns fasziniert Schneider-Ammann. Deshalb ist es für ihn wichtig, dass «viele Jugendliche in unserer Schweiz schon früh beginnen, in der Politik Erfahrungen zu sammeln». Schneider-Ammann gibt den jungen Politikinteressierten mit auf den Weg, «stets mit der eigenen Meinung und den gleichen Gedanken aufzutreten». Es sei wichtig, der Gegenmeinung standzuhalten und trotzdem darauf eingehen zu können, sagt er.

 

Schneider-Ammann selbst hält sich an seine Worte. Seit 15 Jahren fordert er immer wieder dieselbe Sache: den Einheitssatz bei der Mehrwertsteuer. Sein Ziel ist es, die Bürokratie in kleinen sowie mittleren Unternehmen nach und nach abzubauen. «Nicht lockerlassen, immer wieder einfordern!», lautet sein Motto.

 

Der Bundesrat und die EU

Johann Schneider-Ammann spricht an, dass das aktuelle Thema bezüglich der bilateralen Verträge und der Masseneinwanderungsinitiative im Bundesrat eine hohe Wichtigkeit habe. Es laufen momentan die wichtigsten Vorbereitungen im neuen Parlament zur Umsetzung. «Vergleicht man die Schweiz mit ihren Nachbarn, wird deutlich, dass wir auf die Industrie geachtet haben und sie nie – im Gegensatz zu den meisten EU-Ländern – ausser Acht gelassen haben».

 

«Arrête! Je suis déprimé!»

Bei einem Gespräch zwischen Johann Schneider-Ammann und dem französischen Präsidenten Francois Hollande, erwähnt dieser, dass es in Frankreich 25% Jugendarbeitslosigkeit, sowie eine erhöhte Altersarbeitslosigkeit gäbe. «Als ich ihm dann die Zahl unseres Landes sagte, 3% Jugend- und Altersarbeitslosigkeit, rief er dazwischen: Arrête! Je suis déprimé!» Aus diesem Grunde sei es wichtig, dass wir unsere Möglichkeiten nutzen und uns weiterhin um unser System kümmern.

Die Zielsetzung ist klar: «Dieses Land muss beschäftigt bleiben, jeder und jede soll die Chance zu einer guten Jobperspektive haben, denn die Berufsbildung ist das Rezept unseres Landes», so Schneider-Ammann.

 

Die Fragen der Jugendlichen an den Bundesrat

Schlussendlich durften die jungen, zukünftigen Politiker und Politikerinnen dem Bundesrat ein paar Fragen stellen. Unter anderem wurde gefragt, wie es Schneider-Ammann findet, wenn immer mehr Jugendliche sich entscheiden, zur Politik zu gehen. «Ich freue mich, dass es viele Listen gibt, in denen sich Junge zur Wahl stellen. Die Erwachsenen sollten die Jugendlichen der gleichen Partei ein wenig mitnehmen.»

 

Ob Schneider-Ammann ebenfalls dafür wäre, den Bundesrat auf neun Plätze zu erweitern, war eine weitere Frage. «Bevor ich noch im Bundesrat mit dabei war, war ich dafür. Damals dachte ich, dass man die Arbeit besser auf die vielen Leute verteilen könnte. Jedoch jetzt, da ich weiss, wie das Ganze funktioniert, bin ich dagegen. Denn das würde die Bürokratie zu sehr fördern.»

 

Die letzte Frage sorgte für ein wenig Unruhe im Saal. Es wurde gefragt, was der Bundesrat gegen die Zuwanderung unternähme, um den Schutz der Bevölkerung zu gewährleisten. «Es gibt diverse Wanderungsbewegungen», erklärt Schneider-Ammann, «Der Bundesrat setzt alles daran, gemeinsam mit den anderen Staaten das Problem zu lösen.»

 

Zuerst erschienen auf der Webapp https://juse.tink.ch