Kultur | 23.09.2015

Bewegte Bilder? Bewegende Bilder!

Text von Sofiya Miroshnyk | Bilder von Jil Runkel)
28 Kurzfilme flatterten am 12. UpcomingFilmMakers über die Leinwand im Bourbaki. Einige düster und nachdenklich, andere witzig und fröhlich. Allen gemein ist, dass sie von Nachwuchsregisseuren und -regisseurinnen produziert wurden.
Das 12. Kurzfilmfestival fand am 18. und 19. September im Bourbaki in Luzern statt. (
Bild: Jil Runkel)

Das 12. UpcomingFilmMakers zeigte am 18. und 19. September 28 Kurzfilme junger Regisseurinnen und Regisseure. Die Auswahl war mit einem Frühstücksbuffet eines Fünf-Sterne-Hotels vergleichbar. Den Variationen der Kurzfilme in einem einzigen Artikel gerecht zu werden, ist unmöglich.

 

Der Versuch:

14 ausgewählte Filme des UpcomingFilmMakers in ihrer jeweils wesentlichen Aussage skizzieren, um das einzigartige Filmerlebnis eines Kurzfilmfestivals wiederzugeben.

 

28 Filme, 14 Kurzkritiken, „all you can eat“ an Emotionen.

In 5:34 Minuten erzählt der erste ausgewählte Film die Geschichte von Alba, die geplagt von Selbstzweifeln ein falsches Facebook-Profil erstellt, um ihren Schwarm von sich zu überzeugen. Der Plan geht schief. „Ich hab mich einfach für mein Aussehen geschämt“, erklärt Alba ihrem Herzblatt, nachdem die Lüge auffliegt.

 

Auch der nächste Kurzfilm spricht das Thema Selbstwahrnehmung an. Ein Hobbymodel und eine Femen-Aktivistin sprechen über den eigenen Körper und ihrer Wahrnehmung desselben. „Nackt muss man natürlich nicht protestieren, aber man muss protestieren“, meint die Femen-Aktivistin.

 

Weiter geht es mit dem auf einem fremden Planeten gestrandeten Bär. Nach vielen witzigen, durch Bärs Tollpatschigkeit verursachten Pannen, kommt der Bär schliesslich- ebenso nackt wie die Femen-Aktivistinnen- in seinem natürlichen Umfeld an.

 

Fehl am Platz fühlte sich auch Georg Müller, ehemaliger Insasse des Gefängnisses Sedel. Philip Meyer zeigt mit Hilfe von Müllers Aufzeichnungen die düstere Vergangenheit der ehemaligen Strafanstalt. Eindrückliche Bilder und Töne, die eine breite Palette von Emotionen verursachen: Entsetzen, Wut, Angst und zuletzt: Hoffnung. Die Machart dient als ein Massanzug für die Geschichte und lässt keinen Zuschauer unberührt.

 

Angst hat auch Lothar, der durch sein Niesen Gegenstände um sich herum zum Explodieren bringt. Verschanzt in einem Bunker mit Unmengen an WC-Papier, Glühbirnen, Zahnbürsten und Toasts verbringt er sein Leben, bis der geliebte Toaster – ein Geschenk von Mami – zur Explosion geniesst wird. Lothars Geschichte endet in einem Weltuntergang.

 

„Hou, hou, hooou..!“ Dieser kurze Animationsfilm zeigt einen leidenschaftlichen Appell an die Weihnachtsmänner-Klasse und eine noch leidenschaftlichere Antwort der Männer in Rot.

 

Von Faltbooten und Heringen. Statische Bilder auf dem Campingplatz. Dieser Kurzfilm sticht allein wegen der Machart heraus. Erst spiessig, dann urkomisch, geordnet, dann wieder ganz chaotisch und immer statisch zeigt dieser Begegnungen zwischen Menschen: zwischen Kindern, zwischen Erwachsenen, zwischen Erwachsenen und Kindern. Beim Zusehen stellt sich ein verwirrend angenehmes Gefühl zwischen Fremdscham und Verständnis ein.

 

Der Animationsfilm von Marion Nyffenegger beschäftigt sich auf sanfte und ehrliche Weise mit dem Thema Demenz. „Ich habe einfach mal gemacht“, sagt eine der jüngsten Regisseurinnen an der Podiumsdiskussion im Bourbaki. Sanft und verwackelt, schwarz und weiss, fliessen ihre Zeichnungen ineinander und lassen Raum für viel Symbolik: Baum, Lunge, Hirn, Demenz.

 

OPAK: Undurchsichtig. Der Titel meint das Gegenteil der Kurzgeschichte. Oder die Geschichte der Gegenteile. „Ein schweigender Körper durchschreitet Gedankengänge“, so die Macherin Eliane Bertschi. Mitten im Kopf, mitten in den Gedanken und doch schweigend begleiten die Zuschauenden den Körper. Was bleibt ist Stille inmitten von tausend Gedanken.

 

To-, Tohu-, Tohuwa-, Tohuwabo-, Tohuwabohu! Der Wirrwarr nimmt Schritt für Schritt an Kraft und Stärke zu. Immer mehr Geräusche, immer mehr Farben, den Takt nie verlierend, im Chaos des Rhythmus verschwindend. Ein organisiertes Chaos. Ein Mischmasch im Takt. Eine Explosion der Kreativität.

 

Rafi und Alex haben archäologische Ambitionen. Sie haben die „Kaffikränzlimentalität“ der jungen Damen satt und machen sich auf die Jagd nach Pumas. Der Film sorgt für Lacher, als das Schicksal zurückschlägt – oder besser gesagt: wenn dein Freund deine Mutter (nicht jugendfreies Wort einfügen).

 

„Weichen“ erzählt die Geschichte einer Lokführerin, die nach einem Personenunfall ihre Geschichte – erstaunlich lebensbejahend – nacherzählt.

 

Ein politischer Film ist „The Valley Below“. Ein Soldat bewacht seine Stadt vor den Fremden, die, wie er feststellen muss, gar nicht so anders sind als die Eigenen. Eine Geschichte von brennender Aktualität. Eine Geschichte mit Happy End.

 

„Correndo in volo“ thematisiert das Thema Depression. Der Film zeigt sehr wenig von sich, verbirgt sich in sich selbst, spricht kaum, schottet sich ab und doch verlangt er dem Zuschauenden ein hohes Mass (Mit)Gefühl ab.

 

Fazit: Unmöglich ist es der Vielfalt dieses Kinoerlebnisses in einem einzigen Artikel gerecht zu werden. Zu abwechslungsreich sind die Themen, zu verschieden die Darstellungsformen. Doch lässt sich durchaus festhalten, dass diese bunte Mischung ein unvergessliches Kinoerlebnis bietet.

 

 

Weitere Informationen


http://www.upcoming-filmmakers.ch/