The Lion King in Basel

Wer, wie es auf der Einladung hiess, erst um 18:30 Uhr im Musical Theater erschien, hat feststellen müssen, dass das Apéro schon in vollem Gange war. Die Wendeltreppe in das obere Geschoss hochsteigend, war die ausgelassene Stimmung spürbar. Es wurde Prosecco und Weisswein angeboten und auch reichlich nachgeschenkt.

 

Chips und Erdnüsschen standen auf den Tischen, an denen die Leute sich getroffen und unterhalten haben. Nur von weiteren Häppchen fehlte jede Spur. Einen Buffettisch gab es zwar, aber falls es darauf etwas zu Essen gab, war davon bereits um 18:30 nichts mehr zu sehen.

 

Die Freude war umso grösser, als einige Schinkengipfel aufgetragen wurden. Wer eins ergattern wollte, musste schnell sein. Ganz Hungrige wichen auf den Pastastand in der Eingangshalle aus.

 

Blitzlichtgewitter

Fotografen waren mehrere anwesend und so wurden auch viele Fotos geknipst. In der Gruppe oder zu zweit, fast jeder wurde Abgelichtet. Gegen Ende des Apéros traf Rocker und Produzent Chris von Rohr ein und mischte die Stimmung auf. Er nahm sich Zeit für Gespräche und Selfies mit seinen Fans.

 

Sängerin Stefanie Heinzmann, die nur kurz am Apéro war, sah man kurz vor Beginn des Musicals noch ein Glace schlecken. Und diese zwei sind nur ein Teil von vielen bekannten Gesichtern, die an diesem Abend da waren.

 

Das Musical

Der Beginn der Show war spektakulär. Verschiedenste Tiere marschierten von allen Richtungen her zur Bühne. Es wurde viel gesungen, getanzt und herumgewirbelt.

Die berührende Geschichte vom Löwenjungen Simba wird noch bis zum 11. Oktober dieses Jahres im Musical Theater Basel aufgeführt.

Segeln – Ein Abenteuer schlechthin

Es kommt mir so vor, als ob ich gerade erst noch die Packliste für meinen Segelurlaub checkte – und schon sitze ich wieder im Zug nach Hause. Der Ferienkoller macht sich breit und am liebsten würde ich kehrt machen, wieder an Bord gehen und gleich noch eine Woche anhängen. Ich schliesse die Augen und denke an die letzten Tage zurück.

Gedankenblitz

Doch wie bin ich überhaupt dazu gekommen, segeln zu gehen? Na ja, meine Ferien rückten immer näher und wie viele andere hatte auch ich immer noch keinen Plan, was ich anstellen sollte. Als ich ein bisschen im Internet surfte,  erinnerte ich mich plötzlich an einen Segeltörn vor einigen Jahren zurück, wo ich eine tolle Zeit verbracht hatte. Also suchte ich sogleich nach Segelangeboten und es dauerte keine 10 Sekunden, bis ich mich auf der Website von “Join The Crew” befand. Ich zögerte nicht lange und buchte einen Törn für Elba und die Toskanischen Inseln.

Wer sind “Join The Crew”?

Die Organisation bietet viele Segeltörns an, unter anderem auch in der Karibik und in Thailand. Die meisten davon finden allerdings im mitteleuropäischen Gebiet statt. Anmelden können sich Jugendliche und junge Erwachsene zwischen 20 und 35 Jahren. Es wird darauf geachtet, dass die Geschlechterverteilung ausgeglichen ist, du braucht also keine Angst zu haben, dass du als einzige Frau auf einem Boot ausschliesslich mit Männern bist.

Bevor die Reise losgeht, wird ein Törn- sowie ein Crewforum eröffnet, über welches du die Hin- und Rückreise, den gemeinsamen Einkauf am ersten Tag, oder wenn erwünscht auch die Bootseinteilung organisieren kann. Meist segeln mindestens zwei Schiffe miteinander, welche sich dann jeweils am Abend an einer Bucht wieder treffen. In Italien zum Beispiel waren wir drei Boote mit je 9 Personen. Jedem Boot wird ein Skipper zugeteilt, ein erfahrener Segler, der verantwortlich ist für die Sicherheit der Crew.

Die richtige Balance finden

Segeln ist ein Teamsport und du solltest auf jeden Fall mit anpacken wollen. Es gilt, gemeinsam als Crew eine gute Balance zu finden zwischen segeln, baden, Sightseeing und Party. Wenn du dich fragst, ob du seekrank werden könntest, muss ich dir leider sagen, dass die Gefahr, seekrank zu werden, durchaus besteht. Ich kann dir aber auch garantieren, dass der Skipper gut auf dich achtgeben wird und dir bereits im Voraus gute Tipps und Tricks dagegen geben wird.

Die Törns stellen keine Segelkurse dar, aber dennoch lernst du einige Begriffe und Manöver rund ums Segeln kennen. Du wirst wissen, was eine “Winsch” ist und wie man sie richtig bedient, wie man ein Grosssegel setzt, wie man ein Segelschiff steuert und vieles mehr.

Fazit

Segeln ist Entspannung pur, und wie unser Skipper so schön sagte, sei er nach einigen Tagen jeweils tiefenentspannt. Und wie hätte ich nicht tiefenentspannt sein können? Spätestens als ich in einer einsamen Bucht am Bug in der Hängematte liegend mit einem frisch gemischtem Drink den Sonnenuntergang betrachtete, konnte ich nun wirklich nur noch denken: Wow, das ist echte Lebensqualität!

Entspannung, Abenteuer, Spass, wunderschöne Natur und coole Leute machen den Segeltörn zu einem ganz besonderen und unvergesslichen Erlebnis. Willst auch du mit Gleichgesinnten eine coole Zeit auf See verbringen? Dann ist ein Urlaub dieser Art vielleicht auch etwas für dich. Und vielleicht bist du ja schon bald auf dem Weg in dein eigenes grosses Abenteuer.

Weitere Infos unter: www.join-the-crew.de

Jasager, Neinsager

Sofiya fragt Kaspar: Warum fällt es einigen Menschen so schwer, ja zu sagen, während andere einfach nicht nein sagen können?

 

Liebe Sofiya,

 

Diese beiden Typen kenn ich natürlich auch. Der eine ist einfach immer dabei. Manchmal ist er schon an Bord, bevor die Idee überhaupt auf dem Tisch liegt. Sein Gegenüber jedoch verlangt übermenschliche Rhetorikkenntnisse, um sich zu einem vielleicht zu bewegen, das dann meist doch nein heisst.

 

Obwohl sich beide im Zusammenleben wie Stacheln und Katzenfell zueinander verhalten, werden die vielen Jas und Neins mit dem gleichen Benzin produziert: Angst. Jepp.

 

Fangen wir beim Naheliegenderen an, nämlich dem Neinsager. Wobei ich da schon präzise sein will, ich rede von den tatsächlichen Neinsagern, und nicht den Oberlangweilern, die einfach bloss mit den Schultern zucken und sich dann wieder in ihre Sofaritze oder ihren Kräutergarten zurückziehen.

 

Nein, die Neinsager, die haben Angst vor dem Abriss ihrer Komfortzone. Jeder Schritt in unbekannte oder potentiell unvorhersehbare Gefilde bringt die Gefahr mit sich, aus Versehen in eine Komfortabrissbirne hineinzulatschen. Und Klirr! Wobei es nicht unbedingt gleich eine Abrissbirne sein muss. Ein doofer Spruch aus einem Türrahmen oder eine Rösti, die nicht genau so schmeckt, wie er Neinsager findet, dass eine Rösti schmecken muss, kann reichen, um ein Quartier nachhaltig mit einem Nein zu belegen.

 

Der Jasager hingegen fürchtet auch um seine Komfortzone – und die ist nur da, wenn Aufmerksamkeit und Gesellschaft gegeben sind. Wobei ich auch da schon präzise sein will, ich rede von tatsächlichen Jasagern, nicht Mitläufern, die bloss mit den Schultern zucken und den Ärschen vor sich beim Wackeln zusieht, während er hinterherdackelt.

 

Nein, die Jasager brauchen das Dabeisein und in-der-Gunst-Stehen zum Überleben. Hey, gehen wir ein Bier trinken? Ja! Er zieht immer mit, um ja nicht allein sein zu müssen. Hey, kannst Du mir heute Abend die Nägel lackieren? Ja! Um sich immer ablenken zu können. Hey, kannst Du mir am Samstag beim Umzug helfen – ich werd leider nicht da sein können? Klar!

 

Um ja niemanden irgendwo zu haben, der einen nicht für den tollen Kumpel hält, welcher  der Jasager gerne sein möchte.

 

Wobei wichtig ist zu sagen, dass der Neinsager dem Jasager etwas voraus hat: Er ist alleine überlebensfähig. Nehmen wir an, es gibt nur noch zwei Menschen auf der Welt – Einen Jasager und einen Neinsager.

 

Der Jasager so: “Ja!” Der Neinsager so: “Nein” – “Ja!” – “Nein” – “Ja!”

 

Daraufhin findet es der Neinsager zu doof und verkrümelt sich auf oder in sein Sofa. Der Jasager bleibt zurück und wird kurz darauf von einem bengalischen Tiger gefressen. Was nichts zur Sache tut, denn kurz darauf wäre er eh gestorben, weil er nie gelernt hat, alleine zu leben. Beides sind gefährliche Stadien. Entweder verliert man sich irgendwann in sich selbst – oder in den anderen. Weil beiden aber das gleiche, die Angst, zugrunde liegt, sind beide auf die gleichen Behandlungen angewiesen. Meine persönliche Empfehlung: BuildUpMyEgo© akut, zum Einstieg am besten die 200 800 Milligramm Filmtabletten.

 

Die sind toll, Du Arsch! Bis nächste Woche

 

Herzlich

Kaspar der Grosse

PS: Meine Frage für nächste Woche: Der World Happiness Index hat die Schweiz 2015 zum glücklichsten Land erklärt. Warum ziehen die Leute auf der Strasse und im ÖV trotzdem immer einen „Lätsch“?

Die YB-Auferstehung?

Nach dem Sieg im ersten Spiel unter Adi Hütter gegen Vaduz waren gestern die Ansprüche an den FCB hoch. Man wollte dem unbesiegten Leader Punkte abnehmen. Dies gelang dank einer effizienten Offensive und einem noch stärkeren YB-Torhüter Yvon Mvogo.

Basel macht mehr für das Spiel

Die Basler drückten von Beginn weg und bereiteten der YB-Defensive in den Startminuten viel Arbeit. Die Berner standen zwar wieder hoch und pressten, doch der FCB spielte sich gut aus der Umklammerung der Hauptstädter heraus. Nach einem Freistoss für den FCB in der 5. Minute klärte Alain Rochat den Ball und dann kam der erste Grossauftritt von Sulejmani. Der Berner gewinnt das Sprintduell gegen Xhaka, dribbelt diesen zusätzlich noch schwindlig und knallt dann einfach eins auf den Ball. Auf einen Weg fand das Leder den Pfad ins Tor, jedoch macht Vaclik im FCB-Tor nicht die beste Figur.

Die Angriffe der Berner waren oft geduldig herausgespielt. Bis zu diesem Zeitpunkt gelingt es dem FCB nicht vor dem YB-Tor gefährlich zu werden. Während der Klassiker hart zu und her ging, erlaubte sich Schiedsrichter Klossner den einen oder anderen Fehler. Oft zu Gunsten des FCB.

Die Basler setzten bei Standardsituationen oft ein gefährliches Zeichen und so reagierte Youngstar Embolo nach einer Ecke in der 24. Minute am schnellsten und erzielte den nicht unverdienten Ausgleich für die Basler, welche mehr fürs Spiel machen.

Kurz vor der Pause dann der zweite Grossauftritt von Sulejmani. Der Serbe konnte einen Hadegjonai- Freistoss aus der eigenen Platzhälfte sauber mit der Brust annehmen und zog zur Mitte. Mutig zielte er aus rund 20 Metern ab und auch dieser Schuss schlug hinter dem chancenlosen Vaclik ein.

Wieder der drückende FCB

Auch nach der Pause startete der FCB druckvoller, doch auch in Halbzeit zwei waren es die Berner, die den ersten Treffer erzielten. Nach einem herrlichen Kabinettstück legte Steffen in der 65. Minute scharf zur Mitte, wo der bedrängte Alexander Gerndt mit der Hacke den Ball über die Linie drückte. Das Stade de Suisse stand Kopf. Zuvor hielt Mvogo die Führung nach einem gut geschossenen Zuffi-Freistoss fest und hatte Glück als ein Kopfball von Hoegh nur den Pfosten traf.

Xhaka liess sich etwas später zu einer Tätlichkeit an Steffen hinreissen. Klossner hatte die Aktion wahrscheinlich nur halb gesehen und zeigte dem Basler-Abräumer zum Unmut der Berner bloss den gelben Karton.

FCB gibt nicht auf

Wieder wurden die Basler in der 74. Minute nach einem Freistoss gefährlich und prompt gelang dem Innenverteidiger Suchy der Anschlusstreffer. Die Berner spielten nur auf Konter und so einen versuchte Vilotic mit einem hohen Ball zu lancieren. Gerndt glaubte daran – nach dem Aufspringen des Balles – vor Vaclik am Ball zu sein und wurde belohnt. Vor Vacliks Händen köpfte er den Ball über den Torhüter zum 4 zu2 ins Netz. Doch auch jetzt kämpfte der Leader weiter und erzielte in der Nachspielzeit durch Janko den erneuten Anschlusstreffer. Für den Ausgleich reichte die Zeit jedoch nicht mehr und YB schlug den FCB als erste Mannschaft in dieser Saison mit 4 zu 3.

Armee im Hafen Basel

Etwa ein Drittel der jährlichen Mineralölimporte kommen über den Basler Rheinhafen in die Schweiz. Ein Versorgungsunterbruch hätte einen massgeblich negativen Einfluss auf unsere Gesellschaft. Um den Schutz dieser kritischen Infrastruktur und weiteren Orten im Raum Basel zu gewährleisten, probt die Armee ab Mitte September die Verteidigung der Nordgrenze. Im Ernstfall darf die Armee selbstverständlich nicht von sich aus aufmarschieren. Die Soldaten sind gemäss der Bundesverfassung erst zum Einsatz berechtigt, wenn kantonale Behörden oder der Bund Unterstützung anfordern.

Die Bedeutung des Rheinhafens

Basel ist der südlichste Hafen auf dem Rhein. Im Norden und Westen am Rand der Stadt gelegen, zieht er eher wenig Aufmerksamkeit auf sich. Dabei ist der Hafen einer unserer wichtigsten Umschlagplätze für Importe. Auf Flussfrachtern und in Containern werden die Produkte nach Basel gebracht. Erdöl und Mineralölerzeugnisse, wie Benzin oder Diesel, machen neben Baustoffen und Agrarmitteln den grössten Anteil der importierten Güter aus.

Als 2012 eine von den zwei Erdölraffinerien der Schweiz ausfiel, wurde die Bedeutung unseres “Zugangs zu den Weltmeeren” ersichtlich. Der Basler Hafen verzeichnete in jenem Jahr einen Mehrverkehr von 1.5 Millionen Tonnen an Mineralölprodukten. Das waren etwa 45 Prozent des Gesamthandels. Mittlerweile sind die Einfuhren allerdings wieder zurückgegangen. Heute gelangt etwa ein Drittel der jährlichen Mineralölimporte über Basel in die Schweiz.

Volltruppenübung Conex15

“Der Rheinhafen ist für die Versorgung der Schweiz sehr wichtig”, betont Simon Oberbeck, Mediensprecher der Schweizerischen Rheinhäfen. Um diese und andere Versorgungslinien um Basel zu schützen, probt die Armee während rund zehn Tagen den Ernstfall. Der Hintergrund der Übung klingt wie ein Katastrophenszenario, entpuppt sich aber als Verteidigungsreaktion gegen eine diffuse und gesichtslose Bedrohungslage: Nicht der Einsatz gegen fremde Armeen ist das erklärte Ziel der Übung, sondern die Bewältigung nicht konformer Grenzübertritte.

In ihrem Übungsszenario malt uns das Militär die Zukunft: “Verknappung der Vorräte, Schwarzhandel, kriminelle Organisationen. Grosse Öl-, Gas- und Getreidevorräte werden zum Ziel von Sabotagen und Plünderungen. Ausserdem führen ethnische Spannungen zu grösseren Flüchtlingsströmen in die Schweiz.”

Diffuse Bedrohungslage

Etwas klarer ausgedrückt heisst das: wenn der Umfang der Grenzübertritte als Bedrohung der inneren Sicherheit eingestuft wird, kann der Bundesrat das Personal an der Grenze – die Grenzwacht, Polizei oder Sanität – mit Einheiten der Armee aufstocken. Im Extremfall müssten die Grenzen, die Schengen geöffnet hat, wieder geschlossen werden, wie es zurzeit in verschiedenen Ländern auf Grund von Flüchtlingseinreisen geschieht.  Die totale Bewachung der Grenzen nähme allerdings enorm viel Personal in Anspruch. Es ist äusserst fraglich, ob die dafür nötigen Einsatzkräfte innerhalb kurzer Zeit vorhanden wären.

Einsatz im Hafen

Auf mögliche Gründe für einen Betriebsunterbruch der Rheinhäfen angesprochen, antwortet Simon Oberbeck im Vergleich zur oben erwähnten Rhetorik fast schon unspektakulär, dass selbstverständlich ein Register von Notfallmassnahmen bestehe. Würde zum Beispiel Öl auslaufen, müssten Ölsperren eingerichtet werden. Ein kantonaler Krisenstab könnte bei Bedarf das Militär zuziehen, wenn die Katastrophe grössere Ausmasse annimmt. Sabotageakte sind Oberbeck während seiner Zeit keine bekannt. Auch zur Natur der Einsätze am Hafen möchte Oberbeck keine Auskunft geben.

Er könne lediglich sagen, wo die Truppen während der Übung im Einsatz seien: Ein Schwerpunkt der Truppenübungen liegt im Auhafen Muttenz, wo sich die grossen Tanklager für Mineralölprodukte befinden. Hier werden die Lieferungen von den zuständigen Hafenfirmen zwischengelagert, bevor der Transport weiter an die Tankstellen geht. Um den Betrieb des Hafens nicht unnötig zu stören, ist eine Vollsperrung des Auhafens Muttenz jeweils in der Nacht zwischen 22 und 4 Uhr geplant. In dieser Zeit kann niemand ohne Berechtigung den Hafen betreten.

Ausbildung der Führungskräfte

Was ist das Fazit? Die Kommunikation der Armee bezüglich ihrer Übung ist so schwammig, wie der Textlaut des Szenarios. Gut möglich, dass nicht einmal die Damen und Herren, die das Konzept erarbeiteten, genau wissen, wogegen sie verteidigen. Vielleicht ist das auch nicht so wichtig: Das kommunizierte Ziel der Übung ist schliesslich die Zusammenarbeit mit zivilen Behörden.

Deren Unterstützung, “wenn die Mittel nicht mehr ausreichen” ist eine der zentralen Aufgaben der Armee. Das geht in zahlreichen Medienberichten über die Conex15 etwas unter. Die Professionalisierung der Führungskräfte und die Kommunikation mit den Einsatzpartnern stehen eigentlich im Vordergrund. Das ist auch nur sinnvoll, damit schnell reagiert werden kann, wenn tatsächlich ein Notfall eintritt. Was als Notfall gilt, entscheidet nicht die Armee. Da nur der Bundesrat eine Mobilisierung ausrufen kann, feilt das Militär derweil genüsslich an Katastrophenszenarien.

Bewegte Bilder? Bewegende Bilder!

Das 12. UpcomingFilmMakers zeigte am 18. und 19. September 28 Kurzfilme junger Regisseurinnen und Regisseure. Die Auswahl war mit einem Frühstücksbuffet eines Fünf-Sterne-Hotels vergleichbar. Den Variationen der Kurzfilme in einem einzigen Artikel gerecht zu werden, ist unmöglich.

 

Der Versuch:

14 ausgewählte Filme des UpcomingFilmMakers in ihrer jeweils wesentlichen Aussage skizzieren, um das einzigartige Filmerlebnis eines Kurzfilmfestivals wiederzugeben.

 

28 Filme, 14 Kurzkritiken, “all you can eat” an Emotionen.

In 5:34 Minuten erzählt der erste ausgewählte Film die Geschichte von Alba, die geplagt von Selbstzweifeln ein falsches Facebook-Profil erstellt, um ihren Schwarm von sich zu überzeugen. Der Plan geht schief. “Ich hab mich einfach für mein Aussehen geschämt”, erklärt Alba ihrem Herzblatt, nachdem die Lüge auffliegt.

 

Auch der nächste Kurzfilm spricht das Thema Selbstwahrnehmung an. Ein Hobbymodel und eine Femen-Aktivistin sprechen über den eigenen Körper und ihrer Wahrnehmung desselben. “Nackt muss man natürlich nicht protestieren, aber man muss protestieren”, meint die Femen-Aktivistin.

 

Weiter geht es mit dem auf einem fremden Planeten gestrandeten Bär. Nach vielen witzigen, durch Bärs Tollpatschigkeit verursachten Pannen, kommt der Bär schliesslich- ebenso nackt wie die Femen-Aktivistinnen- in seinem natürlichen Umfeld an.

 

Fehl am Platz fühlte sich auch Georg Müller, ehemaliger Insasse des Gefängnisses Sedel. Philip Meyer zeigt mit Hilfe von Müllers Aufzeichnungen die düstere Vergangenheit der ehemaligen Strafanstalt. Eindrückliche Bilder und Töne, die eine breite Palette von Emotionen verursachen: Entsetzen, Wut, Angst und zuletzt: Hoffnung. Die Machart dient als ein Massanzug für die Geschichte und lässt keinen Zuschauer unberührt.

 

Angst hat auch Lothar, der durch sein Niesen Gegenstände um sich herum zum Explodieren bringt. Verschanzt in einem Bunker mit Unmengen an WC-Papier, Glühbirnen, Zahnbürsten und Toasts verbringt er sein Leben, bis der geliebte Toaster – ein Geschenk von Mami – zur Explosion geniesst wird. Lothars Geschichte endet in einem Weltuntergang.

 

“Hou, hou, hooou..!” Dieser kurze Animationsfilm zeigt einen leidenschaftlichen Appell an die Weihnachtsmänner-Klasse und eine noch leidenschaftlichere Antwort der Männer in Rot.

 

Von Faltbooten und Heringen. Statische Bilder auf dem Campingplatz. Dieser Kurzfilm sticht allein wegen der Machart heraus. Erst spiessig, dann urkomisch, geordnet, dann wieder ganz chaotisch und immer statisch zeigt dieser Begegnungen zwischen Menschen: zwischen Kindern, zwischen Erwachsenen, zwischen Erwachsenen und Kindern. Beim Zusehen stellt sich ein verwirrend angenehmes Gefühl zwischen Fremdscham und Verständnis ein.

 

Der Animationsfilm von Marion Nyffenegger beschäftigt sich auf sanfte und ehrliche Weise mit dem Thema Demenz. “Ich habe einfach mal gemacht”, sagt eine der jüngsten Regisseurinnen an der Podiumsdiskussion im Bourbaki. Sanft und verwackelt, schwarz und weiss, fliessen ihre Zeichnungen ineinander und lassen Raum für viel Symbolik: Baum, Lunge, Hirn, Demenz.

 

OPAK: Undurchsichtig. Der Titel meint das Gegenteil der Kurzgeschichte. Oder die Geschichte der Gegenteile. “Ein schweigender Körper durchschreitet Gedankengänge”, so die Macherin Eliane Bertschi. Mitten im Kopf, mitten in den Gedanken und doch schweigend begleiten die Zuschauenden den Körper. Was bleibt ist Stille inmitten von tausend Gedanken.

 

To-, Tohu-, Tohuwa-, Tohuwabo-, Tohuwabohu! Der Wirrwarr nimmt Schritt für Schritt an Kraft und Stärke zu. Immer mehr Geräusche, immer mehr Farben, den Takt nie verlierend, im Chaos des Rhythmus verschwindend. Ein organisiertes Chaos. Ein Mischmasch im Takt. Eine Explosion der Kreativität.

 

Rafi und Alex haben archäologische Ambitionen. Sie haben die “Kaffikränzlimentalität” der jungen Damen satt und machen sich auf die Jagd nach Pumas. Der Film sorgt für Lacher, als das Schicksal zurückschlägt – oder besser gesagt: wenn dein Freund deine Mutter (nicht jugendfreies Wort einfügen).

 

“Weichen” erzählt die Geschichte einer Lokführerin, die nach einem Personenunfall ihre Geschichte – erstaunlich lebensbejahend – nacherzählt.

 

Ein politischer Film ist “The Valley Below”. Ein Soldat bewacht seine Stadt vor den Fremden, die, wie er feststellen muss, gar nicht so anders sind als die Eigenen. Eine Geschichte von brennender Aktualität. Eine Geschichte mit Happy End.

 

“Correndo in volo” thematisiert das Thema Depression. Der Film zeigt sehr wenig von sich, verbirgt sich in sich selbst, spricht kaum, schottet sich ab und doch verlangt er dem Zuschauenden ein hohes Mass (Mit)Gefühl ab.

 

Fazit: Unmöglich ist es der Vielfalt dieses Kinoerlebnisses in einem einzigen Artikel gerecht zu werden. Zu abwechslungsreich sind die Themen, zu verschieden die Darstellungsformen. Doch lässt sich durchaus festhalten, dass diese bunte Mischung ein unvergessliches Kinoerlebnis bietet.

 

 

Weitere Informationen


http://www.upcoming-filmmakers.ch/

Plädoyer für mehr Polyphonie

“Sie haben alle Humor bewiesen, dass Sie bei dem schönen Wetter hier sind”, witzelt Martin Meyer zu Beginn der ersten Veranstaltung, des NZZ Podiums zum Thema Humor. Das Motto des diesjährigen Lucerne Festivals soll am Samstag, den 29.8.2015, in einer intellektuellen Runde in all ihren Facetten besprochen werden. Dementsprechend aus unterschiedlichen Bereichen kamen die geladenen Gäste: Neben dem Chef des Feuilleton der NZZ waren die isländische Schriftstellerin Steinum Sigurðardóttir, der ungarische Starpianist András Schiff und der deutsche Komödiant und neu auch “Rentier” Harald Schmidt geladen.

 

“Eine Diskussion über Humor ist nicht unbedingt lustig!”, mahnt Sigurðardóttir gleich zu Beginn ihres Einführungsreferates. Trotzdem wird während der ganzen Diskussion viel gelacht, nicht zuletzt dank des ironischen Umgangs mit dem Thema seitens Harald Schmidt. Als letzterer erklärt, wie er zur Komödie kam – über die Imitation anderer Leute – fällt bald das Stichwort der “political correctness”. Darf man über andere lachen? “Ja worüber denn sonst?” kontert er. Es sei gut, über andere zu lachen. Derselben Meinung ist die Schriftstellerin: Wenn über Minderheiten gewitzelt werden kann, sieht man sie nicht mehr als benachteiligte Gruppe, sondern auf einer Ebene mit der Mehrheit.

 

Schmidt spart nicht an Pragmatik, was im Antlitz der intellektuellen Runde komisch wirkt und beim Publikum als auch im Podium für Gelächter sorgt. Ganz untypisch für die “bierernste” Mentalität der Deutschen – ein Wort, das Sigurðardóttir aufnimmt, um auf lokalen Humor hinzuweisen. Das Verständnis von Humor ist ihrer Erfahrung nach nämlich von Land zu Land sehr verschieden: “Wenn man erfährt, worüber andere lachen, weiss man, woher sie sind” schlussfolgert sie. In ihrer Heimat Island sei es zum Beispiel unmöglich, über sich selbst zu lachen.

 

Humor und Musik – ein schwieriges Verhältnis?

Ähnlich ergeht es der Musik. Sie nimmt sich nicht gerne selbst auf’s Korn. Schiff erzählt von seinen Erfahrungen, wie solchen, dass bei selbst den lustigsten Stücken das Publikum sich nicht traut, zu lachen. Sogar der barocke Komponist Bach, den man eher als ernsten, sehr gläubigen und strengen Mann wahrnimmt, hatte laut Schiff Humor: Er habe beispielsweise in den berühmten Goldberg-Variationen Elemente von einfachen Volksliedern eingebaut und so humoristische Elemente einfliessen lassen.

 

Als grösster Meister des Humors erwähnt er einen anderen Komponisten: Haydn habe humoristische Akte auf eine sehr feine Art eingebaut. Dennoch, ist Humor in der Kunst ein schwieriges Thema. Schiff, der als Kind der Klassenclown war, plädiert daher für mehr Polyphonie, für mehr Toleranz, für mehr Witz in einer ernsten, heterogenen Welt.

 

Till Eulenspiegel im KKL

Wie gut sich Humor und Musik wirklich vertragen, wird sich im Laufe des Abends präsentieren: Unter anderem steht Strauss’ Till Eulenspiegel auf dem Programm.

Das Israel Philharmonic Orchestra unter der Leitung von Zubin Mehta legt einen fantastischen Auftritt hin, qualitativ bleiben keine Wünsche offen. Man merkt, dass es den Musikern Freude macht, sich der lustigen Figur zu widmen.

 

Auch das zweite Stück, eine Kammersinfonie des modernen Komponisten Schönberg, das in einer viel kleineren Formation aufgeführt wird, bildet einen Kontrast zur “typischen” Klassik, die im letzten Stück, der Pathétique von Tschaikowsky, zur Geltung kommt. Über das gesamte Konzert ist eine extreme Spannung spürbar, die im Publikum keinen Raum für Entspannung zulässt, wie sie für Humor notwendig ist. Gut, dass sich das Lucerne Festival dieses Jahr dem Humor, einem in der Musikszene heiklem Thema, widmet. Vielleicht können sich so Humor und Musik zu einem Zusammenspiel bewegen.

Vom Spiel mit dem Schatten und dem schweren Gang des Riesen

Auf Marionetten-, Objekt- und Figurenspiel ausgerichtete Darbietungen führen zu Unrecht noch ein gewisses Schattendasein auf Kleinkunstbühnen. Ziel der neuen künstlerischen Festivalleitung um Kathrin Doppler und Marius Kob ist genau diese Befreiung des Figurentheaters aus ihrer Nischenposition. Das aktuelle Festivalprogramm soll, so liess der freischaffende Figurenspieler Marius Kob auf der Pressekonferenz verlauten, die Vielfältigkeit der Disziplin aufzeigen und ein möglichst breit gefächertes Publikum ansprechen.

 

Entsprechend bildete die Synthese von Theater und installativer Arbeit einen der vier thematischen Schwerpunkte des diesjährigen Festivals. In diese Kategorie fielen insbesondere die raumspezifische Installation “SchattenSpielAutomaten – Die Erzählung eines unbekannten Alchemisten” des deutschen Kollektivs RaumZeitPiraten im Museum der Kulturen und die effektgeladene Darbietung “Vénus” der französischen Gruppe l’Homme debout, welche auch den Auftakt des achten FigurenTheaterFestival bildete.

 

Wo Schattentheater auf Club-Atmosphäre trifft

Bedeutungsverschiebung und Transformation sind zentrale Elemente des Figurentheaters und tatsächlich zeigte sich der Hedi Keller Saal im Museum der Kulturen nach den Eingriffen der auf kinetische Lichtinstallationen spezialisierten RaumZeitPiraten in völlig neuem Gewand. Der schummrig beleuchtete Raum mit den stroboskopartig flirrenden Lichtquellen, welche in rasender Folge Schattenfiguren an die nackten Wände projizieren, weckte nun eher Erinnerungen an einen avantgardistischen Club als an einen Tagungsraum.

 

Von der Decke baumelten vier in ausgeklügelter Weise aus Laborstativmaterial zusammengeschraubte Mobiles, welche mit einem kunterbunten Sammelsurium aus ethnographischen Exponaten des Museums und Alltagsgegenständen behangen waren. Gezielt wurden die Objekte von Spotlichtern beleuchtet und ihre Umrisse wie beim Schattentheater an die Wände geworfen.

 

Von Metamorphosen und Zellteilungen

Wie der Titel “Die Erzählung eines unbekannten Alchemisten” schon andeutet, behandelte die installative Ausstellung zentrale Aspekte der alchemistischen Praxis, darunter die Umwandlung von Stoffen und die künstliche Erzeugung von Leben. So tragen zwei Mobiles die Titel “Mitose” und “Metamorphose” und ihre Schattenwürfe geben mittels der Technik der Überblendungen die Teilung einer Zelle und die Verwandlung eines Objektes wieder.

 

“Unser ästhetisches Material sind Fundstücke, die wir in Installationen zum Leben erwecken”, erklärte Jan Ehlen vom Kollektiv während der Vernissage. “Unser Team hat die ethnographischen Ausstellungsobjekte zusammen mit dem Haus ausgewählt, wobei darauf geachtet wurde, welche Gegenstände sich am ehesten als Projektionsmedium eignen.” Ausgewählt wurden schliesslich vor allem geflochtene Gegenstände, deren gitterförmige Umrisse einen interessanten Schattenwurf ergaben. Für die RaumZeitPiraten war diese Kollaboration mit dem Museum eine neue Erfahrung, da das Kollektiv nie zuvor mit Fremdmaterial gearbeitet hatte.

 

Angeln nach Licht

Das Prinzip der Lichtprojektion spielte auch im Workshop der RaumZeitPiraten am Samstag eine tragende Rolle. Das Kollektiv stellte den Teilnehmern eigens konstruierte “LichtAngeln” zur Verfügung, die sie mit Plastikfiguren, Pflanzenteilen und Stoffresten bestückten, wobei die Objekte nach dem Eindunkeln schliesslich als “Licht-Graffitis” an die Hauswände projiziert wurden. Die einfachste Version dieser tragbaren Projektionsinstrumente bestand dabei aus nicht viel mehr als einem ausfahrbaren Selfie-Stick, einem LED-Spot, Klemmen und einer Lupe.

 

Durch ein simples Verstellen der einzelnen Bestandteile liessen sich jeweils die Grösse des Lichtkegels und die Schärfe der vor die Linse geklemmten Objekte variieren. Den Höhepunkt des Workshops bildete die nächtliche Projektionsaktion auf dem Münsterplatz, welche in eine spontane Schattenspiel-Choreographie mündete. Die Teilnehmer des Workshops steuerten dabei die klangliche Begleitung gleich a capella selber bei. Zu Pfeiflauten und Grollen krabbelten geisterhafte Schatteninsekten neben dem Umriss eines Fahrradfahrers an den Fassaden entlang und verschmolzen mit den Umrissen von Häkelspitze zu einem zauberhaften Wandteppich.

 

Synthesizer statt Piccolo

Monumental präsentierte sich am Mittwoch der nächtliche Gang der gut acht Meter hohen Marionette aus flexiblen Weidenruten des Kollektivs l’Homme debout – der aufrechte Mensch – rund um den Münsterplatz. Das Erlöschen der Lichter kurz vor der Vorstellung weckte Erinnerungen an den alljährlichen Morgestraich, jedoch untermalten nicht etwa fröhliche Piccoloklänge, sondern synthetische Beats den Auftritt des Giganten.

 

“Eindeutig besser als die Fasnacht”

Das Spektakel “Vénus” erzählt die Geschichte eines Mannes, der einst sein vom Krieg zerrüttetes Land verliess und Jahre später die Stationen seiner Flucht von neuem besucht. Geleitet wird er dabei von dem Morgenstern, der Venus in der Gestalt einer schwebenden Kugel. Diese komplexe Narration erschloss sich zwar nur ansatzweise aus dem Ablauf des mit pyrotechnischen Effekten durchsetzten Spektakels, dies minderte jedoch nicht die Faszination, welche die Riesenmarionette auf Gross und Klein ausübte.

 

Von sieben Puppenspielern geführt, schälte sich die hell erleuchtete Figur in einem Nebel aus Trockeneis aus den Schatten der Kastanienbäume. Die Figurenspieler von l’Homme debout zeigten sich dabei als ein eingespieltes Team. Beeindruckend waren ihre aufeinander abgestimmten Bewegungen, mit denen sie die Gliedmassen des Riesen bedienten und ihn rennen, schweben, an einer Blume riechen und tanzen liessen. “Eindeutig besser als die Fasnacht”, lautete schliesslich auch das Urteil einer begeisterten Zuschauerin. Und das will in Basel etwas heissen.

 

 


 

Weitere Informationen und Eindrücke zum FigurenTheaterFestival vom 16. – 20.9.2015

 

www.figurentheaterfestival.ch

raumzeitpiraten.com/raumzeitpiraten/

www.cie-lhommedebout.fr

 

 

Über die Unvernunft

Kaspar fragt Sofiya: Warum macht “unvernünftig sein” so viel Spass?

 

Lieber Kaspar,

 

Goethe soll gesagt haben: “Die Vernunft ist grausam, das Herz ist besser”. Vernunft gibt vor, das Leben liesse sich durch bestimmte Entschlüsse einrenken, kontrollieren, wodurch sie dem Leben auf grausame Weise den Spass abspricht. Wenn wir uns durch und durch vernünftig benehmen, so ist dies, als würden wir uns selbst in eine Kiste zwängen, sie zuschliessen und vorgeben, darin gemütlich Platz zu finden.

 

Während sich die einen mit Platzmangel und einem tauben Arm abgeben, lassen andere es gar nicht so weit kommen. Natürlich haben wir Verpflichtungen, die wir erfüllen MÜSSEN, wobei es schöner wäre, diese Verpflichtungen erfüllen zu WOLLEN, doch zwischendurch gibt es nichts Schöneres, als seinem Wahnsinn Platz zu lassen und durchzudrehen.

Es gibt Menschen, die jede Kiste der Vernunft mit einem Japanmesser zerstückeln und sich Löcher reinstanzen. Das fühlt sich dann an, als sei man eine Schildkröte. Klar, da ist der verdammt schwere Panzer, der dir am Rücken hängt, doch hast du Bein-, Arm- und Kopffreiheit.

 

Um bei Metaphern zu bleiben: Das Lustigste am Schildkrötendasein ist doch der Moment, wenn sie auf dem Rücken liegen geblieben ist, und, ähnlich wie ein Mensch nach übermässigem Alkoholkonsum, wild mit den Armen und Beinen strampelt, in der Hoffnung, jemand möge doch beim Umdrehen behilflich sein. Eine solche Geschichte wird nicht erlebt und erzählt als: Da kam einer und half, sondern viel eher: Und da war ich, eingewickelt in Handtrocknungstüchern von CWS und konnte mich nicht mehr befreien, ohne die Schuhe auszuziehen.

 

Die meisten Menschen halten sich für etwas Besonderes und wollen gleichzeitig perfekt wirken, vernünftig entscheiden. Zwei in sich unvereinbare Dinge, denn es gibt nichts Besonderes daran, sich freiwillig in eine Kiste zu zwängen. Sich in dieser völlig unvernünftigen Welt in eine Box der Vernunft zu zwängen, soll den Assistentinnen der Magier vorbehalten bleiben.

Selbstverständlich ist die Vernunft eines der grössten Vermögen des denkenden Menschen. Durch die Vernunft sind wir in der Lage, Zusammenhänge zu erkennen und unser Handeln nach diesen zu richten. Doch Vernunft allein verspricht noch lange keinen Spass. Der Beweis dafür liegt darin, dass wir zwar nicht selten vernünftig denken, noch seltener aber vernünftig handeln.

 

Du, lieber Kaspar, fragst aber nach dem “Warum?”. Den Grund dafür sehe ich in der menschlichen Natur. So fortschrittlich und vernunftbegabt wir auch sein mögen, unserer Natur können wir nicht immer entfliehen. “Auch der vernünftigste Mensch bedarf von Zeit zu Zeit wieder der Natur, das heisst seiner unlogischen Grundstellung zu allen Dingen”, so Nietzsche. Wer nicht daran glaubt, dass die Natur im Kern unlogisch ist, soll sich einmal in der Thermodynamik umsehen, denn zumindest nach R. Clausius – von dem auch der zweite Hauptsatz der Thermodynamik stammt – streben die Atome und somit das Universum nach maximaler Entropie – also der grössten Unordnung. (Meiner Meinung nach eines der schönsten und ehrlichsten Modelle des Universums.)

 

In der bereits verwendeten Metapher klingt das wie folgt: Da ist also diese Vernunftkiste, die uns in einen kristallinen Zustand von Starrheit zwängt. Wir aber, erwärmt vom Feuer der Leidenschaft, der Liebe, erwärmt von Emotionen, strampeln uns aus der Kiste heraus. Nicht, um zu vermeiden, langsam gekocht zu werden, sondern viel eher, weil wir, wiederum dank unserer Vernunft, feststellen, dass wir nicht in der Kiste bleiben müssen, wenn uns der Arm eingeschlafen ist.

 

Sind wir ehrlich: Wir erinnern uns an die Momente, in denen wir alle Vernunft verloren haben und ohne Schuhe in Barcelona aufgewacht sind. Wir erinnern uns an Dinge, die wir getan haben, obwohl uns unser Verstand strikt davon abgeraten hat.

Das soll kein Freifahrtschein für alle Idioten da draussen sein, doch bin ich fest davon überzeugt, dass es in Ordnung ist, ab und zu mal durchzudrehen und entgegen jeglicher Vernunft zu handeln. Denn erst wenn wir die Vernunft verlieren, finden wir zu ihr zurück.

 

Unvernünftige Grüsse,

 

Sofiya

 

PS: Meine Frage für die nächste Woche: Warum fällt es einigen Menschen so schwer, ja zu sagen, während andere einfach nicht nein sagen können?

Eltern vs. Bildschirme

Serge Tisseron besitzt das angenehme Talent, seine Untersuchungen allgemein verständlich machen zu können, indem er bildhafte Beispiele aus unserem Alltagsleben gibt. Er unterstützt seine Rede mit Bildern, Metaphern und Vergleichen, um sie für jede und jeden leicht verständlich zu machen, denn das Ziel seines Vortrags war eindeutig, Eltern und Fachleute mit klaren und konkreten Informationen zu versorgen, damit sie wissen, wie man auf das allgemein verbreitete Nutzen der neuen Technologien durch junge Leute reagieren soll.

 

Der promovierte Psychologe begann seinen Vortrag, indem er zugab, dass Computer, Smartphones, Konsolen und andere Bildschirme zu wirklichen Veränderungen in unserer Beziehung zu anderen und in Bezug auf das Bewusstsein führen. “Wir haben erkannt, dass uns das Mobiltelefon heute komplett intolerant macht, was das Warten angeht”, veranschaulichte der Forscher der Universität Paris VII Denis Diderot. So legte er Wert darauf aufzuzeigen, dass “wir schliesslich immer eine Ideologie unserer Technologien haben”. Die Informationstechnologie ist nunmehr Teil der Gesellschaft des 21. Jahrhunderts, ob man will oder nicht. Man muss damit leben.

 

Ein Kind ins kalte Wasser werfen

Nach Ansicht des Psychiaters “ist es notwendig, dass wir diese Veränderungen integrieren”, anstatt zu versuchen, gegen sie anzukämpfen. Kinder haben ihre Konzentrationsfähigkeit verloren? Zweifellos. Serge Tisseron hat diese Entwicklung theoretisch dargestellt als einen Übergang von Deep attention zu Hyper attention, anders ausgedrückt: von einer Aufmerksamkeit von langer Dauer zu einer stärkeren Aufmerksamkeit, die jedoch von sehr kurzer Dauer ist. Ihm zufolge nützt es nichts, darüber zu jammern. Besser ist es, sich anzupassen, zum Beispiel, indem man sich schnelle Lernmethoden ausdenkt, die der geringen Konzentrationsfähigkeit entsprechen. Kinder sozialisieren sich eher über das Internet als in der Familie? Bestimmt.

 

Dem Psychiater zufolge ist es möglich, auf diese Feststellung auf zwei Arten zu reagieren: entweder, indem man den jungen Menschen dazu zwingt, sich für die Personen zu interessieren, die ihm nahestehen, oder indem man zugesteht, dass er seine eigene Welt hat und man sich dafür interessiert. “Selbstverständlich ist die zweite Lösung die bessere”, meint er. Vor allem appellierte der Wissenschaftler an das Publikum, einen Jugendlichen nicht zu verurteilen, der zu viel Zeit im Internet verbringen oder dem Internet eine zu grosse Bedeutung für sein Leben beimessen und an einer “Online-Niedergeschlagenheit” leiden würde. Man sollte ihn vielmehr als Opfer eines “zu schnellen, zu massiven und zu frühen Eintauchens in die neuen Technologien sehen. Es ist, wie wenn man ein Kind in ein Schwimmbecken wirft, ohne ihm das Schwimmen beigebracht zu haben.”

 

Die Drei-A-Regel als Hilfe für Eltern

Um den Eltern dabei zu helfen, ihre Kinder im jugendlichen Alter darauf vorzubereiten, in die Online-Welt einzutauchen, rät ihnen Serge Tisseron, die “Drei-A-Regel” zu befolgen, nämlich “Accompagner” (Begleiten), “Alterner” (Abwechseln), “Auto-réguler” (Selbstregulieren). So bringt Tisseron die Eltern dazu, dass sie mit ihren Kindern darüber sprechen, was diese machen und sehen – nicht nur, weil das die familiären Bindungen fördert, sondern auch, weil dies den Erwachsenen ermöglicht, vom Lernen der Jüngeren zu profitieren. “Die Technologien entwickeln sich so schnell, dass man einen Jugendlichen bitten muss, sie uns zu erklären”, meint der Forscher.

 

Ihm zufolge sind junge Leute im Bereich der neuen Technologien besser aufgestellt, nicht etwa, weil sie “Digital Natives” seien, sondern einfach, weil sie “Zeit haben, sich darum zu kümmern, da sie weder einkaufen noch den Haushalt machen müssen”. Indem ein Elternteil sein Kind in dessen Entdeckung der Technologien begleitet, geniesst in vorgerücktem Alter auch dieser eine Ausbildung. Um jedweden beträchtlichen Bruch mit der wirklichen Welt zu vermeiden, sollte der Elternteil ausserdem “alle Aktivitäten ohne Bildschirm und grundsätzlich manuelle Aktivitäten fördern”. Zusammenfassend gilt, zwischen der digitalen und der wirklichen Welt abzuwechseln. Die Technologien sind nicht problematisch, sofern sie von Offline-Aktivitäten begleitet werden.

 

Bildschirmzeit häppchenweise

Der wesentliche Ratschlag von Serge Tisseron an die Eltern besteht darin, die Computer-, Fernseh- und Konsolendosen in bestimmte Zeiten aufzuteilen. “Wenn man Schokoladencreme isst, serviert man dem Kind davon eine Portion auf einem Teller. Man lässt es nicht aus einer Schüssel, die in die Mitte des Tisches gestellt wird, so viel davon essen, wie es will. Auf die gleiche Weise muss man die Bildschirmzeit im Vorhinein mit einer begrenzten Dauer verknüpfen.” So kann das Kind diese Einstellung verinnerlichen und in der Folge die virtuelle Welt weiterhin auf diese Weise konsumieren.

 

Eine angedachte Lösung besteht darin, das Kind darum zu bitten, ein Tagebuch über seinen Bildschirmkonsum zu führen. Serge Tisseron gibt zu, davon überzeugt zu sein, dass das Kind schummeln und lügen wird. Doch das ist nicht so wichtig; diese Methode “wird es anspornen, sich über seine Zeit, die es den Bildschirmen widmet, Gedanken zu machen, und es dazu bringen, an die Dauer zu denken”. Es ist also eine Art, es für das Thema zu sensibilisieren. Für den Psychiater bleibt das Wichtigste jedoch, dass die Eltern die Regeln, die sie ihrem Kind auferlegt haben, selbst auch einhalten – um glaubwürdig zu bleiben. “Sie können ihm nicht verbieten, am Tisch ans Telefon zu gehen und dann Ihr Smartphone abnehmen unter dem Vorwand, dass die Grossmutter anruft.” Die Regeln, die festgelegt wurden, müssen also für alle gelten – oder gar nicht.

 

Immer das Positive sehen

Serge Tisseron gelingt es, überall dort Positives zu sehen, wo man normalerweise nur Negatives sieht. Wenn ein junger Mensch im Internet nach etwas sucht oder auf einen Link klickt, wird er regelmässig auf eine unerwartete, sogar unerwünschte Seite weitergeleitet. Vielmehr als darin eine Gefahr zu sehen, meint der Psychiater allerdings, dass “die Bildschirmkultur unsere Fähigkeit fördert, sich dem Unvorhersehbaren zu stellen, da es dem Internet inhärent ist, uns dahin zu führen, wo man nicht hingehen will” – in Zeiten erheblicher klimatischer und geopolitischer Veränderungen in seinen Augen eine unabdingbare Fähigkeit. “Die Pflicht, sich dem Unvorhersehbaren zu stellen, wird die grösste Herausforderung des 21. Jahrhunderts darstellen.”

 

Positives erkennt der Forscher auch in Videospielen, die oft in Verruf gebracht werden, weil sie die Spieler in eine virtuelle Welt eintauchen lassen, die weit von der Realität entfernt ist. Ihr Aufbau in verschiedene Levels, was es erforderlich macht, die Strategie von Etappe zu Etappe zu ändern, “verpflichtet den Spieler, zu vergessen”, behauptet er. “Heute weiss man, dass unser Gedächtnis nicht unendlich ist. Videospiele ermöglichen es, dass man lernt zu verlernen.” Im selben Gedankengang führt er die Anpassung an verschiedene Versionen von Betriebssystemen an. “Jemand, der Windows Vista gewohnt war, musste bei Windows 7, dann 8 und nun 10 alles neu lernen.” Indem wir uns dazu zwingen, die vorherigen Methoden zu vergessen, würde uns die Informationstechnologie also daran gewöhnen, in unserem Gedächtnis Platz für das zu schaffen, was für uns nützlich ist.

 

Dynamische Rede

Es ist eine Untertreibung zu sagen, dass Serge Tisseron in seinem Vortrag zum Thema “Neue Technologien” gegen den Strom schwimmt. Die Teilnehmer am Kongress, die dramatisierende Reden über die durch die Bildschirmkultur hervorgerufenen Veränderungen von Personen mit der Auffassung “Früher war alles besser” gewohnt sind, wurden auf eine positive Weise eingeladen, ihren Standpunkt zu ändern. Videospiele bringen neue Fähigkeiten hervor, das Internet bietet Möglichkeiten, um der wirklichen Welt gegenübertreten zu können, und der Jugendliche kann seine Eltern in puncto neue Technologien schulen. Wenn Serge Tisseron auch keine Lösungen gegeben hat, um den Jugendlichen zu helfen, auf die sich die Auswüchse der digitalen Medien bereits ausgewirkt haben, so hat er dennoch Hilfsmittel geliefert, um diese zu vermeiden. Und wie sagt die Lebensweisheit: “Vorbeugen ist besser als heilen.”

 

Übersetzt aus dem Französischen von Alexander Fischer für Tink.ch