Kultur | 14.08.2015

Zwischen Tragik und Humor

Samba ist die rührende Geschichte eines illegalen Einwanderers. Eine witzige Tragödie, belebt durch kleine und grosse Schwierigkeiten des Alltags. Dem Regie-Duo Éric Toledano und Olivier Nakache gelingt erneut ein bewegender Film, der die Sicht auf die Welt entscheidend zu beeinflussen vermag.
Noch ist alles in Ordnung zwischen Samba und Jonas. (
Bild: zvg. Salt Cinema, Copyright Frenetic)

Glanz, Tanz und Spass prägen die erste Szene des Films „Heute bin ich Samba“. Samba – wie der Tanz. Samba, wie der junge Mann, ein Sans-Papier, der sich als Tellerwäscher in Paris durchschlägt. Bald, sagt Samba, könne er in der Küche arbeiten. Doch dazu fehlen die Papiere. Unter unglücklichen Umständen landet der Einwanderer in Abschiebehaft. In seiner aussichtlosen Lage verliebt er sich in Alice (Charlotte Gainsbourg), die ehrenamtlich in der Flüchtlingshilfe arbeitet. Alice versucht, die Distanz zu Samba zu wahren, dieser begeht inzwischen einen Fehler und setzt dadurch die eben gewonnene Freundschaft mit Jonas, den er in der Abschiebehaft kennengelernt hat, aufs Spiel. Die Ereignisse überschlagen sich.

 

Zwischen Glanz und Tellerwäsche

Während sich die Reichen und Schönen im Glanz der Verschwendung sonnen, befindet sich eine Küchentür weiter eine komplett andere Welt. Wie ist es, als illegaler Einwanderer auf den Strassen von Paris zu leben? Wie ist es, seinen eigenen Namen vergessen zu haben? Die Antwort darauf liefert Omar Sy als Samba in der bewegenden Filmkomödie des Regie-Duos Éric Toledano und Olivier Nakache. Die beiden überzeugten mit „Intouchables“ (Ziemlich beste Freunde) 2011 ein breites Publikum und holten unter anderem den Golden Globe als „Bester fremdsprachiger Film“. Samba ist ernster und widersprüchlicher. Während sich bei „Intouchables“ ein unpassendes Paar gefunden hat, setzt Samba auf die Unterschiede zwischen den Welten auf unserem Planeten. Die Macher lassen Menschenwelten aufeinander prallen, die sich in der Realität nur scheinbar nie begegnen.

 

Gegensätze in ihrer reinsten Natur

Burnout ist bei den Einwanderern kein Begriff. Ihre Träume sind klar: Eine Aufenthaltsbewilligung, Arbeit. Doch zu den Existenzängsten gesellen sich menschliche Fehltritte. Verrat an Freunden, die Liebe, Reue, Gefühle und Tradition stellen sich ihnen in die Quere. Probleme, die weder vor Armut noch vor Reichtum halt machen, breiten sich über die Geschichte aus. Die Figuren kämpfen für sich, aber auch gegen sich selbst. Dabei bleibt die Erzählung mehrheitlich humorvoll, wenn auch auf tragische, ehrliche Weise. Bürokratie und Verständigungsschwierigkeiten, vor allem aber Gefühle wie Wutausbrüche, sorgen für Lacher in jeder noch so trostlosen Situation. Die Sorgen des Alltags vermischen sich mit den grundsätzlichen Sorgen und als Sambas Unglück nicht grösser werden kann, trifft ihn das eigentliche Pech.

 

Omar Sy und Charlotte Gainsbourg

Omar Sy überzeugt erneut mit grossartiger Schauspielleistung. Samba berührt, ohne zu verstimmen, während Charlotte Gainsbourg gekonnt viele Widersprüche in einer Rolle vereint. Ihre Lust auf Samba stellt sich der durch Tabletten verursachten Leere und Antriebslosigkeit entgegen. Ihre Liebe zueinander bildet den grössten Kontrast des Films.

 

Einzig die, wenn auch wunderbar komponierte -jedoch teilweise unpassende und übertrieben melancholische –  Klaviermusik von Ludovico Einaudi erinnert zu stark an den Publikumserfolg „Ziemlich beste Freunde“. Wo sie die Tragik beim Vorgänger zu unterstreichen wusste, scheinen die Töne in „Samba“ das Drama künstlich herbeiführen zu wollen. Widersprüchliche Klänge – nicht nur zu Beginn des Films – hätten für Authentizität sorgen können.

 

Das Fazit bleibt dennoch durchwegs positiv. „Samba“ ist eine polarisierende Geschichte einander ergänzender Widersprüche. Zwischen Träumen und Hoffnungslosigkeit, Liebe und Verrat, Glück und Pech laufen Tragik und Humor Hand in Hand.

 

 

Salt Cinema auf der Grossen Schanze in Bern


Das Programm finden Sie unter http://www.saltcinema.ch/de/bern/programm.html