Kultur | 06.08.2015

Zürcher Musikerszene mit Flair

Zürich ist eine kulturell lebendige Stadt und sie entwickelt sich jeden Tag weiter. Doch wie sieht es in der Musikszene aus? Drei Bands aus Zürich klären auf und erzählen wer sie sind, wie sie sind und was sie wollen.
The Bullet erzählen auf Züridütsch von ihren Fantasien. (
Bild: zvg, The Bullet) The Pixel sind noch jung, aber nicht zu jung, um sich für das andere Geschlecht zu interessieren. ( zvg, The Pixel) Faber nimmt kein Blatt vor dem Mund, gerne aber eine Zigarette zur Hand. ( zvg, Stefan Tschumi)

Die Zürcher Musikszene ist relativ unbekannt, doch wenn man jemanden von ihnen kennt, dann ist man hip. Oder die Musiker sind es. Irgendwas von beidem auf jeden Fall. Drei Zürcher Bands, die die aktuelle Musikszene in Zürich derzeit relativ gut repräsentieren, sprechen über ihre musikalischen Ziele. Nach ihren Konzerten am Lauter Festival im Stall 6, die die Menge begeisterten – der Sound war der Klebstoff, der das Publikum zusammenhielt – sprach Tink.ch mit den jungen Musikern.

 

Das Treffen mit der ersten der drei interviewten Bands lief folgendermassen ab:

 

The Bullet

Schritte kommen aus der Küche, ein junger Mann, oben ohne, Sandwich in der Rechten, Zigarette in der Linken.

“Ah. Das Interview! Hallo, ich bin der Joschi.” Der erste Eindruck: ein wenig chaotisch, aber sehr sympathisch.

Die vierköpfige Band kommt aus dem Zürcher Seefeld. Sie sind jung und voller Energie. Drei der Jungs wollten eigentlich Fussballprofis werden, haben dann aber irgendwie den Ball verloren. Deshalb blieben sie bei ihrer einzig wahren Liebe: der Musik. Einer ihrer grössten Erfolge war das gewonnene Finale bei “MyCoke” und somit konnten sie die Vorband vom schweizer Sänger Baschi werden.

 

Sie haben bereits eine EP rausgebracht und planen schon das nächste Album. Ihre Texte sind auf Züridütsch und handeln vom Leben junger Männer. “Die Texte haben viel Fantasie und Ironie, denn vieles ist nicht wahr, sondern eher begehrenswert”, so “The Bullet”. Doch genau das macht sie aus. Mit ihrer sympathischen Art und ihrer verrückten Fantasie ziehen sie die Fans mit sich mit.

 

“Die Liveperfomance ist sehr entscheidend, denn die Lieder empfinden wir jedes Mal anders und mit dem Züridütsch können wir unsere Gefühle besser ausdrücken”, so der Leadsänger Joschi. Auch ihr Musikstil entwickelt sich immer wieder neu. Deshalb könnten sie sich auch nicht mit einem bestimmten Genre identifizieren. Momentan seien sie ein Mix zwischen Rock und Techno, so die Band.

Wer einen etwas anderen Musikstil hören will, der aufgrund der Schweizer Mundart unser Heimatgefühl stärken soll, hört am besten “The Bullet”.

 

Faber

Im Restaurant Les Halles in Zürich erläutert Faber die Hintergründe seiner Texte, spricht, wovon er träumt und was er mit tausend Franken anfangen würde.

Als der 22-Jährige noch ein kleiner Junge war, wollte er entweder Feuerwehrmann oder Pirat werden. Doch mit der Zeit änderten sich seine Träume und schon bald bildete sich seine erste Band “Summit”. Heute ist er allein unterwegs und dieser Einzelgänger heisst Faber, der Max Frisch über alles liebt. Daher der Name Faber. Homo war zwar zuerst seine erste Wahl, aber komischerweise kam ganz anderes Publikum als erwartet zu seinen Konzerten und er beschloss daher, sich Faber zu nennen.

 

Faber ist seit Dezember 2013 allein unterwegs und hat schon als Vorband von Sophie Hunger gespielt. “Volles Haus, die Atmosphäre unglaublich”, schwärmt Faber von dem Konzert.

Mittlerweile spielt er in verschiedenen Bars, Hochzeiten und an privaten Anlässen. Deshalb ändere sich sein Publikum gemeinsam mit dem Spielort. Er merke, dass Zürcher einfach arrogant seien und unter sich bleiben wollten, er wolle Anderes, Neues. Deshalb knüpft er momentan Kontakte ausserhalb von Zürich.

 

Die Zürcher Musikszene kritisiert er stark mit der Begründung: “Zürich ist einfach zu klein und zu passiv. Auch die Unterstützung der Stadt ist miserabel.” Es sei schwer, sich durchzuschlagen, wenn man ein junger Musiker ist und noch viele Träume hat. Doch das Aufgeben komme gar nicht in Frage. Seine düsteren, hochdeutschen Texte schreibt er selbst und versetzt fast jeden seiner Zuschauer ins Staunen. Die Botschaft hinter seinen Texten trifft mitten ins Herz und Faber freut sich, wenn er damit provozieren kann. Etwas auszulösen und die Menschen nachdenklich zu stimmen sei sein grösster Wunsch.

 

So wirft auch das Lied “Tausenfrankenlang” viele Fragen auf.

Tink.ch wollte von Faber die Antwort auf seine eigene Frage wissen: Was würde er mit tausend Franken anfangen? “Wenn du einen Stundenlohn von hundert Franken hast und ich gebe dir tausend Franken, dann habe ich dich zehn Stunden lang für mich allein. Oder wie gesagt tausenfrankenlang”, entgegnet Faber und lacht dabei verschmitzt.

Faber spricht offen über die Zürcher Gesellschaft, legt das Unausgesprochene auf den Tisch. Wer sich in ein Meer der Gesellschaftskritik entführen lassen will, für denjenigen oder diejenige ist Faber der Kapitän. Somit ist Faber indirekt doch noch Pirat geworden, wie er es sich damals gewünscht hatte. Ein singender Pirat.

 

The Pixel

Diese Band besteht aus vier Jungs, die noch keine 16 Jahre alt sind. Zürcher Medien haben schon über “The Pixel” berichtet und die jungen Zürcherinnen und Zürcher schwärmen von den Jungs. Mit Tink.ch spricht die Band über die Jagd nach der ersten grossen Liebe.

 

“Arctic Monkeys” ist eine Indie-Rock Band und inspiriert “The Pixel” bei ihrer Musik. Im Herbst 2015 werden sie eine Langstrasse-Tour in Zürich veranstalten, während der sie in etwa sechs verschiedenen Bars Konzerte geben werden. Die EP wird 2016 erscheinen, aber sie verraten nicht viel, es soll ein Riesending werden.

Eines, für das sie jetzt schon mit Unterstützung der Eltern Geld ansparen. Noch könnten sie nicht von der Musik leben, doch sie hoffen, dass sie in 10 Jahren mehr erreicht haben werden, so die Jungs. Sie streben eine Tournee ausserhalb der Schweiz an, am besten durch ganz Europa. Der grösste Traum: Rockstars werden. Das Motto auf dem Weg nach oben: “It’s a long way to the top”, was so viel heisst wie: “Es ist ein langer Weg bis zur Spitze.” Aber sie wollen nicht aufgeben.

 

Doch was beeinflusst die Texte, die sie schreiben? Die Antwort kommt schnell, als ob es ganz klar und selbstverständlich wäre: Mädchen. Ohne Hemmungen, direkt und offen schreiben sie über ihre Wünsche und die Neugierde darauf, wie es ist, abends unterwegs zu sein, den Mädels hinterher zu rennen und alles Andere um sich herum zu vergessen.

 

Zürich sei eine Techno-Stadt und Rock sei kaum zu finden, so die Jungs.

“The Pixel” sind aber jung und rockig, haben ein tolles Musikgefühl, sind frisch und neu – haben das Zeug zu Rockstars. Wer die Schweizer Version von “Arctic Monkeys” hören will, sollte sich im Herbst 2015 an der Langstrasse einfinden und vielleicht werden dieses Mal umgekehrt die Mädchen auf der Jagd nach den zukünftigen Rockstars sein.