Gesellschaft | 21.08.2015

Vorerst letzter Brief aus Deutschland

Mit zwei weinenden Augen lassen wir die Deutschen von der Leine. Nach satten dreiundsechzig Briefen können und wollen die Deutschen nicht mehr. Seit Anbeginn der Kolumne wollten sie die Schweiz beliebter machen. Nun sehen sie ihre Aufgabe als getan.
Der (vorerst) letzte Flug der Taube. (
Bild: Katharina Good)

Liebe Schweizerinnen und Schweizer,

 

Liebe Tink-Redaktion, liebe Kinder,

 

heute ist es Zeit Abschied zu nehmen. Dies wird unser letzter Brief an die Schweiz.

 

Es mag für euch überraschend kommen, aber mit dem ersten Brief damals im März 2014 haben wir bereits den Abschied eingeläutet.

Unsere Mission ist erfüllt. Unsere Aufgabe geschafft. Wir müssen weiterziehen. Andere Länder brauchen jetzt unsere Hilfe. Es gibt noch so viel zu tun.

Aber für die Schweiz haben wir alles getan, was wir tun konnten und wir können behaupten: Wir sind mächtig stolz auf euch!

 

Und auf uns!

 

Ja, denkt doch mal zurück an die Zeit vor unseren wöchentlichen Briefen. Die Schweiz war ein Schandfleck Europas. Sie war hässlich, unfreundlich, humorlos, spießig, unbedeutend und hat gestunken.

 

Doch wir haben es geschafft, aus eurer Nation ein weniger spießiges Land zu machen, das zumindest bei einigen Völkern nun mehr geschätzt wird als je zuvor. Und betrachtet euch doch einmal selbst: Ihr müsst euch nicht länger schämen, Schweizer zu sein, Ihr könnt endlich wieder erhobenen Hauptes durch die Straßen flanieren und einander mit einem freundlichen “Hoi, auch Schweizer?” grüßen.

 

Es hat sich so viel zum positiven entwickelt, dass wir selbst überrascht sind, weil zahlreiche Änderungen von vielen, inklusive uns, im Laufe der vergangenen eineinhalb Jahre gar nicht bemerkt wurden. Doch es sind vor allem die Kleinigkeiten, die den Imagewandel bezeugen.

 

Allein stimmungsmäßig. So verspüren die Autoren dieser Briefe vor dem Verfassen mittlerweile keinen blanken Hass, Aggression, Wut und Ekel mehr, wenn sie nur an die Schweiz denken (wie es zu Beginn der Briefe regelmäßig der Fall war), sondern ein angenehmes Wohlempfinden. Ja, fast so etwas wie…Liebe.

 

Und das war für uns das dringende Signal, un-ver-züg-lich mit den wöchentlichen Kolumnen aufzuhören.

 

Ja, ihr seid geheilt.

 

Gut, das war das. Aber was wird nun aus diesem lukrativen Platz, den Tink diesen Briefen wöchentlich auf ihrer Seite zur Verfügung stellte?

 

Er ist ab kommendem Freitag ja wieder frei. Wir denken an eine wöchentliche Wirtschaftskolumne, wir kennen da einige ganz wunderbare kompetente Menschen, die sicherlich Spaß hätten, ihr Wissen mit euch Schweizern zu teilen. Es würde trocken und humorlos werden. Aber informativ.

 

Oder endlich mal eine Wettervorhersage! Sowas fehlt Tink ja auch noch komplett. Und sowas betrifft ja auch irgendwie jeden.

 

Oder die besten Witze! Wir haben gute Kontakte zur hiesigen Humorszene.

 

Davon wäre sicherlich jemand bereit, euch jeden Freitag einen Witz zu erzählen.

 

Ach, Tink wird schon was einfallen.

 

Bis nächste Wo- halt nein. Macht’s gut!

 

Euer Deutschland