Gesellschaft | 20.08.2015

Kann man den Summer Beach doch mögen?

Text von Anne-Lea Berger | Bilder von Anne-Lea Berger)
Auch diesen Sommer hat der Sandkasten die Grosse Schanze in Beschlag genommen. Unnötig? Für die Tink-Reporterin Anne-Lea Berger war es an der Zeit, dem Sommerstrand mal von innen auf den Sand zu fühlen. Ein Selbstversuch.
Bis 16:00 Uhr war der Sandkasten Sperrgebiet. (
Bild: Anne-Lea Berger)

Alle Jahre im Mai öffnet das Marzili seine Tore, bringen die Beizen ihre Tische nach draussen, stellen die Gelaterias ihre neuen Kreationen für den Sommer vor. Seit ein paar Jahren schon gesellt sich eine neue Attraktion dazu: der eingezäunte Sandkasten auf der Grossen Schanze, der “Summer Beach”.

 

Und immer am Anfang des Sommers nerve ich mich wieder aufs Neue. Pünktlich wenn ich, die Füsse im kühlen Lebensbrunnen (ja, er heisst wirklich so!), die wärmeren Temperaturen nun endlich so richtig geniessen könnte, kommen sie angefahren. Mit ihren Gittern. Dem Quarzsand. Den Rattan Lounches. Den tosenden Generatoren. Vergangenen Samstag nahm die Dauerveranstaltung ein Ende, wurde der öffentliche Platz wieder der Öffentlichkeit übergeben. Bevor sich der Quarzsand verabschiedete, musste ich mich jedoch einem Selbstversuch unterziehen.

 

Erste Runde

Nun gut, der Sandkasten ist da, und ein paar aufgebrachte Bernerinnen und Berner werden dieses Unding nicht vertreiben können. Meine späte Beichte: Vor diesem Selbstversuch war ich noch nie drin. Ich komme mir ein wenig vor wie all die Reitschul-Gegner, die einmal mit dem Zug die Reitschule passieren, die Graffitis sehen und dann zu Hause Erich Hess applaudieren.

 

Deshalb habe ich einen Selbstversuch unternommen, den Summer Beach doch zu mögen. Oder ihn mir wenigstens schön zu trinken. Denn mit den Übeln des Lebens lebt es sich leichter, wenn man sie zumindest akzeptieren kann.

 

Die erste Runde (eher teures) Bier ist bestellt. Die weissen Kunstledermatratzen erinnern mich an etwas zwischen Arztliegen und meiner Vorstellung von Matratzen in einem Stundenhotel. So entscheide ich mich nach einem kurzen Probeliegen doch für den kleinen Liegestuhl.

 

Die Inhaber geben an, mit dem Summer Beach die Grosse Schanze zu beleben. Was wollen sie denn beleben? Bis Ende April war die ganze Schanze belebt, und ab Ende August wird sie es auch wieder sein: Familien am Spielen, Arbeitnehmer am Mittagessen, Punks am Tanzen. Ein strahlendes Kunterbunt aus allen Ecken Berns.

 

Zweite Runde

Warum ich mit dem Summer Beach nicht so wirklich warm werde? Den ganzen Sommer über blockiert er den Platz um den Brunnen, obwohl er dann doch nur ab vier Uhr und nur bei schönem Wetter geöffnet ist. Er verdrängt das strahlende Kunterbunt. Und ausserdem ist er, ganz klar, einfach hässlich, zumindest von aussen gesehen.

 

Herrje, es könnte so schön sein, so gemütlich. Aber nein, jedes Fleckchen der Stadt Bern wird in der Sommerzeit bis zum letzten Millimeter von kommerziellen Veranstaltern genutzt.

 

Nun – mittlerweile nippe ich am zweiten Bier – wechsle ich auf ein “fatboy” Sitzkissen. Dies fühlt sich leider weniger gemütlich an, als es aussieht. Dafür habe ich einen optimalen Ausblick auf den schönen Abendhimmel beim Eindunkeln. Den kann ich allerdings auch sonst wo haben. Überhaupt frage ich mich, warum gerade dieser Platz für den Summer Beach herhalten muss. Einmal drin, hat man sowieso nur noch Aussicht auf die Bastzäune.

 

Dritte Runde

Die ewige Kommerzialisierung macht weder vor der Stadt, noch vor der Grossen Schanze halt. Der Summer Beach ist zwar von innen durchaus gemütlicher, als man von aussen erahnen könnte. Als sommerüberdauernde Attraktion auf einem so prominenten Platz würde ich mir allerdings ein etwas anderes, offeneres, weniger auf Kommerz ausgerichtetes Angebot wünschen.

 

Beim dritten Bier angelangt, werde ich aufgefordert, den Sandkasten wegen aufziehenden Regens zu verlassen. Wirklich traurig bin ich nicht über das frühzeitige Ende meines Selbstversuchs. Auch bei den anderen Besuchern kommt nicht so richtig Stimmung auf. Ich beobachte fünf Leute zusammen auf einem Bett – pardon, Baldachin – alle sind aber nur mit ihren Smartphones beschäftigt. Ob vielleicht die weissen Kunstledermatrazen die Stimmung bremsen?

 

Fazit

Gut finde ich, dass ich mal im Sandkasten drin war. Besser finde ich, dass ich wieder draussen bin. Auf dem Rasen der Grossen Schanze fühle ich mich wesentlich wohler. Doch da selbst dort während einem Monat die Leinwand des Salzkinos dafür sorgt, dass beinahe kein Platz mehr fürs Verweilen auf der grossen Wiese bleibt, wird dieser Genuss auch nur kurz währen. Aber man soll ja sowieso den Moment geniessen. Eben nur nicht dann, wenn einem grosse Veranstalter diesen streitig machen.