Kultur | 18.07.2015

“Wir sind langweilige Menschen”

Text von Sofiya Miroshnyk | Bilder von Ice Graf)
Mit ihrem neuen Album "Wieso immer mir?" ist das Rap-Kollektiv Chlyklass direkt auf Platz eins der Schweizer Hitparade eingestiegen. Greis verrät im Interview mit Tink.ch sein Fitnessgeheimnis und Diens spricht über das Erwachsenwerden.
Diens (ehemals Wurzel 5), Greis und Krust (PVP) (von links) im VIP-Bereich am 32.Gurtenfestival in Bern. (
Bild: Ice Graf)

Wie ist es für euch, wieder zu Hause auf dem Berner Hausberg zu sein?

Krust: Es macht Freude, aber wir sind eigentlich immer hier oben – egal ob jemand spielt oder nicht – wir sind zusammen hier oben. Der Unterschied ist, ob wir arbeiten, oder einfach frei haben.

Greis: Wir sind teilweise unabhängig voneinander immer wieder hier oben. Es ist schön, es ist der Hausberg. Und als Berner komme ich immer wieder gerne in diese Arena und gebe neunzig Minuten lang Vollgas. Dafür haben wir lange trainiert.

 

Apropos trainieren: Was macht ihr, um mit dem jungen Publikum mitzuhalten?

Greis: Power Plate, ganz klar. Auf die höchste Stufe stellen, sodass die Oberlippe zittert. Und Ringen.

 

Gegeneinander?

Krust: Nein, ich mein die Übungen an den Ringen und am Reck. Wir sind gut am Reck.

 

Gut zu wissen. Soviel zum Sport. Ihr habt vor einigen Monaten nach acht Jahren wieder gemeinsam ein Album rausgebracht. Warum hat es so lange gedauert, bis wieder was von euch kam?

Diens: Wir alle waren in der Zwischenzeit mit unseren eigenen Projekten beschäftigt. Es ist nicht so, als wären wir in dieser Zeit auf der faulen Haut gesessen. Hinzu kommt, dass es relativ aufwändig ist ein Projekt mir der ganzen “Chlyklass” auf die Beine zu stellen. Das war wohl auch der Hauptgrund dafür, dass es so lange gedauert hat.

 

Das Projekt hat sich aber ausgezahlt: Ihr seid mit dem Album direkt auf Platz eins der Schweizer Hitparade gelandet. Was bedeutet das für euch?

Greis: Sicher erstmal ein grosses Jubeln.

Diens: Wir haben es nun als ganze Truppe geschafft. Vorher hat es kein einzelner Exponent bis ganz nach vorne geschafft, und dass wir nun alle davon zerren können, ist cool.

Krust: Es ist sicherlich auch so, dass die Tatsache, dass wir auf Platz eins gelandet sind, ein Beleg dafür ist, dass der CD-Markt völlig eingebrochen ist. (lacht)

 

Wie hat sich denn die Fangemeinde in all den Jahren verändert?

Krust: Ach, die haben nun mehr Geld, haben Lohn und kaufen das Zeug.

 

Seid ihr denn auch erwachsen geworden?

Diens: Ja, sicherlich ein wenig.

 

Und wie äussert sich das Erwachsenwerden?

Diens: Wir haben nun mehr Verantwortung.

Greis: (spricht dazwischen): Wir sagen nun “erwachse” statt “erwachsnig” (lacht)

Diens: Bei diversen Crewmitgliedern sind Jobs und Kinder da, die grössere Verantwortungen mit sich ziehen. Das heisst, man geht nicht mehr nur noch temporär in einer Bar oder auf dem Bau arbeiten. Jeder hat nun sein Einfamilienhaus mit Garten und so weiter. Nein…(meint, was er vorhin gesagt hat wohl halb so ernst)

 

So langweilig?

Diens: Ja “huere”, wir sind eigentlich langweilige Menschen. Wir sind erst in der Konstellation aus uns heraus gekommen.

Greis: Wir haben auf dem Bau eine Bar aufgebaut – temporär. Das ist ein Projekt, welches neben der Musik läuft.

 

Wie und warum ist das Album entstanden? (Sobald es um die Musik geht, werden die Jungs schnell wieder ernst und reissen keine Witze mehr)

Diens: Ich würde jetzt nicht sagen, dass das ein Konzeptalbum ist. Es ist sehr locker entstanden. Wenn einer eine Idee hatte, hat er zu einem Beat, der ihm grad passte, was geschrieben. Wer Bock darauf hatte, auf den Beat und das Thema einzusteigen, hat das getan. Es gab nur wenige Songs, bei denen wir strukturiert vorgegangen sind.

Greis: Es ist wie ein Klassenprojekt, weisst du. Der Poul Prügu und der Baldy sind die Lehrer gewesen und sagten: «So, jetzt macht ihr ein Album.« Dann haben wir uns in Gruppen aufgeteilt und sind zusammengesessen. Und jede Gruppe hat ein paar Lieder erarbeitet. Danach haben sie uns dazu geprügelt, dass wir die Projekte auch wirklich beenden.

 

Wie habt ihr in den Gruppen oder als Gesamtcrew zusammengearbeitet?

Greis: Überall gibt’s Beef, nur noch Beef.

Krust: Bei uns ist es aber sanfte Gewalt. Intrigen und beleidigte Member. Wir haben uns nie geprügelt, das wäre wohl aber die bessere Variante gewesen.

 

Die Hip-Hop Szene scheint ja weltweit etwas einzugehen, zumindest meinen das viele Menschen. Wie empfindet ihr das?

Greis: Im Gegenteil.

Krust: Wir teilen diese Prämisse gar nicht.

Greis Wir haben das Gefühl, dass die Aussage von wegen Hip-Hop sei tot, die irgendwann mal vor ein paar Jahren aufkam, nur ein Spruch war. So wie heute das YOLO – auch das geht vorbei.

 

Welchen Hip-Hop hört ihr denn?

Diens: Da ist wohl Greis der Richtige, um zu antworten, denn ich höre überhaupt keinen Hip-Hop.

Greis: Das neue «ASAP Rocky» Album, «At. Long. Last. ASAP», ist zu empfehlen. Habt ihr noch Casper oder Kendrick Lamar gesehen am Frauenfeld?

Diens:  Nein, da war ich schon am Schlafen – ich bin erwachsener geworden.