Kultur | 18.07.2015

Thuner auf dem Gurten

Text von Sofiya Miroshnyk | Bilder von Ice Graf)
Nach fünf Jahren spielte die Thuner Band "Undiscovered Soul" wieder auf dem Gurten. Tink.ch traf den Gitarristen Michael Finger vor ihrem Konzert am 32. Gurtenfestival und sprach mit ihm über Lenny Kravitz, die Ukraine und Hoffnung.
Das Haar ist lang, die Stimmen sind klar und kräftig, die Bühnenpräsenz ist unschlagbar ansteckend. Undiscovered Soul am 32. Gurtenfestival auf der Waldbühne. (
Bild: Ice Graf)

Ihr spielt in zwei Stunden nach genau fünf Jahren wieder auf dem Gurtenfestival. Was hat sich in dieser Zeit verändert?

Ganz viel. Wir sind fünf Jahre älter geworden, fünf Jahre weiser, fünf Jahre längere Haare – nein, die haben wir natürlich zwischendurch auch geschnitten. Unsere Musik hat sich auch verändert. Wir fahren mit dem weiter, was wir gut können. Zusammen singen, Freude an der Musik haben und durch Dick und Dünn gehen. Wir sind näher zusammengewachsen. Wir sind nun eine Familie.

 

Vor einem Monat habt ihr in Hamburg als Support-Act von Lenny Kravitz gespielt. Wie war das für euch?

Das war riesig. Er ist von dem Konzert zu uns gekommen, hat uns die Hand geschüttelt und gesagt, es sei schön, dass wir da seien. Dass er dabei sogar die Brille abgezogen hat, fand ich ganz besonders toll.

 

Merkst du einen Unterschied zwischen internationalem und deutschsprachigem oder dem Schweizer Publikum?

Nein, grundsätzlich kann ich nicht behaupten, dass in Deutschland oder England das Publikum mehr abgeht. Es kommt auf die Zuhörer und Zuhörerinnen an. Es ist überall ähnlich, aber überall anders.

Apropos «ferne Länder«: ihr spielt nächstens in der Ukraine.

Wouhu! (jubelt)

 

Was weisst du über das Land?

Ich weiss, dass es derzeit in Teilen der Ukraine nicht besonders freudig ist. Ich glaube, dass die Menschen sehr cool sind und gerne ab und an mal einen trinken. Und ich werde noch etwas Russisch und Ukrainisch lernen, denn ich finde es super, wenn man etwas in der Landessprache des Publikums sagen kann – auch wenn es nur «Hallo« oder «schön« ist.

 

Wie ist es überhaupt dazu gekommen, dass es euch dorthin verschlägt?

Unser Manager war vor ein paar Wochen dort an einem Meeting von Festivalmenschen. Er hat das für uns dort eingefädelt.

 

Das letzte Mal, dass ich euch gehört und gesehen habe, ist schon über acht Jahre her. Das war im Selvegärtli in Thun. In acht Jahren ist viel passiert, ihr seid rumgekommen, habt auf hunderten von Bühnen gespielt und dabei bestimmt einiges erlebt. Was ist dein persönliches Highlight aus diesen acht Jahren?

Im Hallenstadion zu spielen, im Ausland zu spielen, irgendwo zu einer Sekte nach Italien fahren – das sind alles Highlights.

 

Das mit der Sekte musst du erklären.

Woodstock in Italien. Zuerst hiess es, dass wir mit zehntausend Menschen rechnen können, dann waren es aber doch 20. Alle zusammen irgendwie komisch drauf und ungeheuer und so. Aber auch das ist ein Highlight aus den letzten Jahren. All die Trips, die wir gemacht haben und alles was wir zusammen erlebt haben ist bereichernd.

 

Undiscovered Soul haben auch in Los Angeles ein Album aufgezeichnet. Inwiefern unterscheidet sich dies von dem, was ihr bisher gemacht habt?

Bisher haben wir EP`s mit jeweils vier Songs aufgezeichnet. Das war unsere Experimentierphase. Im Album aber fassen wir die letzten fünf Jahre zusammen und packen diese Jahre auf zwölf Songs. Manche davon sind fünf Jahre alt, andere ganz neu. Mit dem Album sagen wir: «Das sind wir, das ist das Beste von uns.« Nächsten März kommt es raus.

 

Ihr seid alles andere als Kommerz. Wie habt ihr es trotzdem geschafft euch einen Namen zu machen?

Ich würde sagen, wir sind weder alles andere als Kommerz, noch sind wir so berühmt, wie wir es gerne wären. Wir sind noch nicht da, wo wir hin wollen.

 

Wie berühmt wollt ihr denn werden?

Extrem berühmt (lacht).

 

 

So, dass euch Mädels auf der Strasse anspringen und Unterwäsche nach euch werfen?

Das ist nicht das Ziel. Das Ziel ist, dass sich unsere Musik und deren Botschaft soweit verbreiten, dass die Menschen denken: „I´ve been there, ich kenne diese Situation und ich hatte auch schon Liebeskummer“ – dies ist nämlich auch das was uns berührt.

 

Ist das denn auch die Hauptbotschaft in euren Texten?

Liebeskummer? (lacht) Nein, das soll nicht die Hauptbotschaft sein. Es geht in unseren Texten zwar fast immer um Liebe in irgendeiner Form, aber schlussendlich ist «das« Ding an unseren Songs, dass sie alle irgendwo noch ein bisschen Hoffnung enthalten. Es ist immer und überall auch ein Hoffnungsschimmer vorhanden. Die Songs sollen nicht runterziehen oder depressiv stimmen, sondern zeigen, dass es immer weiter geht und alles gut kommt – dies ist irgendwo durch auch unsere eigene Lebenseinstellung.