Kultur | 27.07.2015

The Show must go on – again

Mit alt bekannten Gesichtern und wenigen Neuzugängen flimmert der zweite Teil von Pitch Perfect über die Leinwände. Auch dieses Mal geht es darum, die eigenen Ängste und Probleme zu überwinden und eine Meisterschaft zu gewinnen. Doch die Konkurrenz aus Deutschland darf man nicht unterschätzen.
Barden Bellas Performance. (
Bild: TMDb.pro, zvg Universal)

Ging es im ersten Teil von Pitch Perfect  noch darum, die A-capella-Meisterschaft in Amerika zu gewinnen, was der Gruppe Barden Bellas schlussendlich auch gelang, streben die Stimmakrobaten in der Fortsetzung höhere Ziele an.

 

Mehrmals hat die Gruppe rund um die Collegestudentinnen Fat Amy (Rebel Wilson), Becca (Anna Kendrick) und Chloe (Brittany Snow) bereits die Meisterschaften in Amerika gewonnen. Sie scheint offenbar eine nie enden wollende Glückssträhne zu haben.

 

Jetzt soll es die Weltmeisterschaft sein. Aber durch einen Patzer bei der Geburtstagsfeier von Präsident Barack Obama verlässt das Glück die Gruppe. Fat Amy baumelt von der Decke und singt Wrecking Ball, dann passiert es, ihr reisst die Hose. Zu allem Unheil trägt sie keine Unterwäsche und ist dadurch plötzlich nackt vor Obama und seiner Geburtstagsgesellschaft.

 

Die Gruppe wird kurzerhand bestraft. Sie darf nicht mehr an den Meisterschaften in Amerika teilnehmen und keine neuen Mitglieder aufnehmen, ausser sie gewinnen die Weltmeisterschaft in Kopenhagen. Einziges Problem dabei: Noch nie zuvor hat eine amerikanische Gruppe diese gewonnen, weil angeblich die ganze Welt eine Antipathie gegenüber Amerika habe.

 

Die internationale Konkurrenz an der Weltmeisterschaft ruht nicht, gegen die deutsche Gruppe „Das Sound Machine“ anzukommen, scheint unmöglich. Als wäre das nicht schon Problem genug, scheint auch die Gruppe auseinanderzubrechen. Jedes Mitglied der Barden Bellas hat mit seinen eigenen Problemen zu kämpfen. Der gemeinsame Sound scheint verloren zu sein.

 

Nichts Neues

Der zweite Teil von Pitch Perfect bringt nicht wirklich viel Neues. Wieder geht es darum, eine Meisterschaft zu gewinnen, zudem um persönliche Probleme in der Liebe und im Job sowie Zukunftsängste, aber auch um eine A-capella Gruppe, die Mühe hat, ihren eigenen Sound zu finden. Doch was ist überhaupt neu? Abgesehen davon, dass jetzt alles eine Dimension grösser ist als im ersten Teil – die regionalen und nationalen amerikanischen Meisterschaften weichen der Weltmeisterschaft – hat sich nichts verändert.

 

Auch die Probleme blieben die altbekannten: Becca hat den Karrieresprung noch immer nicht geschafft und arbeitet jetzt als Praktikantin in einem Tonstudio. Mit Streit kann sie wie im ersten Teil nichts anfangen und läuft vor Auseinandersetzungen lieber einfach davon.

 

Chloe (Brittany Snow) hat ihre Angst vor einer ungewissen Zukunft nicht überwunden. Schon dreimal ist sie durch die Abschlussprüfungen gefallen, damit sie sich nicht um eine Arbeitsstelle für die Zeit nach dem College kümmern muss.

 

Immer wieder bringt Fat Amy das Publikum zum Lachen, sei es durch ihre Dialoge oder ihre Geständnisse persönlicher Geheimnisse. Doch auch hier unterscheidet sich der Charakter nicht wesentlich vom ersten Teil. Wer die komische Art von Rebel Wilsons Rolle mag, dem ist auch schon mit dem ersten Teil gedient.

 

Am Ende überwiegt die Langeweile, da ausser neuer Konkurrenz und einem neuen Wettbewerb nichts Neues vorkommt. Für Leute, die Komödien mögen und den ersten Teil noch nicht kennen, ist Pitch Perfect 2 zu empfehlen. Wem die Handlung des ersten Teils jedoch bekannt ist, der könnte von der ähnlich gestrickten Story enttäuscht werden.

 

Während viele altbekannte Gesichter wieder mit von der Partie sind, bekommt man die neuen Figuren, wie etwa die Deutschen von „Das Sound Machine“, nur wenig zu Gesicht. Dafür flimmern in kurzen Szenen auch mal prominente Gesichter über die Leinwand. Zum Beispiel Snoop Dogg, der im Tonstudio seines Neffen Weihnachtslieder aufnehmen will, oder Barack Obama mit seiner Frau Michelle bei seiner Geburtstagsfeier. Dem Auftritt von Snoop Dogg fehlt jedoch die Spannung. Selbst sein lustiger Einfall, beim Lied Jingle Bells neben seiner Stimme noch Hunde bellen zu lassen, vermag daran nichts zu ändern.

 

Will überhaupt jemand noch A-capella hören?

Hat A-capella in der richtigen Welt überhaupt eine Chance? Wie es scheint schon. Denn Pitch Perfect ist ein erfolgreicher Kinohit: Während der erste Teil weltweit insgesamt 112 Millionen Dollar einspielte, sind bei dessen Fortsetzung bis dato bereits mehr als das Doppelte an Geldern (239 Millionen Dollar) zusammengekommen.

 

Das Lied „Cups“, welches Anna Kendrick im ersten Teil von Pitch Perfect coverte, war so erfolgreich, dass es in den in den Billboard Charts unter den Top 100 landete. Zudem war der Soundtrack des ersten Teils der meistverkaufte des Jahres 2013 und wurde in den USA im April 2014 anschliessend zum meistverkauften digitalen Soundtrack aller Zeiten gekürt.

 

Aber nicht nur der Film scheint den Geschmack des Publikums zu treffen. Die A-capella-Gruppe Pentatonix, die einen kurzen Gastauftritt im Film hat, feiert auch im echten Leben Erfolge. Im Moment tourt sie durch die ganze Welt und war am 15. April für ein Konzert im Zürcher Club X-Tra zu besuch. Auch im Internet sind sie erfolgreich: Auf Youtube folgen ihnen über 8 Millionnen Menschen. A-capella ist längst keine Nische mehr, sondern ein sehr populäres Genre. Fazit: Ja, die Leute wollen noch A-capella hören!