Gesellschaft | 03.07.2015

Siebenundfünfzigster Brief aus Deutschland

Wer hätte gedacht, dass die Zeit so schnell vergeht? Die uncoolen Deutschen Kollegen von Eine Zeitung haben uns den tausendsten, jawohl, tausendsten Brief geschrieben.
Die Brieftaube muss alle paar Jahre ausgewechselt werden, aber sagt das bloss nicht euren Kindern! (
Bild: Katharina Good)

Guten Tag, liebe Schweiz!

 

Wir möchten gerne unsere Bedeutung etwas größer machen, als sie tatsächlich ist. Und um mächtig Eindruck zu schinden, kommt heute der – man lese und staune – tausendste Brief an die Schweiz!

 

Natürlich wissen wir alle, dass dies erst die Nummer 22 oder so ist. Aber das wissen ja all die ****** nicht, die heute zum ersten Mal hier reinschauen. Und die denken jetzt, ziemlich genau in diesem Wortlaut:

 

“Mannometer, schon 1000 (!!!!) Briefe haben die Deutschen uns geschickt! Das muss ja eine starke Kolumne sein, wenn die sich so lange schon hält! Tausend Briefe! Und wöchentlich erscheint der, das macht ja ungefähr, äh, Moment, 52 Wochen hat das Jahr im Durchschnitt, dann sind das so etwa – also, ganz grob: 20 Jahre. Seit 20 Jahren erscheint dieser meinungsbildende Brief schon, und ich Idiot sehe den heute zum ersten Mal?! Ja, bin ich denn bescheuert? Ich sollte von nun an jede Woche gespannt auf den neuen Brief warten, voller Vorfreude darauf, was die Deutschen mir zu sagen haben! Und vielleicht sollte ich auch die vorherigen 999 Briefe lesen!”

 

Nein, natürlich wird der Neuleser oder die Neuleserin nicht die vorherigen 999 Briefe lesen, und weil wir uns darauf verlassen können, wird diese kleine Hochstapelei nicht auffliegen. Und Ihr, die Ihr schon seit den ersten Briefen dabei seid, könnt behaupten, Ihr kennt uns schon, bevor wir uncool wurden.

 

Okay, aber zum Thema: Mensch Leute, Ihr lest nun den tausendsten Brief unserer wöchentlichen Kolumne auf Tink.ch! Wenn das mal nicht ein Grund zum Feiern ist! Und wir sind immer noch so frisch und lässig wie am allerersten Tag. Aber wir wollen nicht zu viel Zeit mit Anstoßen und Besaufen verbringen; wir haben ja einen Auftrag: die Schweiz zu einem besseren Ort zu machen und die Schweizer zu besseren Menschen. Vielleicht ist aber dieser Brief Nummer 1000 – eine beeindruckende Zahl, nicht wahr? – Anlass, ein wenig zurück zu schauen, was wir schon alles für Euch geleistet haben.

 

Als da wären: Dank unserer Hilfe wurde endlich das Frauenwahlrecht abgeschafft, dutzende hässliche Städte – darunter auch namhafte – wurden verkauft, ein Berg wurde komplett abgetragen, nachdem wir Euch darauf hingewiesen haben, dass er scheiße aussieht und sein Schatten Tina Turners Garten verdunkelt, und und und etc. usw. (Wir werden die Liste später, wenn uns etwas eingefallen ist, handschriftlich fortführen. Dafür diese Striche:

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Wir hätten selber nie gedacht, dass wir dieses ehrwürdige Jubiläum schaffen würden. Seinerzeit, als wir mit diesen Briefen anfingen, haben wir allerhöchstens mit etwa 60 Ausgaben gerechnet und dann schmeißt uns die Redaktion hochkant raus, so, wie uns vorher die NZZ gefeuert hat und danach SRF Drei (damals hieß der noch anders). Deshalb müssen wir uns gebührend bei allen bei Tink bedanken, die das hier überhaupt erst möglich gemacht haben. Ganz besonders bei den mittlerweile, keine Ahnung, vier oder sechs Chefredakteuren, die wir erleben durften. Und natürlich: bei Euch, lieben Lesern. Danke und Merci.

 

Auf die nächsten tausend,

 

Euer Deutschland