Gesellschaft | 13.07.2015

“Das Ausmass hat uns erstaunt.”

Text von Michael Scheurer | Bilder von tagesanzeiger.ch
Trächtige Kühe landen des Öfteren auf der Schlachtbank. Peter Schneider ist Mitglied der Geschäftsleitung von Proviande und spricht im Interview über die Problematik und mögliche Lösungen.
Peter Schneider ist Mitglied der Geschäftsleitung von Proviande, der Branchenorganisation der Fleischwirtschaft.
Bild: tagesanzeiger.ch

Michael Scheurer: Seit wann weiss man bei Proviande, dass trächtige Kühe geschlachtet werden?

Peter Schneider: Seit letztem Herbst, nachdem die Ergebnisse der BLV-Umfrage veröffentlicht worden waren.

In der Branche heisst es aber, man wisse seit vielen Jahren Bescheid.

Dass hin und wieder eine trächtige Kuh geschlachtet wurde, war bekannt. Das Ausmass hat uns aber erstaunt.

Könnte ein staatliches Verbot dem Problem Einhalt gebieten?

Es braucht keine neuen Gesetze. Die Landwirte bringen ihre trächtigen Kühe nicht aus Freude zum Metzger. Es handelt sich meistens um einen Notfall, oder die Bauern waren in Unkenntnis. In erster Linie braucht es daher eine Sensibilisierung für das Thema.

Also bleibt alles beim Alten?

Nein. Aber es braucht nicht noch mehr staatliche Regulierungen. Es geht um ethisch-moralische Verpflichtungen. Ob ein Gesetz mehr Wirkung zeigen würde, ist fraglich.

Was also wird Proviande gegen die Schlachtung von trächtigen Kühen konkret unternehmen?

In erster Linie möchten wir für die öffentlichen Märkte eine Lösung erarbeiten. Wir denken etwa an eine Selbstdeklaration, welche jeder Produzent und jeder Händler vor dem Verkauf der Tiere unterschreiben muss. Das ist in einigen Kantonen bereits Praxis.

Das nützt aber nichts, wenn der Landwirt über die Trächtigkeit seiner Kuh nicht Bescheid weiss.

Das kann man nie zu hundert Prozent verhindern. Ein gutes Herdenmanagement der Produzenten und zusätzliche Untersuchungen können jedoch mithelfen, die Situation zu verbessern.

Die Nachfrage nach Schweizer Fleisch ist hoch, die Preise gut. Verleitet das manche Viehhändler oder Bauern dazu, wissentlich trächtige Tiere in den Schlachthof zu führen?

Es spielt vielleicht die Angst vor einbrechenden Preisen eine Rolle, was derzeit aber unbegründet ist. Möglicherweise bei Hochleistungsrindern, die nicht die gewünschte Leistung erbringen. Grundsätzlich aber glaube ich das nicht.

Dieser Beitrag ist zuerst auf tagesanzeiger.ch erschienen.