Hat es sich bald ausgemodelt?

Dieses Jahr ging GNTM schon in die 10. Runde. Jeden Donnerstagabend um 20.15 Uhr schalteten meine Freundinnen und ich den Fernseher an und verfolgten halb ernst, halb ironisch das Geschehen, das sich immer weniger um das Modeln selbst zu drehen scheint. Es ist eine Unterhaltungsshow, die uns mitzieht. Warum genau, wissen wir eigentlich selbst nicht.

 

Altbekannte Diskussionen

Zum Auftakt der Sendungen häufen sich in den Medien die Berichte über die falschen Schönheitsideale, die durch die Sendung vermittelt werden und den schlechten Einfluss auf die jungen Mädchen, die sich die Kandidatinnen zum Vorbild machen. Mir wird jedes Jahr bewusster, wie erschreckend viel die Kandidatinnen auf sich nehmen, um eine Chance im Model-Business zu bekommen. Vorbei die Zeit, in der Heidi K. nur sagte: “Ich habe leider kein Foto für dich”, ihr Jury-Kollege aber eines hinter seinem Rücken versteckte (wobei auch dies bei den Kandidatinnen schon enormen Stress hervorrufen dürfte).

 

Die Produzenten von GNTM wollen mehr als nur eine Castingshow sein. Sie wollen die Zuschauer unterhalten und an sich binden. Das zu schaffen wird immer schwerer, denn das Medium Fernsehen hat durch das Internet grosse Konkurrenz bekommen, zusätzlich gibt es inzwischen sehr viele Castingshows. Deshalb muss etwas Neues geboten werden. Das Modeln rückt hierbei in den Hintergrund. Wichtiger scheint zu sein, welches der Mädchen schon Beziehungen hatte oder welch schlimme Erfahrungen die Kandidatin in ihrer Kindheit machen musste.

 

Das 16- jährige Mädchen, das sich noch nicht schminkt, sich noch nicht allzu sehr für Jungs interessiert und eher zurückhaltend wirkt, hat in dieser Show nichts zu suchen. Hier werden laut Jury reife, offene, extrovertierte, grosse und schöne Mädchen gesucht, die genau wissen müssen, was sie wollen und wie sie sich zu verhalten haben. Gute Englischkenntnisse sind natürlich Pflicht und Heimweh gehört sich nicht. Man muss schliesslich professionell sein!

 

Privatsphäre ist ein Fremdwort

Zudem scheint es keine Privatsphäre mehr zu geben, keine Tabus und keine Schamgrenzen. Gleichzeitig gehen die Ideen aus. Jedes Jahr sind die gleichen Charaktere vertreten, wie beispielsweise die Schüchterne, die Zicke und die Ehrgeizige. Und jede wird irgendwann mit jeder anderen Teilnehmerin einen kleinen oder großen Streit haben.

 

 

Deshalb frage ich mich wieder: Was zieht die Zuschauerinnen und Kandidatinnen so magisch an? Es ist offensichtlich, welchen Psychospielchen die Kandidatinnen ausgesetzt sind und wie unnatürlich dünn die meisten sind. Vor allem sind sie aber viel zu jung und so könnte der Eindruck entstehen, dass sie von den Produzenten ausgenutzt werden.

 

Meiner Meinung nach wird durch die privaten Geschichten der Kandidatinnen und durch Skandale alles dafür getan, Zuschauer an sich zu binden, und das scheint zu funktionieren. Sicherlich kann alles, was GNTM ausstrahlt, hinterfragt werden: Ist diese Szene gestellt oder echt? Funktionieren die Dialoge nach einem Drehbuch? Was wissen die Kandidatinnen schon vor Drehbeginn? Was steht im Vertrag?

Auch die Jury ist kaum noch ernst zu nehmen. Denn neben Heidi und einem halb professionellen Fotografen, Designer oder Modelcoach, wird die dritte Person immer durch eine Witzfigur verkörpert. Sei es Bruce Darnell oder Jorge Gonzáles.

 

Der Erfolg spricht für sich

Aber was zugegeben werden muss: Alle Kandidatinnen, die mindestens unter die Top10 kamen, haben erfolgreich in ihrer Branche weitergearbeitet. Sei es klassisch als Model, oder aber als Moderatorin oder in anderen Medien- und Modeberufen. Was von “Deutschland sucht den Superstar” beispielsweise nicht behauptet werden kann.

Und deshalb werden wohl weiterhin viele Mädchen, deren Traum es ist, Model zu werden, GNTM als Sprungbrett nutzen. Dafür nehmen sie so einiges in Kauf – und das alle Jahre wieder.

“Niveauunterschied war sichtbar”

Vor 16’079 Zuschauern startete für YB die Europacup-Kampagne. Gegner in der 3. Qualifikationsrunde der Champions League ist die AS Monaco. Der neureiche Verein, gespickt mit Topspielern, stand letzte Saison im Viertelfinale der Königsklasse und ging als klarer Favorit in die Partie gegen YB.

Keine Chancen im ersten Durchgang

Die erste Halbzeit brachte keine nennenswerte Aktion mit sich. Die beiden Abwehrketten standen hinten sicher und die Offensivspieler beider Mannschaften kreierten zu wenig gefährliche Spielsituationen. So sind zwei Versuche von YB-Neuzuzug Sulejmani die einzigen Aktionen mit Gefahrenpotenzial im Ansatz.

Zwei neue Mannschaften in zweiter Halbzeit

Die zweite Halbzeit startete mit einem Paukenschlag. Nach einem Befreiungsschlag von Vilotic kam Kubo zum Abschluss. Sein Schuss in der 51. Minute traf allerdings nur den Pfosten. Plötzlich waren alle wieder wach. Nun powerten die Berner und zeigten ein starkes Spiel.

Kurz nach der Pause starteten die Young Boys ihre YB-Viertelstunde, doch am Abschluss fehlte es zuhauf: Bei den Schüssen von Hoarau und Kubo war reichlich Pech dabei. Hoarau köpfte einen Ball aus fünf Metern neben das Tor und Kubo sah seinen Schuss von Kurzawa auf der Linie geklärt.

Der monegassische Aussenverteidiger traf nur zwei Minuten später in der 64. Minute per Volley herrlich ins kurze Eck, nachdem er sträflich alleine gelassen wurde. Eine unverdiente, wenngleich auch unglaublich effiziente Führung. Acht Minuten später war es dann Carrillo, der nur kurze Zeit nach seiner Einwechslung einen Moutinho-Freistoss ins Tor köpfte.

YB gibt sich kämpferisch

Durch einen Gegenangriff gelang den Hauptstädtern zwar der Anschlusstreffer von Nuzzolo in der 74. Minute, aber nur eine Minute später baut Pasalic die Führung der Monegassen zum Endergebnis von 3-1 nochmals aus.

Scott Sutter brachte es nach dem Spiel auf den Punkt: “Wir spielten ein sehr starkes Spiel, doch es war ein Spiel, in dem der Ball einfach nicht rein wollte.” Auf das Rückspiel bezogen meinte der YB-Verteidiger: “Wir müssen noch einmal so spielen und die Tore machen, ganz durch sind sie noch nicht.”

Raphael Nuzzolo, einziger YB-Torschütze, sagte: “Wenige Chancen, drei Tore. Man sah einfach den Niveauunterschied:”

The Show must go on – again

Ging es im ersten Teil von Pitch Perfect  noch darum, die A-capella-Meisterschaft in Amerika zu gewinnen, was der Gruppe Barden Bellas schlussendlich auch gelang, streben die Stimmakrobaten in der Fortsetzung höhere Ziele an.

 

Mehrmals hat die Gruppe rund um die Collegestudentinnen Fat Amy (Rebel Wilson), Becca (Anna Kendrick) und Chloe (Brittany Snow) bereits die Meisterschaften in Amerika gewonnen. Sie scheint offenbar eine nie enden wollende Glückssträhne zu haben.

 

Jetzt soll es die Weltmeisterschaft sein. Aber durch einen Patzer bei der Geburtstagsfeier von Präsident Barack Obama verlässt das Glück die Gruppe. Fat Amy baumelt von der Decke und singt Wrecking Ball, dann passiert es, ihr reisst die Hose. Zu allem Unheil trägt sie keine Unterwäsche und ist dadurch plötzlich nackt vor Obama und seiner Geburtstagsgesellschaft.

 

Die Gruppe wird kurzerhand bestraft. Sie darf nicht mehr an den Meisterschaften in Amerika teilnehmen und keine neuen Mitglieder aufnehmen, ausser sie gewinnen die Weltmeisterschaft in Kopenhagen. Einziges Problem dabei: Noch nie zuvor hat eine amerikanische Gruppe diese gewonnen, weil angeblich die ganze Welt eine Antipathie gegenüber Amerika habe.

 

Die internationale Konkurrenz an der Weltmeisterschaft ruht nicht, gegen die deutsche Gruppe “Das Sound Machine” anzukommen, scheint unmöglich. Als wäre das nicht schon Problem genug, scheint auch die Gruppe auseinanderzubrechen. Jedes Mitglied der Barden Bellas hat mit seinen eigenen Problemen zu kämpfen. Der gemeinsame Sound scheint verloren zu sein.

 

Nichts Neues

Der zweite Teil von Pitch Perfect bringt nicht wirklich viel Neues. Wieder geht es darum, eine Meisterschaft zu gewinnen, zudem um persönliche Probleme in der Liebe und im Job sowie Zukunftsängste, aber auch um eine A-capella Gruppe, die Mühe hat, ihren eigenen Sound zu finden. Doch was ist überhaupt neu? Abgesehen davon, dass jetzt alles eine Dimension grösser ist als im ersten Teil – die regionalen und nationalen amerikanischen Meisterschaften weichen der Weltmeisterschaft – hat sich nichts verändert.

 

Auch die Probleme blieben die altbekannten: Becca hat den Karrieresprung noch immer nicht geschafft und arbeitet jetzt als Praktikantin in einem Tonstudio. Mit Streit kann sie wie im ersten Teil nichts anfangen und läuft vor Auseinandersetzungen lieber einfach davon.

 

Chloe (Brittany Snow) hat ihre Angst vor einer ungewissen Zukunft nicht überwunden. Schon dreimal ist sie durch die Abschlussprüfungen gefallen, damit sie sich nicht um eine Arbeitsstelle für die Zeit nach dem College kümmern muss.

 

Immer wieder bringt Fat Amy das Publikum zum Lachen, sei es durch ihre Dialoge oder ihre Geständnisse persönlicher Geheimnisse. Doch auch hier unterscheidet sich der Charakter nicht wesentlich vom ersten Teil. Wer die komische Art von Rebel Wilsons Rolle mag, dem ist auch schon mit dem ersten Teil gedient.

 

Am Ende überwiegt die Langeweile, da ausser neuer Konkurrenz und einem neuen Wettbewerb nichts Neues vorkommt. Für Leute, die Komödien mögen und den ersten Teil noch nicht kennen, ist Pitch Perfect 2 zu empfehlen. Wem die Handlung des ersten Teils jedoch bekannt ist, der könnte von der ähnlich gestrickten Story enttäuscht werden.

 

Während viele altbekannte Gesichter wieder mit von der Partie sind, bekommt man die neuen Figuren, wie etwa die Deutschen von “Das Sound Machine”, nur wenig zu Gesicht. Dafür flimmern in kurzen Szenen auch mal prominente Gesichter über die Leinwand. Zum Beispiel Snoop Dogg, der im Tonstudio seines Neffen Weihnachtslieder aufnehmen will, oder Barack Obama mit seiner Frau Michelle bei seiner Geburtstagsfeier. Dem Auftritt von Snoop Dogg fehlt jedoch die Spannung. Selbst sein lustiger Einfall, beim Lied Jingle Bells neben seiner Stimme noch Hunde bellen zu lassen, vermag daran nichts zu ändern.

 

Will überhaupt jemand noch A-capella hören?

Hat A-capella in der richtigen Welt überhaupt eine Chance? Wie es scheint schon. Denn Pitch Perfect ist ein erfolgreicher Kinohit: Während der erste Teil weltweit insgesamt 112 Millionen Dollar einspielte, sind bei dessen Fortsetzung bis dato bereits mehr als das Doppelte an Geldern (239 Millionen Dollar) zusammengekommen.

 

Das Lied “Cups”, welches Anna Kendrick im ersten Teil von Pitch Perfect coverte, war so erfolgreich, dass es in den in den Billboard Charts unter den Top 100 landete. Zudem war der Soundtrack des ersten Teils der meistverkaufte des Jahres 2013 und wurde in den USA im April 2014 anschliessend zum meistverkauften digitalen Soundtrack aller Zeiten gekürt.

 

Aber nicht nur der Film scheint den Geschmack des Publikums zu treffen. Die A-capella-Gruppe Pentatonix, die einen kurzen Gastauftritt im Film hat, feiert auch im echten Leben Erfolge. Im Moment tourt sie durch die ganze Welt und war am 15. April für ein Konzert im Zürcher Club X-Tra zu besuch. Auch im Internet sind sie erfolgreich: Auf Youtube folgen ihnen über 8 Millionnen Menschen. A-capella ist längst keine Nische mehr, sondern ein sehr populäres Genre. Fazit: Ja, die Leute wollen noch A-capella hören!

Schweden-Rock im Luzerner Saal

Um 22:15 Uhr ist es endlich soweit: der lang ersehnte Import aus Schweden, eines der grossen Highlights des diesjährigen Blueballs Festival, erscheint auf der Bühne. Man merkt sofort, dass die fünf mittlerweile nicht mehr ganz so jungen Musiker es kaum abwarten können, das Konzert zu beginnen. So geht es auch dem Publikum: Die vorher eher ruhigere Stimmung schlägt sofort um, es ist eine gewaltige Energie im Raum spürbar, die sich durch das ganze Konzert zieht und sich sogar stets steigert.

 

Mando Diao – ein Bandname, der an keinem vorbeigeht. Die Poprocker aus Bölange feiern schon seit mehr als 15 Jahren internationalen Erfolg – Singles wie Gloria, Dance With Somebody und Black Saturday haben sie auch ausserhalb von Schweden bekannt gemacht.

 

Besonders in der Schweiz kommt ihr spezieller Musikstil, der aus teils sehr rockigen, teils sehr balladigen Zügen gemischt mit elektronischem Synth Rock besteht, gut an. Dies beweist sich auch diesem Abend wieder: Der Saal ist ausverkauft, das hauptsächlich weibliche, aber demografisch ziemlich durchmischte Publikum tanzt und singt mit, was das Zeug hält.

 

Das Konzert beginnt mit eher unbekannteren Songs und steigert sich nach und nach immer mehr; die Jungs rund um Leadsänger Björn Djxgård sind zwar in ruhigem Schwarz gekleidet, geizen aber überhaupt nicht mit Bühnenpräsenz und geben vollen Einsatz, was wiederum das Publikum völlig mitreisst. Dieses flippt regelmässig aus, wenn Björn sich auf die Boxen stellt, das Publikum beim Hit “Gloria” den Refrain singen lässt oder aber erst recht, als er sein nass geschwitztes Shirt ins Publikum wirft.

 

Ganz zum Schluss geben sie noch eine Kostprobe auf Zukünftiges mit auf den Weg, die Band spielt einen Song auf Schwedisch, der vom Vermissen handelt und nach eigenen Angaben “voller Emotionen” sei. Man kann also gespannt sein, was noch kommen wird und wie sich die Band mit ihrer neuen schwedischsprachigen Richtung weiterentwickeln wird.

Angus & Julia Stone

Vierzig Jahre nach den ersten Auftritten von Angus und Malcolm Young alias AC/DC bringt das nicht gerade als Musikexportweltmeister bekannte Australien mit Angus und Julia Stone ein neues Geschwister-Duo hervor. Statt mit Mega-Shows voller Pathos bestechen die «Sydney-Siblings» bei ihren Auftritten mit seelenvoller Simplizität.

Hippie Chic-Kleidung, zotteliges Haar und akustische Introspektion ummanteln die kontrastreichen Stimmfarben des Folk-Duos und unterstreichen dabei die zentralen Themen hinter ihren Songs: bedingungslose Liebe, unaufhaltsamer Wandel und der ewige Wunsch nach Freiheit.

Erinnerungen an einen alten Freund

Während des eineinhalbstündigen Konzerts führten die Stones-Geschwister ihr Publikum durch eine musikalische Fortentwicklung ihres bisherigen Schaffens und verknüpften dabei die Früchte ihrer Solo-Projekte mit den herausstechendsten Resultaten ihres gemeinsamen Wirkens.

Namhafte Hits wie «Big Jet Plane» aus dem zweiten Album «Down the Way», das direkt auf Platz eins der australischen Charts landete und den Stones-Geschwistern fünf Awards der Australian Record Industry Assocation (ARIA) bescherte, bildeten während des Abends einen unbefangenen Kontrastreichtum zu unbekannteren Songs aus früheren EPs und den Solo-Werken: Eine Prachtentfaltung an Facetten, durch die sich auch ihre 2010 erschienene Compilation «Memories of an Old Friend» auszeichnet.

Schöpferischer Aufbruch

Gegen Ende des Konzerts wichen die nostalgischen Gefühle an frühere Hits dem Hauptaugenmerk auf das neuste Album, das Angus und Julia Stone kurzerhand nach sich selbst benannten. Mit Hilfe der Producer-Legende Rick Rubin, der generell als einer der einflussreichsten und angesehensten Produzenten der Gegenwart gilt, brachen die Australier mit ihren bittersüssen und melancholischen Melodien zu neuen Ufern auf und verliehen ihren gefühlvollen Hymnen ans Leben mehr Kraft und Mainstream-Potenzial.

So universell und vielgestaltig sich die Musik von Angus und Julia Stone noch ausfalten wird: was bleibt, ist ihr mysteriöser und verträumter Charme, der auch nach fünf Jahren noch ungetrübt strahlt.

Ein Feuerwerk an Stimmwundern

Entschliessen sich langjährige Musiker dazu, gemeinsam ein Werk aufzunehmen, können dabei ganz akzeptable Songs entstehen. Doch meistens bleibt es dann bei einem dieser sogenannten «Kollaboalben».

Nicht so in der Baden-Württembergischen Stadt Mannheim. Entschliesst man sich dort, ein solches Projekt in Angriff zu nehmen, ist das Ergebnis eine der erfolgreichsten Popbands Deutschlands.

 

Fünf Millionen verkaufte Tonträger, sieben Platin-Auszeichnungen, vierzehn Gold-Auszeichnungen, über zwei Millionen Live-Besucher bei den Konzerten, diverse Auszeichnungen vom Comet bis hin zum Echo: der Rückblick auf zwanzig Jahre Söhne Mannheims.

 

Nicht nur Xavier Naidoo

Zu ihrem 20-Jahr-Jubiläum kehrten die Söhne Mannheims gestern zurück in die Hallen des KKL Luzern. Schon zum dritten Mal durften die Musiker am Blue Balls Festival ihr Können unter Beweis stellen und brachten den Konzertsaal vom ersten Song an zum Glühen.

 

Die Söhne haben gezeigt, dass sie zwar keine zwanzig mehr sind, aber nach zwanzig Jahren gemeinsamer Zeitgeschichte mindestens noch genau so viel Spass zusammen auf der Bühne haben können.

 

Mit viel Humor und Charisma haben sie das Publikum mit Leichtigkeit durch einen dreistündigen Marathon ihrer bekanntesten Lieder geführt und sie in ein Wechselbad der Gefühle geschickt. Kampfgebrüll, Liebesschwüre, Verzweiflung, Hoffnung. Mehr als einmal hat die aussergewöhnliche Vielfalt an Stimmfarben für Gänsehaut gesorgt.

 

Die Söhne haben eingeladen

Natürlich dürfen bei einem Geburtstag auch die Gäste nicht fehlen. Neben den euphorischen Konzertbesucherinnen und Konzertbesuchern war auch Seven als Überraschungs-Act geladen. Der in Luzern lebende Sänger brachte eine gute Ladung Soul mit, womit beim Konzert die ganze Palette an Musikgenres ausgeschöpft wurde.

 

An diesem Abend wurde nicht nur auf vergangene Jahre angestossen, sondern auch ein neues Kapitel einer Ausnahmegruppe angestimmt. Mit Sevens Worten: «Vielen Dank, Mannheim, für die Musik und die Geschichten.»

 

(Bilder: Nicole Odermatt)

“Der Vorplatz ist der beste Kompromiss”

“Vorplatz”: Das Wort nimmt Bezug auf etwas, das nach ihm steht. Sie sind zwar oft rege frequentiert, aber nur selten belebt. Aus diesem Grund verdient der Reitschulvorplatz eigentlich einen anderen Namen.

 

Die Berner Reitschule lebt von der Vielfältigkeit ihrer Glieder. Tojo, Dachstock, Sous le pont oder Rössli sind nicht wegzudenken, ebensowenig der Vorplatz. Er hat sein eigenes Publikum und ist in diesem Sinne auch kein Anhängsel sondern ein gleichwertiger Teil der Reitschule.

 

Freiluftdisco ohne Ohrenschmerzen

In der Nacht verwandelt er sich regelmässig zur der meistbesuchten Freiluftdisco in Bern. Eine Musikanlage beschallt den Betonplatz dann mit 90dB unverwechselbarem Revoluzzer-Punkrock. Der Schalldruck verflüchtigt sich aufgrund der fehlenden Überdachung rasch in der Nacht, sodass die Atmosphäre zwar durch die Musik geprägt, anders als in einer Disco aber nicht von ihr dominiert ist.

 

Man muss sich deshalb keineswegs die Ohren mit daumengrossen Schaumstoffdübeln verschliessen, um einen Gehörschaden vorzubeugen, im Gegenteil: Gerede und Musik bilden eine unverwechselbare Geräuschkulisse, die sowohl fürs Tanzen, als auch für Gespräche einen angenehmen Hintergrund bietet.

 

Kein bestimmtes Prädikat

Folglich gibt es Tanzende, die reden, und Redende, die tanzen – inklusive sämtlicher Zwischenstufen. Der Vorplatz ist ein Kompromiss, aber gleichwohl das Beste, was aus dem kargen Betonplatz zu machen ist. Ihm ein bestimmtes Prädikat anheften zu wollen, wäre falsch.

 

Die Popularität des Vorplatzes rührt gerade daher, dass er eben nicht komplett in ein Schema einzuordnen ist. Weder macht ihn die Piratenbar kommerziell – man kann ja sein Bier auch selber mitbringen – noch räumt ihm der Pingpong-Tisch den Status als Sportplatz ein. Der Vorplatz ist ein alternativloses Unikat.

 

Dieser Artikel erschien zuerst auf www.journal-b.ch. Journal B ist ein unabhängiges Online-Medium für die Stadt Bern, das mehrmals wöchentlich Artikel in den Bereichen Politik, Alltag und Kultur publiziert.

“Wir sind langweilige Menschen”

Wie ist es für euch, wieder zu Hause auf dem Berner Hausberg zu sein?

Krust: Es macht Freude, aber wir sind eigentlich immer hier oben – egal ob jemand spielt oder nicht – wir sind zusammen hier oben. Der Unterschied ist, ob wir arbeiten, oder einfach frei haben.

Greis: Wir sind teilweise unabhängig voneinander immer wieder hier oben. Es ist schön, es ist der Hausberg. Und als Berner komme ich immer wieder gerne in diese Arena und gebe neunzig Minuten lang Vollgas. Dafür haben wir lange trainiert.

 

Apropos trainieren: Was macht ihr, um mit dem jungen Publikum mitzuhalten?

Greis: Power Plate, ganz klar. Auf die höchste Stufe stellen, sodass die Oberlippe zittert. Und Ringen.

 

Gegeneinander?

Krust: Nein, ich mein die Übungen an den Ringen und am Reck. Wir sind gut am Reck.

 

Gut zu wissen. Soviel zum Sport. Ihr habt vor einigen Monaten nach acht Jahren wieder gemeinsam ein Album rausgebracht. Warum hat es so lange gedauert, bis wieder was von euch kam?

Diens: Wir alle waren in der Zwischenzeit mit unseren eigenen Projekten beschäftigt. Es ist nicht so, als wären wir in dieser Zeit auf der faulen Haut gesessen. Hinzu kommt, dass es relativ aufwändig ist ein Projekt mir der ganzen “Chlyklass” auf die Beine zu stellen. Das war wohl auch der Hauptgrund dafür, dass es so lange gedauert hat.

 

Das Projekt hat sich aber ausgezahlt: Ihr seid mit dem Album direkt auf Platz eins der Schweizer Hitparade gelandet. Was bedeutet das für euch?

Greis: Sicher erstmal ein grosses Jubeln.

Diens: Wir haben es nun als ganze Truppe geschafft. Vorher hat es kein einzelner Exponent bis ganz nach vorne geschafft, und dass wir nun alle davon zerren können, ist cool.

Krust: Es ist sicherlich auch so, dass die Tatsache, dass wir auf Platz eins gelandet sind, ein Beleg dafür ist, dass der CD-Markt völlig eingebrochen ist. (lacht)

 

Wie hat sich denn die Fangemeinde in all den Jahren verändert?

Krust: Ach, die haben nun mehr Geld, haben Lohn und kaufen das Zeug.

 

Seid ihr denn auch erwachsen geworden?

Diens: Ja, sicherlich ein wenig.

 

Und wie äussert sich das Erwachsenwerden?

Diens: Wir haben nun mehr Verantwortung.

Greis: (spricht dazwischen): Wir sagen nun “erwachse” statt “erwachsnig” (lacht)

Diens: Bei diversen Crewmitgliedern sind Jobs und Kinder da, die grössere Verantwortungen mit sich ziehen. Das heisst, man geht nicht mehr nur noch temporär in einer Bar oder auf dem Bau arbeiten. Jeder hat nun sein Einfamilienhaus mit Garten und so weiter. Nein…(meint, was er vorhin gesagt hat wohl halb so ernst)

 

So langweilig?

Diens: Ja “huere”, wir sind eigentlich langweilige Menschen. Wir sind erst in der Konstellation aus uns heraus gekommen.

Greis: Wir haben auf dem Bau eine Bar aufgebaut – temporär. Das ist ein Projekt, welches neben der Musik läuft.

 

Wie und warum ist das Album entstanden? (Sobald es um die Musik geht, werden die Jungs schnell wieder ernst und reissen keine Witze mehr)

Diens: Ich würde jetzt nicht sagen, dass das ein Konzeptalbum ist. Es ist sehr locker entstanden. Wenn einer eine Idee hatte, hat er zu einem Beat, der ihm grad passte, was geschrieben. Wer Bock darauf hatte, auf den Beat und das Thema einzusteigen, hat das getan. Es gab nur wenige Songs, bei denen wir strukturiert vorgegangen sind.

Greis: Es ist wie ein Klassenprojekt, weisst du. Der Poul Prügu und der Baldy sind die Lehrer gewesen und sagten: „So, jetzt macht ihr ein Album.“ Dann haben wir uns in Gruppen aufgeteilt und sind zusammengesessen. Und jede Gruppe hat ein paar Lieder erarbeitet. Danach haben sie uns dazu geprügelt, dass wir die Projekte auch wirklich beenden.

 

Wie habt ihr in den Gruppen oder als Gesamtcrew zusammengearbeitet?

Greis: Überall gibt’s Beef, nur noch Beef.

Krust: Bei uns ist es aber sanfte Gewalt. Intrigen und beleidigte Member. Wir haben uns nie geprügelt, das wäre wohl aber die bessere Variante gewesen.

 

Die Hip-Hop Szene scheint ja weltweit etwas einzugehen, zumindest meinen das viele Menschen. Wie empfindet ihr das?

Greis: Im Gegenteil.

Krust: Wir teilen diese Prämisse gar nicht.

Greis Wir haben das Gefühl, dass die Aussage von wegen Hip-Hop sei tot, die irgendwann mal vor ein paar Jahren aufkam, nur ein Spruch war. So wie heute das YOLO – auch das geht vorbei.

 

Welchen Hip-Hop hört ihr denn?

Diens: Da ist wohl Greis der Richtige, um zu antworten, denn ich höre überhaupt keinen Hip-Hop.

Greis: Das neue «ASAP Rocky» Album, «At. Long. Last. ASAP», ist zu empfehlen. Habt ihr noch Casper oder Kendrick Lamar gesehen am Frauenfeld?

Diens:  Nein, da war ich schon am Schlafen – ich bin erwachsener geworden.