Gesellschaft | 16.06.2015

Wo sich die katholische Jugend trifft

Der am Weltjugendtag 2015 in Freiburg anwesende Theologie- und Philosophiestudent Ramon Murmann leitete einen Workshop mit dem Titel: "Eine kleine Geschichte der Zeit". Mit dem Workshop wollte der Student junge Menschen zum Nachdenken anregen.
Zahlreiche junge Christen feierten am vergangenen Weltjugendtag gemeinsam ihren Glauben zu Gott. (
Bild: Tanja Pürro) In seinem Workshop "Eine kleine Geschichte der Zeit" stellte Ramon Murmann am 30. Deutschschweizer Weltjugendtag die wirklich wichtigen Fragen des Lebens an junge Menschen und philosophierte mit ihnen über die Zeit und anderen Themen. ( Tanja Pürro)

Ich begegne Ramon inmitten der Stadt Freiburg. Bei der Begrüssung wirkt er sehr fröhlich und aufgestellt, denn er lächelt, beginnt direkt mit einer Konversation und ist sehr offen für meine Fragen. Seinen ersten Weltjugendtag erlebte er 2001. Damals aber fand der Event in den Bergen von Disentis statt.

 

Inzwischen hat der Theologie- und Philosophiestudent einige solcher Anlässe besucht und mitgestaltet. Als ganz besonderes Ereignis nennt er den internationalen Weltjugendtag 2013 in Rio de Janeiro, an der Copa Cabana. Die Wellen des tosenden Meeres und das Panorama der brasilianischen Stadt im Zusammenspiel mit Papst Franziskus, der auf einer Bühne stand, beeindruckten Ramon Murmann sehr. „Die Atmosphäre des Festivals gibt mir Kraft und bringt mich jedes Mal ein Stück näher an Gott heran“, sagt der 27-Jährige lächelnd.

 

Philosophischer Workshop

Beim diesjährigen Weltjugendtag der katholischen Jugend in Freiburg hat der Student den Workshop „Eine kleine Geschichte der Zeit“ geleitet. Er stellte anhand der drei berühmten Wissenschaftler Stephen Hawking, Georges Lemaître und Augustinus von Hippo die philosophische Frage: „Was ist Zeit?“ In diesem Workshop versuchte Ramon Murmann, die jungen Teilnehmenden zum Nachdenken zu bewegen.

 

Der Student möchte die Menschen wegbringen von den alltäglichen Gedanken über die Arbeit oder persönliche Probleme. Vielmehr will Ramon Murmann sie dazu ermutigen, sich mit den wirklich wichtigen Fragen unseres Lebens und dessen Hintergründen auseinanderzusetzen. Als wirklich wichtig erscheinen Ramon Fragen wie: „Ist mein Leben es Wert, gelebt zu werden?“ – „Was ist schön?“ Oder eben: „Was ist Zeit?“

 

Unterschiedliche Projekte

Ramon möchte Antworten auf die wichtigen Fragen des Lebens weitergeben. Einige Antwortmöglichkeiten liefert die Theologie des Leibes. Diese Theologie, die der Papst Johannes Paul II in den 80er Jahren eingeführt hat, beschäftigt sich mit den grossen Fragen zu Liebe, Freiheit und Verantwortung.

 

Seine entsprechenden Erkenntnisse hieraus gibt der junge Mann in verschiedenster Weise weiter. Im letzten Halbjahr hat Ramon beispielsweise zwei Konzertabende im Zeughaus von Brig-Glis in seinem Heimatkanton Wallis auf die Beine gestellt. Dabei wurde auch das Buch „God, Sex and Soul“ vorgestellt, dessen Inhalt sich mit der Theologie des Leibes beschäftigt. Anschliessend gab es ein Konzert von Wintershome, einer Zermatter Nachwuchsband, und Barbetrieb.

 

Glauben leben und verstehen

Der Glaube spielt in Ramons Leben eine sehr wichtige Rolle. Er wuchs innerhalb einer gläubigen Familie auf. Deshalb sind die meisten seiner Freunde sowie seine Familie auch sehr offen für kirchliche Anlässe. Er findet, dass der Glaube viel mit eigener Erfahrung zu tun habe. Wenn man einer Person erzähle, wie gut ein solches Festival sei, so sei dies für die Person relativ. Man müsse das Ganze schon selbst erlebt haben, um die Meinung anderer zu verstehen, betont Ramon und ergänzt: „Mein Glaube gibt mir Vertrauen und ich vertraue darauf, dass es Gott wirklich gibt.“

 

Bis vor einem Jahr hat Ramon neben Theologie und Philosophie auch Physik studiert. Ramon habe nach Beginn seines Physikstudiums rasch bemerkt, dass er, wenn er einen guten Draht zu Gott und der Kirche beibehalten wollte, die Wissenschaft und die Religion strikt voneinander trennen müsse.

 

Einerseits studierte er Physik und suchte dabei nach Antworten auf die verschiedensten Theorien, wie beispielsweise die Big Bang-Theorie, andererseits zählte für ihn auch der gelebte Glaube, das Beten, der Kirchenbesuch oder die Teilnahme an entsprechenden Festivals. „Könnte ich diese beiden Dinge nicht auseinanderhalten, müsste ich mich schnell für eines der beiden entscheiden“, erklärt Ramon Murmann ernst. Sein Physikstudium will der junge Student demnächst wieder aufnehmen.

 

Der Einfluss der Gesellschaft und des Zeitgeistes

Es gibt jedoch auch Gegner solcher Anlässe. Gelegentlich gibt es Gegengruppierungen oder Gegendemonstrationen, wie etwa auch in Rio de Janeiro. Im Mai 2011 verteilten Freidenker an einem Weltjugendtag in Brig vor dem Eingang der Kirche diverse Flyer, auf denen zu lesen war, dass es Gott gar nicht gäbe und die ganze Kirche eine Lüge sei. Das habe Ramon Murmann sehr getroffen. Aber dies geschehe im Schatten des eigentlichen Ziels des Anlasses: dem Teilen der Freude am Glauben. Der Student entgegnet auf die Proteste: „Schlussendlich ist jeder Mensch frei in der Auswahl, ob überhaupt und in welcher Religion er tätig sein will.“

 

Und so geht es weiter…


 

Der nächste Deutschschweizer Weltjugendtag wird vom 8. – 10. April 2016 in der Stadt Schaffhausen stattfinden. Der internationale Weltjugendtag wird für das kommende Jahr ebenfalls organisiert. Die polnische Stadt Krakau wird das Zusammentreffen ausrichten.

 

Weitere Informationen und Eindrücke:

www.fr2015.ch

www.krakow2016.com

www.adoray.ch