Gesellschaft | 05.06.2015

Dreiundfünfzigster Brief aus Deutschland

Der Sommer steht vor der Türe, was unsere Kollegen von Eine Zeitung milde stimmt. Anstelle über korrupte Fifa-Funktionäre herzuziehen, stellen sie einen kleinen Vergleich der Sommeraktivitäten und Esskulturen unserer beiden Länder an und wollen zudem herausgefunden haben, was uns so aggressiv macht: unsere Rösti.
Musste beim Überflug wohl die Sonnenbrille aufsetzen. Sowohl Deutschland als auch die Schweiz geniessen auf ihre Art das sonnige Wetter. (
Bild: Katharina Good)

Hallo liebe Schweizer,

 

wir haben lange überlegt, ob wir den heutigen Brief zum Anlass nehmen, mal ein wenig über die Fifa und euren Sepp Blatter herzuziehen. Das Thema ist ja gerade in aller Munde und die Schweiz steckt irgendwie mittendrin. Wieder einmal.

 

Wir hatten schon einige schöne Sätze vorformuliert wie „Die korruptesten Menschen sind nunmal Schweizer“ oder „Das war ja klar“ oder „Die Schweiz ist scheiße!“, aber dann schauten wir zum Fenster hinaus und stellten fest, dass heute ein wirklich wunderschöner Tag ist. Ja, in Deutschland ist endlich der Sommer eingekehrt. Und irgendwie fiel es uns da schwer, böse zu sein.

 

Stattdessen haben wir uns überlegt, was man so alles an einem Tag wie diesen, wo praktisch in der gesamten Bundesrepublik weit über 30 Grad herrschen, anstellen kann.

Das brachte uns zu einer weiteren Frage: Wie feiert der Schweizer eigentlich gemeinhin den Sommer?

 

Wir Deutschen – vor allem die aus dem Norden – lieben es zum Beispiel, an die Küste zu fahren, im Watt zu wandern, sich in den Strandkorb zu legen, aufs offene Meer hinauszuschauen und Sandburgen zu bauen, um sie anschließend betrunken zu zerstören.

All das fällt für den Schweizer ja schon einmal weg (bis auf die Sandburgen vielleicht). Denn die wichtigste Voraussetzung dafür fehlt bei euch: Die Küste.

 

Zudem ist der Deutsche ein leidenschaftlicher Grill-Freund. Wir grillen praktisch alles, was wir aufs Rost bekommen. Wurst, Fleisch, Fisch, Kartoffeln, mehr Fleisch, Paprika, Brot, Bananen und vor allem Fleisch.

Aber grillt der Schweizer auch? Wir können es uns irgendwie nur schwer vorstellen. Raclette, ja. Fondue, na klar. Aber grillen? Ihr? Ausgelassen am Feuer stehen? Ihr? Grillkohlen schleppen? Ihr?

 

Es gibt in Deutschland diesen alten Witz, den man sich immer gerne in diesem Zusammenhang erzählt:

Fragt ein deutscher Fahrgast einen Schweizer Schaffner: „Wo kann ich hier eine Fahrkarte kaufen?“.

„Das heißt bei uns nicht Fahrkarte, sondern Billet.“

„Na gut, wo kann ich ein Billet kaufen?“

„Am Fahrkartenschalter.“

 

Wir stellen gerade fest, das dieser Witz überhaupt keinen Bezug zum Thema Grillen hat. Naja, aber wir finden ihn trotzdem lustig.

 

Ach wie geil, wir haben noch einen guten Witz gefunden, der etwas besser zum Thema passt, weil er was mit Essen zu tun hat: „Herr Ober, da ist ein Deutscher in meiner Suppe!“ – „Aber Sie hatten doch ein Tartuffo bestellt!“ – „Ach ja richtig, haha! Was bin ich blöd!“ (Insider. Versteht nicht jeder.)

 

Nun, weiter geht’s. Wir Deutschen liegen im Sommer gerne mit Freunden im Park herum, trinken Bier, picknicken, lachen und haben ganz viel Spaß. Je größer die Gruppe, desto lustiger ist es.

Der Schweizer gilt aber allgemein als Einzelgänger und kontaktscheu. Man sieht selten mehr als drei Schweizer an einem Fleck.

Woran liegt das eigentlich? Warum sind Schweizer so, wie sie nun mal sind? Was steckt dahinter? Wir haben zwölf Wissenschaftler gefragt und dabei Erstaunliches gehört. Es liegt am Essen. Studien aus Spanien haben zutage gebracht, dass Rösti aggressiv und unberechenbar macht. Noch schlimmer ist das Verzehren von Katzen- bzw. Hundefleisch: internationale gesellschaftliche Ächtung ist die Folge, was wiederum zu Vereinsamung der Konsumenten führt.

 

Wir Deutschen sind, das müssen wir zugeben, in der Welt auch eher gefürchtet für unsere Küche. Gerade wir in Norddeutschland, wo das Essen meist aussieht wie Wurmsuppe mit Erbrochenem, können Euch Schweizer da eigentlich keine Ratschläge erteilen. Außer diesem einen, denn wir haben die richtigen Lehren gezogen: lasst Eure Schweizer Küche sein. Verabschiedet Euch davon und macht es wie wir: esst Pizza, Sushi, Pasta oder grillt ganz einfach.

 

Der Sommer ist noch lang.

 

 

Bis dahin.

Guten Appetit.

 

Ihr Deutschland