Gesellschaft | 11.06.2015

Drei, zwei, eins – los! Ein Wettrennen der etwas anderen Art …

Text von Helen Joss
Per Autostopp quer durch Europa? Für Daniel Slodowicz kein Problem. Um die ungewöhnliche Reiseart bekannter zu machen, organisiert er jährlich die Schweizer Autostoppmeisterschaften. Was als Abenteuer in Kanada begann, ist für ihn mittlerweile Alltag.
Jeden Moment geht's los! Die dreizehn Teams posieren vor dem Start. (Daniel Slodowicz, zvg)

Am 25. April fanden die zweiten Schweizer Autostoppmeisterschaften statt. 13 Teams sind angetreten, um möglichst rasch per Anhalter von Fribourg (CH) nach Colico (IT) zu fahren.

 

Nach 7 Stunden und 57 Minuten hat das erste Team das Ziel erreicht und so den Sieg eine knappe Viertelstunde vor den Zweitplatzierten geholt. Die 370 km lange Strecke hat das Siegerteam in 13 verschiedenen Fahrzeugen zurückgelegt.

 

Eine gute Mischung aus Ehrgeiz, Unerfahrenheit und positiver Ausstrahlung habe ihrem Team wahrscheinlich zum Sieg verholfen, so Katharina. Und eine Portion Anfängerglück sei’s wohl auch gewesen, meint sie augenzwinkernd.

 

Der Initiator der Meisterschaften, Daniel Slodowicz, hatte etwas weniger Glück als das Siegerteam. Er steckte volle vier Stunden auf einer Raststätte fest. Doch auch einem geübten Autostopper könne dies passieren und der Spassfaktor sei deshalb trotzdem nicht zu kurz gekommen.

 

Abenteuer wird Routine

Angefangen hat alles in Kanada mit einem ersten Autostopptrip: 1000 Kilometer von Fairmont Hot Springs nach Vancouver. Inspiriert von anderen Stöpplern unternahm Daniel Slodowicz mit ein paar Freunden die erste Autostoppreise.

Es lockte das Ungewisse, das Abenteuer, und mit knappen Finanzen war Autostoppen die kostengünstigste Möglichkeit, von A nach B zu reisen. Die drei Reisenden wurden mitgenommen: 1000 Kilometer in 3 Tagen. Der Fahrer, der sie kurzerhand die ganze Strecke mitfahren liess, zeigte ihnen bei Gelegenheit gleich noch die Umgebung.

 

Zurück in Europa als Student in Fribourg (CH) mit Heimatort Augsburg (D) wurde das Autostoppen bald zum Reisemittel, um an den Wochenenden zwischen den beiden Städten hin und her zu pendeln.

In der Freizeit begann er sich mit anderen Autostoppern auszutauschen. Die Neugierde war geweckt: In den Semesterferien folgten zwei längere Autostoppreisen quer durch Europa. Die erste Reise führte ihn durch Kroatien, Serbien und den Kosovo, die zweite sogar bis nach Istanbul.

 

Gastfreundschaft überbrückt Sprachbarrieren

Während die Erzählungen der anderen seine Neugierde geweckt hatten, wuchs aus den eigenen Erfahrungen die Begeisterung fürs Autostoppen. Sein Enthusiasmus für das aussergewöhnliche Hobby wirkt ansteckend, erst recht wenn er von seinen Abenteuern erzählt.

 

In Mazedonien ist er von Fahrenden mit grosser Gastfreundschaft aufgenommen worden, im Kosovo begegnete er per Zufall einem Fribourger, viele Male bewirteten ihn wildfremde Leute trotz Sprachbarrieren grosszügig, sorgten sich um ihn und gaben ihm Ratschläge mit auf den Weg.

Aus dem Stegreif erzählt er Anekdote um Anekdote und man beginnt sich zu fragen, warum es einem selbst noch nie in den Sinn gekommen ist, sich per Autostopp auf eine längere Reise zu begeben.

 

Er habe auf seinen Reisen gelernt, wie falsch Vorurteile sein können, was echte Gastfreundschaft sei und wie wertvoll es ist, auf andere Menschen zuzugehen und sich ihre Geschichten anzuhören. Um diesen Erfahrungsschatz zu teilen und das Autostoppen populärer zu machen, organisierte er im vergangenen Jahr die ersten Meisterschaften im Autostoppen in der Schweiz.

 

Autostoppen als Lebensstil

Sobald er eine längere Distanz zurücklegen muss, ist der Fribourger inzwischen fast ausschliesslich per Autostopp unterwegs. Könnte man meinen, dass es zur Abwechslung schön wäre, sich in einen Zug zu setzen oder gar einen Städtetrip zu buchen, ist man bei Daniel Slodowicz an der falschen Adresse.

 

Wird er nach seinen Ferienplänen gefragt, so heckt er ganz anderes aus: Per Anhalter nach Spanien würde er gerne reisen und einen Freund in Bangladesch hätte er da auch noch, den er schon lange einmal besuchen möchte – natürlich per Autostopp.

 

Weitere Fotos sowie Tipps und Tricks für eure eigene Autostoppreise findet ihr unter: www.autostoppp.ch.