Politik | 28.05.2015

Schafft es die Linke zurück nach Bern?

Fünf Bürgerliche, fünf Männer: So präsentiert sich die Zuger Delegation für die nationalen Parlamente. Diese Allianz versuchen die Linken Parteien aufzubrechen und den 2011 verlorenen Sitz zurück zu erobern. Die Erfolgschancen hängen, wie oft bei Wahlen, von Listenverbindungen ab. Eine Analyse.
Astrid Estermann, Hanni Schriber-Neiger und Andreas Lustenberger (v.l.n.r.). (
Bild: zvg. Alternative - die Grünen Zug)

Die Nationalratswahlen 2011 wurden für die Linke im Kanton Zug zur Enttäuschung. Der national profilierte, Grün-Alternative Jo Lang schaffte trotz Listenverbindung mit den Sozialdemokraten die Wiederwahl nicht. Für die Alternative – die Grünen Zug ist jedoch klar, dass „die jetzigen drei Nationalräte nicht für die gesamte Zuger Bevölkerung stehen“, wie die Partei in ihrer Medienmitteilung schreibt.

 

Bei den Genossen hatte die erneute Zusammenarbeit mit den Grünen zu Diskussionen geführt. Nach den Wahlen 2011 hatten die Grünen die SP für die Abwahl Jo Langs verantwortlich gemacht. Schlussendlich haben sich die Parteien nun auf eine Listenverbindung geeinigt, sie treten jedoch mit eigenen Listen an. Spitzenkandidaten sind der Grüne Andreas Lustenberger, Co-Präsident der Jungen Grünen und der SP-Mann Hubert Schuler, ein ehemaliger Kantonsratspräsident. Keine Überraschung ist die Nicht-Nominierung von Jolanda Spiess-Hegglin. Die Kantonsrätin war nach der Landamman-Feier Ende 2014 ins mediale Kreuzfeuer geraten.

 

Ausgangslage

Der Kanton Zug stellt drei Sitze für den Nationalrat. Mit grosser Wahrscheinlichkeit wiedergewählt wird CVP-Mann Gerhard Pfister. Seine Partei holt im Kanton Zug regelmässig die meisten Stimmen, zudem ist Pfister national durch sein rechtsbürgerliches Profil einer der bekanntesten CVP-Nationalräte. Auch Thomas Aeschi von der SVP dürfte die Wiederwahl aufgrund der Wählerstärke seiner Partei problemlos schaffen. Bleibt also der Sitz der FDP, der momentan von Bruno Pezzatti gehalten wird.

 

Falls die Linke einen Sitz zurückerobert, dann höchstwahrscheinlich auf Kosten des Freisinns. Ob dies gelingt, wird im Endeffekt auch von den Listenverbindungen abhängig sein. Wie wichtig die Stimmen des Listenpartners sein können, haben die letzten Wahlen gezeigt. 2011 erzielte die Zuger FDP rund 3000 Stimmen weniger als das Linke Bündnis.

 

Doch die FDP profitierte von der CVP, mit der sie eine Listenverbindung eingegangen war. Gemeinsam holten die beiden Parteien genug Stimmen für zwei Sitze, was in je einen Sitz für CVP und FDP resultierte. Jo Lang und die Alternativen hatten das Nachsehen. Entsprechend stellt sich auch für 2015 die Frage: Spannen CVP und FDP zusammen? Das Resultat der Verhandlungen werde spätestens im Juli bekannt gegeben, wie CVP-Kantonalpräsident Martin Pfister sagt.

 

Die kantonale Situation

Ein Blick auf die kantonalen Wahlen: Zug hatte im Herbst 2014 gewählt. 76’521 Stimmen hatte die Linke erzielt, die FDP derer 69’028. Die Linke hatte also deutlich vor der FDP gelegen. Die Zahlen sind jedoch nur bedingt mit denen der nationalen Wahlen zu vergleichen, da bei kantonalen Wahlen auf Gemeindeebene gewählt wird und die Stimmbeteiligung üblicherweise deutlich tiefer liegt.

 

Im Umkehrschluss sind nationale Trends wie der aktuelle Höhenflug der FDP immer mit Vorsicht auf konkrete kantonale Fälle zu projizieren. So darf die Parteienlandschaft des Kantons Zug durchaus als Sonderfall eingestuft werden. Die CVP beispielsweise gibt sich im Kanton Zug deutlich wirtschaftsfreundlicher als auf nationaler Ebene und ist die stärkste Partei des Kantons.

 

Ebenfalls erwähnenswert ist das Verhältnis zwischen Grünen und Sozialdemokraten: Die Alternative – die Grünen sind im Kanton Zug deutlich wählerstärker als im nationalen Vergleich. Dies vor allem auf Kosten der SP, welche seit 2007 auch nicht mehr in der Zuger Regierung vertreten ist.