Politik | 27.05.2015

Präsidentieller Krieg in Jemen

Nach Luftangriffen Saudi-Arabiens auf Huthi-Stützpunkte in Jemen steckt das Land tief im Krieg. Verwickelt in diesen sind jedoch noch viele andere Parteien.
Ein Kriegsende ist im Jemen nicht in Sicht. (
Bild: Katharina Wieland Müller/ pixelio.de)

In Jemen herrscht Krieg. Ein Glaubenskrieg sowie ein Machtkrieg. Die beiden Konfliktparteien dieser Auseinandersetzung sind das mehrheitlich sunnitisch geprägte Saudi-Arabien und die schiitischen, jemenitischen Huthi-Rebellen. Begonnen hat den Krieg Saudi-Arabien mit der Bombardierung des Jemens vor mehr als einem Monat. Das Ziel der Luftangriffe ist die Ausschaltung der sogenannten Huthi-Rebellen.

 

Bombardiert werden Stützpunkte der Huthi-Rebellen, getötet jedoch auch viele Zivilisten, weshalb Saudi-Arabien für diese Aktion von Organisationen wie der United Nations Children`s Fund (Unicef) stark kritisiert wird. Die Organisation kritisiert: „Der Konflikt verschlechtert die bereits prekäre Situation der Kinder in Jemen.“

 

Auch Entführungen sind in Jemen nicht unüblich und häufen sich durch die Kriegswirren. Aus diesem Grund rät das Eidgenössische Departement für auswärtige Angelegenheiten von Reisen nach Jemen ab und fügt an, dass ein Risiko von terroristischen Akten sowie gewalttägigen Zusammenstössen bei Demonstrationen bestehe.

 

Keine Waffenruhe und Präsident geflüchtet

Saudi-Arabien beschränkte sich bisher auf Luftangriffe. Bodentruppen wurden nicht entsandt. Die Luftangriffe dauern an, obwohl die saudische Regierung am 21. April einen Waffenstillstand beschloss. Dieser wurde von der Bevölkerung jedoch kaum wahrgenommen, da er nur von sehr kurzer Dauer war. Eine erneute – und diesmal viel erfolgreichere, aber dennoch nicht überall durchgeführte Waffenruhe fand Anfang Mai statt. Sie dauerte fünf Tage.

 

Am 18. Mai berichtete die Organisation Médecins sans frontièrs von 1`600 Verwundeten in den jemenitischen Städten Aden, Amran, Hajja and Al-Dhale. Die Gründe für die Bombardierungen sind nicht nur die religiösen Differenzen der beiden Staaten, sondern auch, dass die Rebellen den Präsidenten Jemens, Abed Rabbo Mansur Hadi, gestürzt haben. Hadi wiederum wurde von den Saudis unterstützt, da er wie Saudi-Arabien sunnitisch geprägt ist. Die Huthi-Rebellen werden von ehemaligen ebenfalls schiitischen Präsidenten Ali Abdullah Salih unterstützt.

 

Der nun zurückgetretene Präsident Hadi floh nach Aden, eine Hafenstadt im Süden Jemens. Als die Huthi-Rebellen auch diese Stadt angriffen, flüchtete Hadi nach Saudi-Arabien. Hadi genoss grosse Unterstützung von vielen Seiten, nebst Saudi-Arabien auch von den USA. Die jemenitische Bevölkerung hatte Hadi 2012 mit 99.8 Prozent zum Präsidenten gewählt. Diese Zahl ist mit Vorsicht zu geniessen, da Hadi der einzige antretende Kandidat war.

 

Fremde Unterstützung

Obwohl offiziell nur Saudi-Arabien und Jemen in den Krieg involviert sind, unterstützen die USA und Grossbritannien Saudi-Arabien. Das britische Aussenministerium gab am 15. April die Unterstützung zu und begründet diese mit einem Hilferuf Hadis. Trotzdem sagt der britische Botschafter Mark Lyall Grant, schlussendlich müsse die Lösung eine politische sein. Die Situation könne folglich nicht durch Waffenlieferungen oder Kriegstruppen, sondern nur durch politische Verhandlungen gelöst werden Zudem will Grossbritannien gemeinsam mit der UNO Sanktionen gegen Einzelpersonen, die Jemen destabilisieren, verhängen, und fordert die jemenitischen Parteien auf, diese zu unterstützen.

 

Aber nicht nur Saudi-Arabien, auch die Huthi-Rebellen erhalten Unterstützung für den Krieg. Der schiitisch geprägte Iran soll den Rebellen Waffen liefern. Bis zum heutigen Tag liegen keine Beweise für diese Aussage vor, und obwohl es möglich wäre, dass der Iran die ihm religiös näheren Huthi-Rebellen unterstützt, gibt es auch einige Argumente gegen diese Version der Geschichte. Eines davon ist, dass die Huthi-Rebellen zwar schiitisch, jedoch zaiditisch ausgerichtet sind. Zaiditen sahen Zaid ibn Ali als ihren fünften Imam an, während der Grossteil der restlichen Schiiten seinen Bruder Muhammad al-Baqir, als ihr religiöses Oberhaupt ansehen. In einem weiteren Punkt sind sich die Zaditen und die Schiiten nicht einig. Die Zaditen sind der Meinung dass jeder, der seine Abstammung mit jener Alis verknüpfen kann, eine  politisch-religiöse Vormachtstellung haben könnte. Die Schiiten sehen dies etwas enger. Für sie darf nur ein direkter Nachfahre Alis die Vormachtstellung haben.

 

Nicht nur die Huthi-Rebellen sind Zaditen, sondern auch der ehemalige Präsident Jemens Ali Abdullah Salih, der sie tatkräftig unterstützt. Elham Manea, Professorin für Politikwissenschaften an der Uni Zürich, hat jemenitische Wurzeln und kennt sich mit der Lage im Jemen aus. Sie schreibt in ihrem Artikel  „Auf dem Weg zum Stellvertreterkrieg?“, dass die Huthi-Rebellen niemals so viel Territorium erobert hätten, wenn Salih sowie grosse Teile des Militärs, welche immer noch loyal zu ihm stehen, sie nicht unterstützt hätte. Zudem schreibt Manea, es handle sich um einen Stellvertreterkrieg zwischen dem Iran und Saudi-Arabien.

 

Besserung nicht in Sicht

Verhandlungen, um den Krieg möglichst schnell zu beenden, sind momentan sehr schwierig. Die Huthi-Rebellen sowie ihr Unterstützer Salih zeigen keinerlei Interesse an solchen Gesprächen. Zuletzt boykottierten die Rebellen eine Unterredung im saudi-arabischen Riyadh am 17.Mai. Für den 28.Mai hat die United Nations Organisation (UNO) ein Gespräch in Genf angesetzt. Wer daran teilnehmen wird ist derzeit noch unklar. Elham Manea schreibt, ohne die Erzielung von Verhandlungsergebnissen könnte der Jemen zerfallen.

 

Die Situation vor Ort sei jetzt schon dramatisch, berichten Ortsansässige wie der Aktivist Hisham Al-Omeisy. „Die Koalition bombardierte gestern eine Schule in Faj Attan. Wer braucht schon Bildung, wenn wir verrückte und ungebildete Huthis haben?“, schrieb der Aktivist am Sonntag auf Twitter. Auch die Menschenrechtsjournalistin Shatha Al Harazi lässt ihren Gefühlen auf Twitter freien Lauf. „In den Kühlkammern der Krankenhäuser der Stadt Taiz hat es keinen Platz mehr für Leichen“, schreibt sie. Zudem berichtete sie in mehreren Tweets, wie schwierig es sei, ein Visum für ein anderes Land zu bekommen. So sei es für einen Jemeniten etwa so schwierig, ein Visum in Ägypten oder Äthiopien zu bekommen, wie für ein unter Terrorismusverdacht stehendes Land, ein Visum in den USA zu erhalten.

 

Eine Besserung der Situation ist nicht in Sicht. Es besteht jedoch die Möglichkeit, dass die EU mit Sanktionen etwas erreichen könnte, sollte sie diese nach britannischem Vorbild einführen. Denn Grossbritannien hat damit begonnen, Einzelpersonen zu sanktionieren und dem Jemen vorgeschlagen, dies auch zu tun. Zieht die EU mit, könnte dies die Rebellen hart treffen.