Politik | 20.05.2015

Mit Hitler gegen die Stipendieninitative

Text von Sofiya Miroshnyk | Bilder von Sofiya Miroshnyk)
Fast fünfzig Mitglieder zählte das Komitee der Studierenden gegen die Stipendieninitiative einen Tag nach der Lancierung der Webseite. Doch der Start verlief holprig. Das Komitee warb mit falschen Namen.
Falsche Namen kursierten auf der Webseite der Studierenden gegen die Stipendieninitiative. (
Bild: Sofiya Miroshnyk)

Mit falschen Mitstreitern machte ein Komitee von Studierenden gegen die Stipendieninitiative auf ihrer Website Kampagne. Unter den vermeintlichen Gegnern befand sich auch Pascal Bührig, Mitglied der Juso Kanton Zürich. Pascal betont, dass er weder gegen die Initiative ist, noch sich im Komitee eingetragen habe. Nur wenige Stunden nach dem Start der Webseite des Komitees gegen die Stipendieninitiative fiel der Fehler auf.

 

Simon Scherrer, Co-Präsident up!schweiz und Administrator der Webseite, zeigte sich kooperativ und löschte Pascal Bührig auf dessen Bitte sogleich aus der Liste. Währenddessen machte der Fauxpas auf den Sozialen Medien die Runde. Auch Adolf Hitler wollte sich am Komitee beteiligen. Stunden später fand sich auch ein gewisser Hans Yolo auf der Liste.

 

Um sich in diese eintragen zu lassen, sind einzig ein Vorname sowie Name und eine Email-Adresse notwendig. Noch ehe dieser Artikel fertiggeschrieben war, verschwand auch Herr Yolo aus der Liste. Ebenso wurde Adolf Hitler mittlerweile gelöscht.

 

Stipendien: Wem nützts?

Doch das ist nicht der einzige Mangel der Webseite. Das Komitee beschreibt das Problem der Stipendien wie folgt: „Studiensubventionen helfen vor allem Menschen aus guten Haushalten, noch reicher zu werden – auf Kosten aller, also auch meist finanziell schlechter gestellten Menschen.“

 

Eine unschlüssige Argumentation, denn Stipendien werden nur an Menschen vergeben, die eben nicht aus „guten Haushalten“ stammen. Stipendien werden den Studierenden aus wohlhabenden Familien nicht einmal dann gewährt, wenn sich deren Eltern weigern, die Studiengebühren zu bezahlen. Wollen Studierende dennoch ihr Anrecht auf Stipendien geltend machen, so müssen sie gegen ihre Eltern klagen.

 

Gegen die Initiative oder gegen die Stipendien selbst?

Der Argumentationsstruktur ist zu entnehmen, dass es die Gegner scheinbar nicht auf die Initiative selbst, sondern viel mehr auf die Stipendien an sich abgesehen haben. Zumindest mutet dies der Text auf der Webseite an. So schreibt das Komitee, dass auch das heutige Modell der Studienfinanzierung bereits zum grössten Teil aus der künstlichen Verbilligung von Studiengängen für Studierende bestehe. Dadurch würden die privaten Bildungsangebote verdrängt.

 

Die Stipendieninitiative richte mit ihrem Zentralisierungseifer mehr Schaden an, als sie nütze, lässt sich Sina Rüdisüli, Mitglied des Komitees und Studentin an der Zürcher Hochschule der angewandten Wissenschaften, zitieren. Dies ist ganz nach Mörgelis Vorbild. Er empfand an Podiumsdiskussion vom 7. März an der ETH die Stipendieninitiative als Bedrohung für den Föderalismus. Geht es es nach Mörgeli, so soll die Zentralisierung der Bildung verhindert werden.

 

Zugang für alle

In einem Punkt sind die Gegner mit den Initianten einig. „Finanziell Schwache“, so das Komitee, sollen nicht von einem Studium abgehalten werden. Doch indem sich das Komitee gegen die Initiative ausspricht, unternimmt es einen Schritt in die andere Richtung. National geregelte, gleich hohe Stipendienbeiträge und Zugänge will es zu verhindern wissen.

 

In erster Linie will das Komitee mehr Kostenwahrheit und Fairness bei der Studienfinanzierung schaffen. Interessant ist dabei auch das Wort „Fairness“. Denn genau diese fordert auch die Initiative des VSS ein: Fairness angesichts der Tatsache, dass derzeit die Zulassungsbestimmungen, die Einkommensfreibeträge und die Stipendienhöhen von Kanton zu Kanton variieren. Dies soll bei Annahme der Initiative der Vergangenheit angehören.

 

Auch Christoph Mörgeli sprach an der Podiumsdiskussion im März die Gerechtigkeit an: „Was ist schon gerecht?“, fragt er rhetorisch. Auf Nachfrage von Tink.ch beantwortet er seine eigene Frage mit: „Wollten wir gerecht sein, müssten wir alles gleich verteilen und was wäre das denn für eine Welt?“, und erntet dafür alles andere als Beifall.