Kultur | 06.05.2015

Gegensätzliches Zusammenspiel

Das Lucerne Festival zu Ostern war von Gegensätzen geprägt. Zwei Konzerte stachen ganz besonders heraus: Eine moderne Liturgie gespielt vom Zentralschweizer Jugendsinfonieorchester, als auch eine hochwertige Aufführung von Dvorak' Stabat Mater durch den renommierten Chor des Bayerischen Rundfunks.
Lucerne Festival zu Ostern 2015 Young -“ Sinfoniekonzert,
Bild: (Lucerne Festival/ Priska Ketterer)

Eine Stille in diesem imposanten Raum, die einen zum Innehalten animiert. Eine Beleuchtung, die die Hofkirche in einem völlig neuen Licht erscheinen lässt. Ein gefühlter Moment der Ewigkeit, diese letzte Minute vor dem Beginn des Eröffnungskonzertes des Lucerne Festival.

Was wird das Publikum wohl erwarten? Das Programm verspricht eine Liturgie, beginnend mit Saint- Saëns, gefolgt vom „Jupiter“ Gustav Holst‘ und einer abschliessenden Uraufführung des Stückes „Liturgia“ von Dave Jegerlehner.

„Der Titel ist ganz konkret zu verstehen: „Liturgia“ zeichnet den Verlauf der Heiligen Messe nach und formt aus der Liturgie eine Feier der Musik, vom Kyrie bis zum Agnus Dei und dem abschliessenden Segent“ (Lucerne Festival Ostern).

Ein Programm also, das immer jünger wird und ein zu erwartend frisches Ende durch den erst 24 Jahre jungen Komponisten erhält.

Junges Orchester

Wie der Komponist, so das Orchester: Laut der offiziellen Webseite ist das Orchester im Frühjahr 2012 entstanden. Dass die Musiker alle noch jünger und dafür mit Freude dahinter sind, ist besonders wichtig: „Möge es eine Begegnungsstätte für junge MusikerInnen werden, wo das Feuer für gute Musik und gemeinsames Musizieren immer wieder neue Nahrung findet“, so Immanuel Richter, Dozent für Trompete an der HSLU Musik.

Erwachsene Professionalität

Die Spannung der Anfangsstimmung kann sich während der ganzen Konzertdauer halten. Die Leute sind gefangen von der Professionalität des jungen Orchesters – Tonalität, Ausdruck, Klangwelten und Genauigkeit lässt einen versinken in die majestätischen Wogen der kirchlichen Musik.

Nicht zu vergessen sind die Lichtinstallationen: Farbe und Beleuchtung verändern sich dauern und verleihen dem Konzert eine Spur Zauber. Als Höhepunkt ist das letzte und längste Stück, die Uraufführung „Liturgia“ von Jegerlehner zu nennen. Diese moderne Komposition, die mit verschiedensten atonalen und rhythmischen Geräuschen beginnt und sich nicht so leicht einordnen lässt, bildet einen krassen Kontrast zur prächtigen katholischen Kirche im Hof. Mal tönt es von oben, von hinten, von der Seite.

Kurz, es fällt dem Zuschauer schwer, sich zu orientieren. Erst mit der Zeit wird klar, dass bereits erschienene Elemente wiederkehren und schlussendlich die anfängliche Harmonie siegt. Der Kreis schliesst sich, die Liturgie hat ihren Namen verdient, Zuschauer und Musiker sind glücklich über einen gelungenen Abend.

Klassische Klassik: Stabat Mater

Ganz im Gegensatz dazu steht das zweite Konzert, welches am letzten Abend der musikalischen Woche das Abschlusskonzert bildet. Stabat Mater von Dvorak steht auf dem Programm, aufgeführt vom Chor des Bayerischen Rundfunks, dessen Orchester und vier Solisten. Einer der „klassischen Klassiker“ also. Die Anspannung im Saal ist aber nicht minder und die Erwartungen um einiges höher; nicht umsonst findet es in den edlen Räumen des KKL statt.

Bereits bei den ersten Tönen kommt die Gänsehaut, welche dank der exzellenten Leistungen auch anhält. Trotz des etwas trockenen Klanges des Konzertraumes, anders als im Kirchenschiff am Montagabend, kommt die Musik schön zur Geltung und zieht den vollen Saal in seinen Bann. Ein in sich völlig stimmiges Konzert mit schönem Gesang, passender Chorbegleitung, wunderschönen Kleidern und einem extraordinären Orchester.

Jung für jung, Alt für alt?

Auffallend ist hier nur, dass die Reporterin von tink.ch gefühlt die einzige Person unter 40 Jahren und in Jeans ist, was einen starken Kontrast zum anderen Konzert bildet. Wie das erste Konzert gezeigt hat, kann klassische Musik genauso junge Leute begeistern – ein Punkt an dem festgehalten werden sollte, schliesslich gilt es die Musiker von morgen zu fördern, die in ein paar Jahren auf derselben Bühne stehen werden.