Gesellschaft | 13.05.2015

Ein Geschenk an die Schweiz

Text von Anna Bachofner | Bilder von pixelio.de/ zvg
Wenn wir hierzulande über Asylsuchende sprechen, tun wir das meistens mit einem schalen Beigeschmack. Ihre Vielzahl und ihr Anderssein macht Angst! Wir sprechen von Schmarotzern, die nur profitieren wollen oder uns die Jobs wegnehmen. Doch ist das wirklich alles, was einen Asylsuchenden ausmacht?
Über Asylanten, Flüchtlinge und Menschen.
Bild: pixelio.de/ zvg

Oft ist das Image von Asylsuchenden negativ behaftet und auch der Begriff Flüchtling ruft in den meisten Fällen keine positiven Assoziationen hervor. Es sind Bilder von Menschen, welche ihrer Heimat entrissen wurden und aufgrund von Krieg oder einer Umweltkatastrophe, wie jüngst in Nepal, alles verloren haben. Meist werden diese Menschen als Opfer dargestellt und unterscheiden sich von uns – nebst ihrer zerrissenen Kleidung – durch ihren dunklen Teint oder ihre „andere“ Kultur.

 

Damit will ich nicht sagen, dass das Schicksal dieser Menschen beschönigt werden oder ihre Herkunft verschwiegen werden sollte. Ich bin lediglich davon überzeugt, dass hinter den Begriffen „Flüchtling“ und „Asylant“ mehr steckt als nur Opfersein und Schmarotzertum.

 

 

Medien und Flüchtlinge

Vor allem die Medien tragen einen wesentlichen Teil dazu bei, wie Flüchtlinge und Asylsuchende wahrgenommen werden. Gerade die Berichterstattung über die Flüchtlingstragödie, die sich seit Jahren an den Küsten Italiens abspielt, ist ein gutes Beispiel dafür. Obwohl laut „Spiegel“ alleine im Jahre 2014 ca. 3500 Menschen auf ihrer Reise nach Europa gestorben sind, braucht es immer wieder hohe Opferzahlen auf einen Schlag, um das Interesse der Medien zu wecken und das Leid der Flüchtlinge zu beklagen. Doch all diese Menschen sind viel mehr als nur Zahlen. Sie sind nicht nur Flüchtlinge, Opfer, Asylsuchende, sondern vielleicht auch Ehepartner, Mütter, Söhne, Lehrerinnen oder Ärzte.

 

Kein Mensch ist einfach nur Flüchtling! Vor ihrer Flucht haben vielleicht auch diese Menschen einen „normalen“ Alltag geführt. Gerade aus Syrien kenne ich viele Menschen mit einer guten Schulbildung. Ich kenne Asylsuchende, welche in ihrem Herkunftsland Anwalt, Krankenschwester, Informatikstudent, Barber oder Elektriker waren. Kein Mensch kann allein durch den Begriff „Flüchtling“ oder seine Aufenthaltsbewilligung charakterisiert werden!

 

 

Potenzial und Ressourcen

Ich habe während meines Zwischenjahres Deutsch für Asylsuchende gegeben und bin dabei vielen interessanten Menschen aus den verschiedensten Teilen der Welt begegnet – von Sri Lanka über Eritrea, Syrien und Afghanistan hin zu Tibet. Ich habe Menschen kennengelernt, die gerne Musik machen, tanzen oder kochen. Menschen mit teilweise schweren Schicksalen, mit Schwächen und Stärken. Menschen, welche die alltäglichen Freuden und Leiden des Lebens so gut kennen wie du und ich. Menschen eben!

 

Menschen mit viel Potenzial, das trotz widrigen Bedingungen immer wieder durchscheint. Sei es der erlernte Beruf, die Motivation, Deutsch zu lernen, oder die leckeren Gerichte ihrer Heimat, welche die Frauen an verschiedensten Anlässen stolz zubereiten. Vielleicht liegen ihre Ressourcen auch in der Liebe zu ihrer Familie und Freunden oder im Willen, sich in der Schweiz zurecht zu finden. All das kann als ein Geschenk an sich selbst aber auch an die Schweiz angesehen werden. Als Rechtfertigung für die immer wieder gestellte Frage nach dem „Warum-bist-du-hier?“.

 

Mein Geschenk

Wahrscheinlich gibt es unzählige dieser kleinen aber kostbaren Geschenke, die wir uns selbst aber auch anderen machen können. Dennoch ist es nicht immer einfach, solche Geschenke ausfindig zu machen. Was ist mein Geschenk an die Schweiz? Was kann ich gut? Und wie können wir ein Zusammenleben trotz Unterschieden möglich machen? Lasst mich mit diesem Text beginnen: Mein bescheidenes Geschenk!