Sport | 26.05.2015

Bilder für die Presse

Text von Ice Graf | Bilder von zvg
Peter Klaunzer trifft man oft im Stade de Suisse, wenn der BSC Young Boys seine Meisterschafts- oder Europa League Heimspiele austrägt. Nicht, weil er beim BSC YB arbeitet oder Spieler ist. Er ist Profifotograf.
Hier trifft man Peter Klaunzer am häufigsten an: Auf dem Fussballspielfeld. (
Bild: zvg

Er selbst ist Liechtensteiner. Das Licht der Welt erblickte er jedoch im Spital in Grabs im Kanton St. Gallen. Seine Kindheit verbrachte er im liechtensteinischen Ruggell. Die Grundschule absolvierte er ebenso im Ländle. Nach seiner Ausbildung zum Kaufmann Treuhand hängte er noch eine Ausbildung zum Informatiker an.

 

Das Fotografieren war bis dahin immer nur ein Hobby für ihn gewesen. Doch dann begann er jeweils während den Wochenenden für die Zeitung „Liechtensteiner Vaterland“ zu fotografieren. Zuerst ausschliesslich im Bereich Sport, später kamen andere Themen wie Kultur oder Lokales hinzu. Er wollte seine Zeit jedoch zukünftig intensiver der Fotografie widmen. Und so begann er die Ausbildung an der Journalistenschule MAZ in Luzern im Lehrgang Pressefotografie.

 

Fotograf oder doch Fussballer?

Das Fussballspielen war für Peter Klaunzer, ebenso wie zu Anfang das Fotografieren, auch nur ein Hobby. Und die Nationalmannschaft aus Liechtenstein „nur ein Amateurteam“, sagt er. Er spielte damals in der 2. Liga von Liechtenstein. Das erste Freundschaftsspiel war gegen die „Profimannschaft“ aus der Schweiz. Damals waren noch die grossen Namen wie Alain Sutter, Georges Breggy oder auch Stéphane Chapuisat mit von der Partie. Das Spiel verlor Liechtenstein damals mit 0:2.

 

Eines Tages beschloss der Liechtensteiner Fussballverband, an der Qualifikation für die Europameisterschaften in England teilzunehmen. Leider qualifizierte sich die Mannschaft nicht für die EM. Aber eine schöne Erinnerung an diese Zeit hat Klaunzer immer noch. Auch an das Spiel gegen Irland, eine der damals besten Nationalmannschaften Europas. Das Landsdowne Road Stadion war ausverkauft, es herrschte eine grossartige Stimmung. „Die Iren sind auch sehr fussballbegeistert und die Fussballfans waren sehr heiss auf das Spiel“, meint Klaunzer. Zwar verlor Liechtenstein das Spiel mit 0:4. Aber eine schöne Erfahrung war es für den damals 47-Jährigen allemal.

 

Seine Träume

Es stand nie zur Diskussion, Profifussballer zu werden, weil Klaunzer, als er in die Nationalmannschaft kam, schon 27 Jahre alt war. Als er bei der Journalistenschule angenommen wurde, wusste er sofort, dass er zukünftig ein Fotograf werden will. Sein Fussballspielen gab er auf. Im Laufe seiner Tätigkeit als Fotograf besuchte er viele große Sportanlässe wie die Olympischen Spiele oder Fussballweltmeisterschaften und erfüllte sich damit schon einige seiner Träume.

 

Doch andere sind bisher noch unerfüllt. „Klaunzi“, so lautet sein Spitzname, würde gerne das Wimbledon Tennisturnier oder gar ein Rugbyspiel ablichten. Peter Klaunzer ist nicht nur im Sportbereich erfolgreich unterwegs, sondern auch im politischen Alltag. Er fotografiert nicht nur schnelle Bälle, sondern auch weniger schnelle Politiker an den Bundesratspressekonferenzen oder den Sessionen des Parlaments. Er finde die Abwechslung sehr gut und es mache auch Spass. Vor allem, weil er sich für die Politik interessiere.

 

Bilder braucht es immer

Die Bilder von Klaunzer sind einmalig. Man weiss sofort, worum es geht und doch haben die Bilder zwei Facetten. Er versucht das Auge nicht immer nur auf das Wesentliche zu richten, sondern auch mal hinter die Kulisse zu schauen.

 

Die Journalistenschule MAZ widmete ihm 2014 eine Ausstellung mit einer Bildreihe, die den Titel „Komische Bilder“ trägt. Er habe sehr große Freude, wenn man seine Bilder sieht, sagt Peter Klaunzer. Dass seine Bilder auch an der MAZ ausgestellt wurden, wo er einst Schüler war, bedeute ihm viel. Schliesslich hatte auch er dort einst sein fotografisches Können erlernt.

 

Ihn erfreut es auch immer wieder, wenn er seine Bilder in der Zeitung sieht. Aber es mache ihn auch stolz, wenn die Bilder in einer Ausstellung zu sehen sind, da dies  seine eigene Arbeit bestätige. „Das Fotografieren wird mich immer begleiten“, sagt der Sportfotograf. Auch wenn er in Rente gehe, würde er immer noch fotografieren, es sei denn, die Gesundheit mache nicht mehr mit.

 

„Anders-Sehen“

Es gebe viele Fotografen, aber nur durch das „Anders-Sehen“ und möglicherweise auch durch die viele Geduld würde man mit der Fotografie weiter kommen, meint Klaunzer. Vor allem in einer Zeit mit Möglichkeiten wie Social Media, Smartphones und weiteren technischen Errungenschaften.

 

Das Leben eines Pressefotografen sei sehr abwechslungsreich. Man komme an Orte, die einem sonst verwehrt werden. Die Bilder seien seine Leidenschaft. Und glücklicherweise verdient er mit seiner Leidenschaft auch sein Geld.