Zweiundfünfzigster Brief aus Deutschland

Hallo Schweizer,

 

wir haben das Gefühl, dass uns keiner von Euch liest. Laut Erhebungen der Swisscom und Eures “Nachrichtendienstes” – der erstaunlich auskunftsfreudig ist – liegt die Gesamtleserschaft dieser Kolumne im kaum messbaren Bereich. Wir können das eigentlich gar nicht so recht glauben, weil wir uns immer so viel Mühe geben, und haben deshalb zusammen mit den oben genannten Institutionen ein Verfahren entwickelt, um die tatsächliche Resonanz dieser Briefe zu ermitteln.

 

Wir werden nun unserer Fantasie freien Lauf lassen und alle Beleidigungen, die uns im Zusammenhang mit der Schweiz und den Schweizern einfallen, hier unzensiert niederschreiben. Ihr dürft Euch übrigens alle persönlich angesprochen fühlen, wir unterscheiden bekanntlich nicht zwischen “guten” und “schlechten” Schweizern.

 

Das müsste eigentlich ausreichen, um einige böse Reaktionen von Euch zu erhalten und aus der Masse der Wut-Mails, die wir nun erwarten, eine exakte Zahl der Leserschaft hochrechnen zu können.

 

Los geht’s, Ihr Hohlköpfe:

Pissbacken

Arschlecker

Wichsmöhren

 

Oha, wird schon knifflig jetzt. Was gibt es denn noch so?

 

Arschlöcher

Deppen

Idioten

Dummköpfe

 

Hm. Moment, da gibt es doch noch viel mehr…

 

Spacken

Klowassertrinker

Fischfressen

Fickärsche

Idio— nee, hatten wir schon.

Blödmänner/-frauen

Scheißkerle/-tussis

Votzendings

 

Naja, das sollte ja nun auch mal reichen, um Euch so richtig auf die Palme zu bringen.

 

Okay, wir warten nun auf die Reaktionen von Euch. Gerne auch an info@eine-zeitung.net. Bitte nicht telefonisch, okay? Hier unten gibt es ja auch so ein Kommentarfeld, das könntet Ihr auch benutzen.

 

Jetzt sind wir mal gespannt. Ihr dürft übrigens auch immer daran denken, dass Tink von Steuermitteln unterstützt wird.

 

 

Danke, Ihr elenden Schluchtenscheißer,

 

Euer Euch verachtendes Deutschland.

Falsche Erwartungen an die Liebe?

Jeder Mensch möchte glücklich sein. Doch eigentlich ist Glück nur ein kurzfristiges, intensives Gefühl, welches oft von äusseren Ereignissen abhängig ist. In meinen Augen sollte man daher vor allem der Zufriedenheit Beachtung schenken, denn Zufriedenheit ist beständiger und – noch wichtiger – kommt von innen, was sie beeinflussbar macht. Zufriedenheit entsteht, wenn die Realität mit den Erwartungen einer Person übereinstimmt. Der naheliegende Schritt wäre es also, bei Unzufriedenheit das eigene Leben so zu verändern, dass es den Erwartungen entspricht. Das ist leichter gesagt als getan: Was, wenn gewisse Erwartungen schlicht nicht erfüllt werden können?

 

Ursprung der Erwartungen

Erwartungen sind die Prognosen einer vermuteten Zukunft. Diese Prognosen entstehen, weil uns entweder etwas versprochen wurde oder weil wir eine mögliche Zukunft bei anderen gesehen haben, die wir auch für uns wollen. Die so entstandenen Erwartungen können sich sowohl an uns selbst und unsere Lebensumstände wie auch an andere wie beispielsweise den Partner/die Partnerin richten.

 

Das Problem dabei ist, dass Erwartungen oft unbewusst entstehen und deshalb auch selten hinterfragt werden. Gerade in Hinblick auf die Liebe gibt es unzählige Vorbilder, mit denen wir täglich konfrontiert werden und die zu Erwartungsbildung führen. Einerseits sind da die (Traum-)Paare, mit denen wir in Filmen, Büchern, Serien und Werbung konfrontiert werden. Andererseits erhalten wir dank Social Media mehr Einblicke in das Privatleben anderer als jemals zuvor.

 

Ob nun aus Fiktion oder “Realität”, viele der Beziehungen weisen Aspekte auf, welche unseren Bedürfnissen entsprechen und die wir uns auch im eigenen Leben wünschen. Dadurch entsteht ein Bündel von Ansprüchen, die wir an die soziale Rolle “Partner/in” richten.

 

Eine/r für alles?

Ich wage aber die Behauptung aufzustellen, dass ein Mensch allein gar nicht alle Ansprüche seines Gegenübers erfüllen kann, zumal diese oft auch widersprüchlich sind. Wer also erwartet, dass sich der Partner bzw. die Partnerin aller Bedürfnisse der eignen Person annimmt, wird zwangsläufig unzufrieden, was für eine Beziehung ein schlechtes Fundament ist.

 

Dass ein Mensch alleine nicht alle Bedürfnisse erfüllen kann, ist aber keine traurige Feststellung – im Gegenteil. Denn diese Erkenntnis führt dazu, dass auch den anderen Menschen im Leben ein bewusst hoher Stellenwert eingeräumt wird. Menschen wie eine beste Freundin, die für jede Gefühlslage die richtigen Worte findet. Menschen wie einer Schwester, die sich für dieselben Filme begeistern kann. Menschen wie gute Freunde, die bei einem gemütlichen Abendessen ewig sitzen bleiben und diskutieren.

 

Zufriedenheit im Backstage-Bereich

Es geht aber nicht darum, eine Beziehung ohne Erwartungen oder Ansprüche an den anderen zu führen, sondern darum, die richtigen Ansprüche zu finden. Es gibt ein Zitat vom Pastor Steven Furtick, das ein typisch menschliches Problem beschreibt und gerade in Social Media-Zeiten aktuell ist: “Der Grund warum wir mit Unsicherheit kämpfen ist, dass wir unseren Backstage-Bereich mit der Bühnenshow aller anderen vergleichen”.Genau wie ein Grossteil der Erwartungen an uns selbst, entstehen auch viele Erwartungen an eine Beziehung durch den Vergleich mit dem, was wir bei anderen zu sehen glauben. Für eine gesunde Erwartungsbildung ist es daher unvermeidlich, dass die “Bühnenshow” anderer kritisch hinterfragt und so weit wie möglich ausgeblendet wird.

 

Stattdessen sollten wir uns darauf konzentrieren, welche Merkmale für uns selbst den Kern einer Liebesbeziehung ausmachen. Für mich persönlich sind es unter anderem gegenseitigen Respekt, Vertrauen, das Gefühl geliebt zu werden und nicht zuletzt auch Freundschaft. Eine Erfüllung dieser individuellen Erwartungen an eine Beziehung ist nicht selbstverständlich und daher unglaublich wertvoll. In diesem Bewusstsein werden wir auch nicht unzufrieden, wenn wir ins Scheinwerferlicht anderer Beziehungen schauen.

Schafft es die Linke zurück nach Bern?

Die Nationalratswahlen 2011 wurden für die Linke im Kanton Zug zur Enttäuschung. Der national profilierte, Grün-Alternative Jo Lang schaffte trotz Listenverbindung mit den Sozialdemokraten die Wiederwahl nicht. Für die Alternative – die Grünen Zug ist jedoch klar, dass “die jetzigen drei Nationalräte nicht für die gesamte Zuger Bevölkerung stehen”, wie die Partei in ihrer Medienmitteilung schreibt.

 

Bei den Genossen hatte die erneute Zusammenarbeit mit den Grünen zu Diskussionen geführt. Nach den Wahlen 2011 hatten die Grünen die SP für die Abwahl Jo Langs verantwortlich gemacht. Schlussendlich haben sich die Parteien nun auf eine Listenverbindung geeinigt, sie treten jedoch mit eigenen Listen an. Spitzenkandidaten sind der Grüne Andreas Lustenberger, Co-Präsident der Jungen Grünen und der SP-Mann Hubert Schuler, ein ehemaliger Kantonsratspräsident. Keine Überraschung ist die Nicht-Nominierung von Jolanda Spiess-Hegglin. Die Kantonsrätin war nach der Landamman-Feier Ende 2014 ins mediale Kreuzfeuer geraten.

 

Ausgangslage

Der Kanton Zug stellt drei Sitze für den Nationalrat. Mit grosser Wahrscheinlichkeit wiedergewählt wird CVP-Mann Gerhard Pfister. Seine Partei holt im Kanton Zug regelmässig die meisten Stimmen, zudem ist Pfister national durch sein rechtsbürgerliches Profil einer der bekanntesten CVP-Nationalräte. Auch Thomas Aeschi von der SVP dürfte die Wiederwahl aufgrund der Wählerstärke seiner Partei problemlos schaffen. Bleibt also der Sitz der FDP, der momentan von Bruno Pezzatti gehalten wird.

 

Falls die Linke einen Sitz zurückerobert, dann höchstwahrscheinlich auf Kosten des Freisinns. Ob dies gelingt, wird im Endeffekt auch von den Listenverbindungen abhängig sein. Wie wichtig die Stimmen des Listenpartners sein können, haben die letzten Wahlen gezeigt. 2011 erzielte die Zuger FDP rund 3000 Stimmen weniger als das Linke Bündnis.

 

Doch die FDP profitierte von der CVP, mit der sie eine Listenverbindung eingegangen war. Gemeinsam holten die beiden Parteien genug Stimmen für zwei Sitze, was in je einen Sitz für CVP und FDP resultierte. Jo Lang und die Alternativen hatten das Nachsehen. Entsprechend stellt sich auch für 2015 die Frage: Spannen CVP und FDP zusammen? Das Resultat der Verhandlungen werde spätestens im Juli bekannt gegeben, wie CVP-Kantonalpräsident Martin Pfister sagt.

 

Die kantonale Situation

Ein Blick auf die kantonalen Wahlen: Zug hatte im Herbst 2014 gewählt. 76’521 Stimmen hatte die Linke erzielt, die FDP derer 69’028. Die Linke hatte also deutlich vor der FDP gelegen. Die Zahlen sind jedoch nur bedingt mit denen der nationalen Wahlen zu vergleichen, da bei kantonalen Wahlen auf Gemeindeebene gewählt wird und die Stimmbeteiligung üblicherweise deutlich tiefer liegt.

 

Im Umkehrschluss sind nationale Trends wie der aktuelle Höhenflug der FDP immer mit Vorsicht auf konkrete kantonale Fälle zu projizieren. So darf die Parteienlandschaft des Kantons Zug durchaus als Sonderfall eingestuft werden. Die CVP beispielsweise gibt sich im Kanton Zug deutlich wirtschaftsfreundlicher als auf nationaler Ebene und ist die stärkste Partei des Kantons.

 

Ebenfalls erwähnenswert ist das Verhältnis zwischen Grünen und Sozialdemokraten: Die Alternative – die Grünen sind im Kanton Zug deutlich wählerstärker als im nationalen Vergleich. Dies vor allem auf Kosten der SP, welche seit 2007 auch nicht mehr in der Zuger Regierung vertreten ist.

 

 

Präsidentieller Krieg in Jemen

In Jemen herrscht Krieg. Ein Glaubenskrieg sowie ein Machtkrieg. Die beiden Konfliktparteien dieser Auseinandersetzung sind das mehrheitlich sunnitisch geprägte Saudi-Arabien und die schiitischen, jemenitischen Huthi-Rebellen. Begonnen hat den Krieg Saudi-Arabien mit der Bombardierung des Jemens vor mehr als einem Monat. Das Ziel der Luftangriffe ist die Ausschaltung der sogenannten Huthi-Rebellen.

 

Bombardiert werden Stützpunkte der Huthi-Rebellen, getötet jedoch auch viele Zivilisten, weshalb Saudi-Arabien für diese Aktion von Organisationen wie der United Nations Children`s Fund (Unicef) stark kritisiert wird. Die Organisation kritisiert: “Der Konflikt verschlechtert die bereits prekäre Situation der Kinder in Jemen.”

 

Auch Entführungen sind in Jemen nicht unüblich und häufen sich durch die Kriegswirren. Aus diesem Grund rät das Eidgenössische Departement für auswärtige Angelegenheiten von Reisen nach Jemen ab und fügt an, dass ein Risiko von terroristischen Akten sowie gewalttägigen Zusammenstössen bei Demonstrationen bestehe.

 

Keine Waffenruhe und Präsident geflüchtet

Saudi-Arabien beschränkte sich bisher auf Luftangriffe. Bodentruppen wurden nicht entsandt. Die Luftangriffe dauern an, obwohl die saudische Regierung am 21. April einen Waffenstillstand beschloss. Dieser wurde von der Bevölkerung jedoch kaum wahrgenommen, da er nur von sehr kurzer Dauer war. Eine erneute – und diesmal viel erfolgreichere, aber dennoch nicht überall durchgeführte Waffenruhe fand Anfang Mai statt. Sie dauerte fünf Tage.

 

Am 18. Mai berichtete die Organisation Médecins sans frontièrs von 1`600 Verwundeten in den jemenitischen Städten Aden, Amran, Hajja and Al-Dhale. Die Gründe für die Bombardierungen sind nicht nur die religiösen Differenzen der beiden Staaten, sondern auch, dass die Rebellen den Präsidenten Jemens, Abed Rabbo Mansur Hadi, gestürzt haben. Hadi wiederum wurde von den Saudis unterstützt, da er wie Saudi-Arabien sunnitisch geprägt ist. Die Huthi-Rebellen werden von ehemaligen ebenfalls schiitischen Präsidenten Ali Abdullah Salih unterstützt.

 

Der nun zurückgetretene Präsident Hadi floh nach Aden, eine Hafenstadt im Süden Jemens. Als die Huthi-Rebellen auch diese Stadt angriffen, flüchtete Hadi nach Saudi-Arabien. Hadi genoss grosse Unterstützung von vielen Seiten, nebst Saudi-Arabien auch von den USA. Die jemenitische Bevölkerung hatte Hadi 2012 mit 99.8 Prozent zum Präsidenten gewählt. Diese Zahl ist mit Vorsicht zu geniessen, da Hadi der einzige antretende Kandidat war.

 

Fremde Unterstützung

Obwohl offiziell nur Saudi-Arabien und Jemen in den Krieg involviert sind, unterstützen die USA und Grossbritannien Saudi-Arabien. Das britische Aussenministerium gab am 15. April die Unterstützung zu und begründet diese mit einem Hilferuf Hadis. Trotzdem sagt der britische Botschafter Mark Lyall Grant, schlussendlich müsse die Lösung eine politische sein. Die Situation könne folglich nicht durch Waffenlieferungen oder Kriegstruppen, sondern nur durch politische Verhandlungen gelöst werden Zudem will Grossbritannien gemeinsam mit der UNO Sanktionen gegen Einzelpersonen, die Jemen destabilisieren, verhängen, und fordert die jemenitischen Parteien auf, diese zu unterstützen.

 

Aber nicht nur Saudi-Arabien, auch die Huthi-Rebellen erhalten Unterstützung für den Krieg. Der schiitisch geprägte Iran soll den Rebellen Waffen liefern. Bis zum heutigen Tag liegen keine Beweise für diese Aussage vor, und obwohl es möglich wäre, dass der Iran die ihm religiös näheren Huthi-Rebellen unterstützt, gibt es auch einige Argumente gegen diese Version der Geschichte. Eines davon ist, dass die Huthi-Rebellen zwar schiitisch, jedoch zaiditisch ausgerichtet sind. Zaiditen sahen Zaid ibn Ali als ihren fünften Imam an, während der Grossteil der restlichen Schiiten seinen Bruder Muhammad al-Baqir, als ihr religiöses Oberhaupt ansehen. In einem weiteren Punkt sind sich die Zaditen und die Schiiten nicht einig. Die Zaditen sind der Meinung dass jeder, der seine Abstammung mit jener Alis verknüpfen kann, eine  politisch-religiöse Vormachtstellung haben könnte. Die Schiiten sehen dies etwas enger. Für sie darf nur ein direkter Nachfahre Alis die Vormachtstellung haben.

 

Nicht nur die Huthi-Rebellen sind Zaditen, sondern auch der ehemalige Präsident Jemens Ali Abdullah Salih, der sie tatkräftig unterstützt. Elham Manea, Professorin für Politikwissenschaften an der Uni Zürich, hat jemenitische Wurzeln und kennt sich mit der Lage im Jemen aus. Sie schreibt in ihrem Artikel  “Auf dem Weg zum Stellvertreterkrieg?”, dass die Huthi-Rebellen niemals so viel Territorium erobert hätten, wenn Salih sowie grosse Teile des Militärs, welche immer noch loyal zu ihm stehen, sie nicht unterstützt hätte. Zudem schreibt Manea, es handle sich um einen Stellvertreterkrieg zwischen dem Iran und Saudi-Arabien.

 

Besserung nicht in Sicht

Verhandlungen, um den Krieg möglichst schnell zu beenden, sind momentan sehr schwierig. Die Huthi-Rebellen sowie ihr Unterstützer Salih zeigen keinerlei Interesse an solchen Gesprächen. Zuletzt boykottierten die Rebellen eine Unterredung im saudi-arabischen Riyadh am 17.Mai. Für den 28.Mai hat die United Nations Organisation (UNO) ein Gespräch in Genf angesetzt. Wer daran teilnehmen wird ist derzeit noch unklar. Elham Manea schreibt, ohne die Erzielung von Verhandlungsergebnissen könnte der Jemen zerfallen.

 

Die Situation vor Ort sei jetzt schon dramatisch, berichten Ortsansässige wie der Aktivist Hisham Al-Omeisy. “Die Koalition bombardierte gestern eine Schule in Faj Attan. Wer braucht schon Bildung, wenn wir verrückte und ungebildete Huthis haben?”, schrieb der Aktivist am Sonntag auf Twitter. Auch die Menschenrechtsjournalistin Shatha Al Harazi lässt ihren Gefühlen auf Twitter freien Lauf. “In den Kühlkammern der Krankenhäuser der Stadt Taiz hat es keinen Platz mehr für Leichen”, schreibt sie. Zudem berichtete sie in mehreren Tweets, wie schwierig es sei, ein Visum für ein anderes Land zu bekommen. So sei es für einen Jemeniten etwa so schwierig, ein Visum in Ägypten oder Äthiopien zu bekommen, wie für ein unter Terrorismusverdacht stehendes Land, ein Visum in den USA zu erhalten.

 

Eine Besserung der Situation ist nicht in Sicht. Es besteht jedoch die Möglichkeit, dass die EU mit Sanktionen etwas erreichen könnte, sollte sie diese nach britannischem Vorbild einführen. Denn Grossbritannien hat damit begonnen, Einzelpersonen zu sanktionieren und dem Jemen vorgeschlagen, dies auch zu tun. Zieht die EU mit, könnte dies die Rebellen hart treffen.

 

Bilder für die Presse

Er selbst ist Liechtensteiner. Das Licht der Welt erblickte er jedoch im Spital in Grabs im Kanton St. Gallen. Seine Kindheit verbrachte er im liechtensteinischen Ruggell. Die Grundschule absolvierte er ebenso im Ländle. Nach seiner Ausbildung zum Kaufmann Treuhand hängte er noch eine Ausbildung zum Informatiker an.

 

Das Fotografieren war bis dahin immer nur ein Hobby für ihn gewesen. Doch dann begann er jeweils während den Wochenenden für die Zeitung “Liechtensteiner Vaterland” zu fotografieren. Zuerst ausschliesslich im Bereich Sport, später kamen andere Themen wie Kultur oder Lokales hinzu. Er wollte seine Zeit jedoch zukünftig intensiver der Fotografie widmen. Und so begann er die Ausbildung an der Journalistenschule MAZ in Luzern im Lehrgang Pressefotografie.

 

Fotograf oder doch Fussballer?

Das Fussballspielen war für Peter Klaunzer, ebenso wie zu Anfang das Fotografieren, auch nur ein Hobby. Und die Nationalmannschaft aus Liechtenstein “nur ein Amateurteam”, sagt er. Er spielte damals in der 2. Liga von Liechtenstein. Das erste Freundschaftsspiel war gegen die “Profimannschaft” aus der Schweiz. Damals waren noch die grossen Namen wie Alain Sutter, Georges Breggy oder auch Stéphane Chapuisat mit von der Partie. Das Spiel verlor Liechtenstein damals mit 0:2.

 

Eines Tages beschloss der Liechtensteiner Fussballverband, an der Qualifikation für die Europameisterschaften in England teilzunehmen. Leider qualifizierte sich die Mannschaft nicht für die EM. Aber eine schöne Erinnerung an diese Zeit hat Klaunzer immer noch. Auch an das Spiel gegen Irland, eine der damals besten Nationalmannschaften Europas. Das Landsdowne Road Stadion war ausverkauft, es herrschte eine grossartige Stimmung. “Die Iren sind auch sehr fussballbegeistert und die Fussballfans waren sehr heiss auf das Spiel”, meint Klaunzer. Zwar verlor Liechtenstein das Spiel mit 0:4. Aber eine schöne Erfahrung war es für den damals 47-Jährigen allemal.

 

Seine Träume

Es stand nie zur Diskussion, Profifussballer zu werden, weil Klaunzer, als er in die Nationalmannschaft kam, schon 27 Jahre alt war. Als er bei der Journalistenschule angenommen wurde, wusste er sofort, dass er zukünftig ein Fotograf werden will. Sein Fussballspielen gab er auf. Im Laufe seiner Tätigkeit als Fotograf besuchte er viele große Sportanlässe wie die Olympischen Spiele oder Fussballweltmeisterschaften und erfüllte sich damit schon einige seiner Träume.

 

Doch andere sind bisher noch unerfüllt. “Klaunzi”, so lautet sein Spitzname, würde gerne das Wimbledon Tennisturnier oder gar ein Rugbyspiel ablichten. Peter Klaunzer ist nicht nur im Sportbereich erfolgreich unterwegs, sondern auch im politischen Alltag. Er fotografiert nicht nur schnelle Bälle, sondern auch weniger schnelle Politiker an den Bundesratspressekonferenzen oder den Sessionen des Parlaments. Er finde die Abwechslung sehr gut und es mache auch Spass. Vor allem, weil er sich für die Politik interessiere.

 

Bilder braucht es immer

Die Bilder von Klaunzer sind einmalig. Man weiss sofort, worum es geht und doch haben die Bilder zwei Facetten. Er versucht das Auge nicht immer nur auf das Wesentliche zu richten, sondern auch mal hinter die Kulisse zu schauen.

 

Die Journalistenschule MAZ widmete ihm 2014 eine Ausstellung mit einer Bildreihe, die den Titel “Komische Bilder” trägt. Er habe sehr große Freude, wenn man seine Bilder sieht, sagt Peter Klaunzer. Dass seine Bilder auch an der MAZ ausgestellt wurden, wo er einst Schüler war, bedeute ihm viel. Schliesslich hatte auch er dort einst sein fotografisches Können erlernt.

 

Ihn erfreut es auch immer wieder, wenn er seine Bilder in der Zeitung sieht. Aber es mache ihn auch stolz, wenn die Bilder in einer Ausstellung zu sehen sind, da dies  seine eigene Arbeit bestätige. “Das Fotografieren wird mich immer begleiten”, sagt der Sportfotograf. Auch wenn er in Rente gehe, würde er immer noch fotografieren, es sei denn, die Gesundheit mache nicht mehr mit.

 

“Anders-Sehen”

Es gebe viele Fotografen, aber nur durch das “Anders-Sehen” und möglicherweise auch durch die viele Geduld würde man mit der Fotografie weiter kommen, meint Klaunzer. Vor allem in einer Zeit mit Möglichkeiten wie Social Media, Smartphones und weiteren technischen Errungenschaften.

 

Das Leben eines Pressefotografen sei sehr abwechslungsreich. Man komme an Orte, die einem sonst verwehrt werden. Die Bilder seien seine Leidenschaft. Und glücklicherweise verdient er mit seiner Leidenschaft auch sein Geld.

Nachhaltigkeit an Schulen

Was braucht die nächste Generation, um den zukünftigen Herausforderungen sinnvoll begegnen zu können? Darüber haben sich Lehrpersonen und Schulleitungen, Vertreter und Vertreterinnen der Bildungsverwaltung sowie Bildungsfachleute und weitere ausserschulische Vertretende am Horizons 21 Kongress ausgetauscht.

 

Zentrales Thema war die Bildung für Nachhaltige Entwicklung (BNE). Sie ist ein Verfassungsauftrag des Bundes. BNE setzt sich dafür ein, dass Themen wie Klimawandel, Aids, Migration, sowie Wirtschaftliche Krisen an den Schulen thematisiert werden. Dabei soll das Verständnis der Schülerinnen und Schüler für die heutigen Herausforderungen gefördert werden. Einerseits geht es um Nachhaltigkeit, andererseits um Bildung. Zentral dabei sind aber auch die Verflechtungen von Ökologie, Ökonomie und Gesellschaft.

 

Herausforderungen der Zukunft

BNE will dafür sorgen, dass die Schülerinnen und Schüler den globalen Herausforderungen der Zukunft sinnvoll begegnen können. Dabei sollen das Verständnis für die Zusammenhänge und kritisches Denken der Schülerinnen und Schüler gefördert werden. Es gehe nicht darum zu sagen, was richtig oder falsch, gut oder böse sei, betont Christoph Frommherz, Mitarbeiter Kommunikation der Stiftung Éducation 21. Vielmehr soll der nächsten Generation alles mit auf den Weg gegeben werden, damit diese selbst entscheiden kann.

 

“Das, was den Schülerinnen und Schülern vermittelt wird, hilft ihnen, sich eine eigene Meinung zu bilden”, sagte Daniella Tilbury, Professorin an der Universität Gloucestershire, den Workshop-Teilnehmenden. Sie ist es auch, die betont: “Zu verstehen warum wir so denken, wie wir es tun, ist eine wichtige Erkenntnis.”

 

Ökonomische Ökologie, ökologische Ökonomie

Am Kongress fanden breit gefächerte Diskussionen statt. “Eine der Schwierigkeiten ist der Umgang mit dem Komplexitätsgehalt”, sagt Christoph Eymann, Regierungsrat des Kantons Basel Stadt und Präsident der Konferenz kantonaler Erziehungsdirektoren. BNE soll im Lehrplan 21 integriert, jedoch kein eigenes Fach werden. Dazu ist das Thema definitiv zu breit gefächert. Denn es soll nicht nur die Gesellschaftsperspektive allein, sondern auch die der Ökonomie Einzug in die zukünftige Bildung finden.

 

Doch wo findet sich die Wirtschaft in einem scheinbar rein ökologischen Thema? Jürg Zellweger vom Arbeitgeberverband Schweiz zeigt die ökonomische Sicht auf. “Alles muss auch einen Nutzen haben. Deshalb soll auch der Mehrwert von BNE aufgezeigt werden”, sagt er. Über den Mehrwert gibt Zellweger im Interview ausführlich Auskunft.

 

“Toilettenpapier ist sehr relevant.”

So ernst die Themen der Zukunft auch sind, der Kongress findet dennoch in einer sachlichen aber lockeren Atmosphäre statt. Albin Kälin, CEO von EPEA Schweiz, die sich mit der internationalen Umweltforschung auseinandersetzt, setzt sich für eine Welt ohne Abfall ein. Abfälle sollen nicht einfach nur vermindert und rezykliert werden, sondern erst gar nicht entstehen. Statt von der Wiege bis zur Bahre, sollen die Produkte von der Wiege komplett in die nächste Wiege wandern. Auch wenn es utopisch klingt: Bei Toilettenpapier zu beginnen scheint nicht verkehrt zu sein. Kälin betont: “Nicht gerade ein sexy Thema, aber Toilettenpapier ist sehr relevant.”

 

Kongressbericht


https://www.youtube.com/watch?v=I120bIaMXGI&feature=youtu.be

Video: Matthias Käser 

Ermöglicht durch Horizons21

                                                                 


Die Stiftung Éducation21 unterstützt als nationales Dienstleistungs- und Kompetenzzentrum die Umsetzung von Bildung für Nachhaltige Entwicklung (BNE) in der Schweiz.

http://www.education21.ch/de/home

Einundfünfzigster Brief aus Deutschland

Hallo liebe Schweizerinnen und Schweizer,

 

hier sind wir wieder. Haben Sie uns vermisst? Erinnern Sie sich überhaupt noch an uns?

 

Wir sind’s, die Deutschen!

 

Na, Sie wissen schon – wir sind die, die Ihnen seit gefühlten zwölf Jahren jeden Freitag nette Briefe schreiben.

 

Wir waren in den vergangenen vier Wochen im Urlaub, haben fremde Länder bereist (alle bis auf die Schweiz), haben gut von unseren Gagen gelebt, die uns diese wöchentliche Kolumne beschert, und konnten einfach mal abschalten, was ja zwischendurch auch sehr wichtig ist.

 

Tja, aber jetzt sind wir wieder zurück. Und Sie glauben gar nicht, was wir alles zu erzählen haben. In vier Wochen passiert bekanntlich so allerhand!

 

Wir hoffen, Sie haben viel Zeit mitgebracht. Da wir Sie….oh Moment mal, wenn wir uns recht entsinnen, haben wir uns doch im vorletzten Brief darauf geeinigt, uns zukünftig duzen zu wollen, nicht wahr? Mensch, wie viel man in einem Monat vergisst.

 

Also, da wir EUCH (!) nicht langweilen wollen, haben wir uns überlegt, Euch einfach an unserem Urlaub etwas teilhaben zu lassen. Und zwar in Form von einzigartigen und beeindruckenden Urlaubsbildern. Wir hoffen, der Tink-Server ist dazu fähig, die Fotos sauber hochzuladen. Aber da haben wir wenig Sorge. Die Schweiz ist bekanntlich ein mehr als fortschrittliches Land.

 

So, hat jeder Popcorn und Cola? Also, los geht’s:

 

 

 

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Hier sehen Sie die Autoren dieser Kolumne vor einem traumhaften Panorama in Zaculeu, Guatemala. Im Hintergrund die Hauptpyramide der Mam-Maya.

 

 

 

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Hier einer der Autoren beim Versuch in Lima auf einem Kamel zu reiten (man beachte das linke Bein).

 

 

 

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Unschwer zu erkennen: Die chinesische Mauer. Die zwölf reizenden Damen zwischen uns gehörten zu einer Reisegruppe aus Kanada, die wir kennen- und lieben gelernt haben.

 

 

 

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Oh, das sollte eigentlich nicht gezeigt werden. Schnell weiter:

 

 

 

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Ja, das war krass! Da sind wir in einen Sandsturm geraten. Zum Glück hatte unser Fahrer (links) den rettenden Einfall, in dieser Scheune:

 

 

 

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Schutz zu suchen. Dort trafen wir lustigerweise auf einen amerikanischen Wissenschaftler:

 

 

 

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, mit dem wir dann drei Tage verbracht haben.

 

 

 

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Joah, Ägypten halt.

 

 

 

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Auch etwas, was man mal gesehen haben sollte: gleich drei (!) süße Babys hat diese Panda-Dame zur Welt gebracht! Ein äußerst seltenes Ereignis! Dass wir das live miterleben durften, ist ein Geschenk! Hätten wir in Mozambique auch am wenigsten erwartet.

 

 

 

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Holla, das war ein heißer Tag in Belgrad. Da haben wir auch mal unsere Pullover ausgezogen und uns etwas gesonnt.

 

 

 

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Beim Tauchen vor der Küste Balis. Interessant ist dieser Fisch da rechts! Der leuchtet echt so, kein Photoshop!

 

 

 

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Und wenn man mal richtig gut essen möchte: this is the place to be! Unschwer zu erkennen: satt wurden alle.

 

Am Schluss waren wir übrigens ganz in Ihrer – sorry, in Eurer Nähe. Wir waren bei den Salzburger Festspielen und überlegten kurz, zu Euch rüber zu hüpfen, haben uns dann aber gedacht: nein. Lieber zurück nach Casablanca, das wir viel zu früh verlassen hatten.

 

 

Ja, Ferien sind was Feines!

 

Nächste Woche belehren wir Euch dann wieder.

 

 

Bis dann, und viele Grüße,

 

Euer braungebranntes Deutschland

Mit Hitler gegen die Stipendieninitative

Mit falschen Mitstreitern machte ein Komitee von Studierenden gegen die Stipendieninitiative auf ihrer Website Kampagne. Unter den vermeintlichen Gegnern befand sich auch Pascal Bührig, Mitglied der Juso Kanton Zürich. Pascal betont, dass er weder gegen die Initiative ist, noch sich im Komitee eingetragen habe. Nur wenige Stunden nach dem Start der Webseite des Komitees gegen die Stipendieninitiative fiel der Fehler auf.

 

Simon Scherrer, Co-Präsident up!schweiz und Administrator der Webseite, zeigte sich kooperativ und löschte Pascal Bührig auf dessen Bitte sogleich aus der Liste. Währenddessen machte der Fauxpas auf den Sozialen Medien die Runde. Auch Adolf Hitler wollte sich am Komitee beteiligen. Stunden später fand sich auch ein gewisser Hans Yolo auf der Liste.

 

Um sich in diese eintragen zu lassen, sind einzig ein Vorname sowie Name und eine Email-Adresse notwendig. Noch ehe dieser Artikel fertiggeschrieben war, verschwand auch Herr Yolo aus der Liste. Ebenso wurde Adolf Hitler mittlerweile gelöscht.

 

Stipendien: Wem nützts?

Doch das ist nicht der einzige Mangel der Webseite. Das Komitee beschreibt das Problem der Stipendien wie folgt: “Studiensubventionen helfen vor allem Menschen aus guten Haushalten, noch reicher zu werden – auf Kosten aller, also auch meist finanziell schlechter gestellten Menschen.”

 

Eine unschlüssige Argumentation, denn Stipendien werden nur an Menschen vergeben, die eben nicht aus “guten Haushalten” stammen. Stipendien werden den Studierenden aus wohlhabenden Familien nicht einmal dann gewährt, wenn sich deren Eltern weigern, die Studiengebühren zu bezahlen. Wollen Studierende dennoch ihr Anrecht auf Stipendien geltend machen, so müssen sie gegen ihre Eltern klagen.

 

Gegen die Initiative oder gegen die Stipendien selbst?

Der Argumentationsstruktur ist zu entnehmen, dass es die Gegner scheinbar nicht auf die Initiative selbst, sondern viel mehr auf die Stipendien an sich abgesehen haben. Zumindest mutet dies der Text auf der Webseite an. So schreibt das Komitee, dass auch das heutige Modell der Studienfinanzierung bereits zum grössten Teil aus der künstlichen Verbilligung von Studiengängen für Studierende bestehe. Dadurch würden die privaten Bildungsangebote verdrängt.

 

Die Stipendieninitiative richte mit ihrem Zentralisierungseifer mehr Schaden an, als sie nütze, lässt sich Sina Rüdisüli, Mitglied des Komitees und Studentin an der Zürcher Hochschule der angewandten Wissenschaften, zitieren. Dies ist ganz nach Mörgelis Vorbild. Er empfand an Podiumsdiskussion vom 7. März an der ETH die Stipendieninitiative als Bedrohung für den Föderalismus. Geht es es nach Mörgeli, so soll die Zentralisierung der Bildung verhindert werden.

 

Zugang für alle

In einem Punkt sind die Gegner mit den Initianten einig. “Finanziell Schwache”, so das Komitee, sollen nicht von einem Studium abgehalten werden. Doch indem sich das Komitee gegen die Initiative ausspricht, unternimmt es einen Schritt in die andere Richtung. National geregelte, gleich hohe Stipendienbeiträge und Zugänge will es zu verhindern wissen.

 

In erster Linie will das Komitee mehr Kostenwahrheit und Fairness bei der Studienfinanzierung schaffen. Interessant ist dabei auch das Wort “Fairness”. Denn genau diese fordert auch die Initiative des VSS ein: Fairness angesichts der Tatsache, dass derzeit die Zulassungsbestimmungen, die Einkommensfreibeträge und die Stipendienhöhen von Kanton zu Kanton variieren. Dies soll bei Annahme der Initiative der Vergangenheit angehören.

 

Auch Christoph Mörgeli sprach an der Podiumsdiskussion im März die Gerechtigkeit an: “Was ist schon gerecht?”, fragt er rhetorisch. Auf Nachfrage von Tink.ch beantwortet er seine eigene Frage mit: “Wollten wir gerecht sein, müssten wir alles gleich verteilen und was wäre das denn für eine Welt?”, und erntet dafür alles andere als Beifall.

 

Bad ohne Wasser

Ein mächtiger Betonklotz im für die 70er Jahre typischen Baustil kommt mir entgegen, als ich auf das Neubad zu schlendere. Beim Näherkommen sieht dieses schon freundlicher aus: Überall vor dem Eingang stehen Blumentöpfe, Fähnchen, bunte Tische, viele kreative Plakate sowie eine grosse, bizarre Skulptur.

 

Beim Eintreten in das etwas dunkle Gebäude werde ich von der Barmitarbeiterin herzlich begrüsst, bekomme gleich einen Kaffee spendiert und wir finden schnell ins Gespräch. Währenddessen warte ich auf meinen eigentlichen Gesprächspartner, Betriebschef Dominic Chenaux. Sie fragt mich, ob ich öfters im Neubad bin, was ich bejahe, und wir plaudern ein wenig über die kleine Oase an der Bireggstrasse in Luzern.

 

Doch das Neubad ist nicht nur ein in eine Bar umfunktioniertes Hallenbad, sondern noch viel mehr, wie mir Chenaux anschliessend erklärt: “Grundsätzlich ist es ein Hallenbad, einfach ohne Wasser. Es beinhaltet heute aber mehrere Geschäftsfelder. Da hätten wir mal den Vorplatz und das Bistro als Empfang und Herzstück des Hauses. Rechts vom Bistro befindet sich eine Galerie, die noch an Gewicht gewinnen wird. Dann, wenn man weiter nach hinten geht, kommt man in den Atelier-Bereich mit 100 Prozent Auslastung, wo verschiedene Firmen, aber auch NGO’s, Vereine und Private sich einmieten.” Ganz schön vielfältig also!

 

Chaos bieten Platz für Kreativität

Doch das ist nicht alles – weiter gibt’s einen Co-Working-Bereich, ein Fotolabor, ein Fotostudio, andere Ateliers und natürlich den grossen Pool, der zu jedem Schwimmbad gehört. In dem finden, wie Chenaux weiter erzählt, alle grossen Veranstaltungen statt. Der Pool kann auch für eigene Veranstaltungen gemietet werden. Ausserhalb des Bades gibt es ein weiteres Projekt, den Neugarten, ein Urban Gardening Projekt, das sich auf dem Hintergarten und den umliegenden Verkehrsinseln findet.

 

Und der wichtigste Ort, das ist jener der Ideen, des Know-Hows und der Erfahrungen: in den Köpfen des Netzwerkes, wo alles zusammengetragen und entwickelt wird. Das ist laut dem Betriebschef das Ziel: “Ein kulturell-kreatives-Wirtschaftshaus, welches nicht einer alleine konzipiert und programmiert. Was da drin läuft, soll auch hier drin entstehen.” Wer sich jetzt ein kunterbuntes, geordnetes Chaos mit viel Platz für Kreativität und Anlässe jeder möglicher Art vorstellt, liegt genau richtig!

 

Keine Subventionen

Dennoch ist nicht alles so rosig, wie es scheinen mag. Da das Neubad ursprünglich nicht für anderweitige Aktivitäten gedacht war, fallen infrastrukturelle Mängel an, die viele Kosten verursachen. “Da wir einen Selbstdeckungsgrad von 100 Prozent haben, zahlen wir alleine für den Unterhalt rund 170’000 Franken im Jahr”, erklärt Chenaux. Doch Subventionen oder Kulturförderung für das Projekt gebe es keine.

 

Sie seien zwar stark vernetzt in der Luzerner Kulturszene, wo man sich auch mal gegenseitig aushelfe. Auch betrieben sie politisches Lobbying über Quartier- und Wirtschaftsvereine, aber Geld erhielten sie keines von der Stadt Luzern, führt Chenaux weiter aus. “Die Stadt verzichtet zwar auf eine Miete, dafür müssen wir aber alle Kosten selber übernehmen.” Dies ist schweizweit ein Einzelfall – nirgendwo sonst lässt sich ein Kulturhaus dieser Grösse finden, das sich vollkommen selbst finanzieren muss.

 

“Was für eine Kultur wollt Ihr?”

Dieses Problem rührt aber eigentlich aus einer ganz anderen Ecke. Entscheidend für die Geldgeber sei nicht der Nutzen für die Einwohner, sondern der Nutzen für jene, die am meisten Geld bringen – die Touristen. “Kultur wird eingesetzt als Marketing-Instrument und Touristenmagnet”, erklärt Chenaux weiter. Ein bestes Beispiel hierfür ist das KKL, das bekannte, riesige Kultur- und Kongresszentrum direkt am See in Luzern, das viel Geld bekommt, aber durch internationale Festivals und Publikum auch viel einnimmt.

 

Erst vor kurzem war es das erste Mal einer Luzerner Band möglich, in diesen Räumlichkeiten aufzutreten. Ist diese Trennung der kulturellen Räumlichkeiten ein Manko, eine bewusste Strategie, eine Bereicherung? Chenaux selbst will darüber nicht urteilen. Für ihn stellt sich eben die Frage, was die Gesellschaft, die Bevölkerung einer Stadt unter Kultur versteht und welche Kultur man leben will. Dies sei gerade in der Schweiz ein Problem, wo sich die Bevölkerung diese Fragen gar nicht stellen wolle. Sie weigere sich, zu sehen, dass da noch mehr ist oder sein könnte als Museen, grosse Theater und Konzertsäle.

 

Vielleicht ist es ja gerade das, was das Neubad zu einer Oase der Luzerner macht: Es ist ihr Ort, den sie sich selbst aufgebaut haben, in dem sie mitwirken können, in dem eben alles ein bisschen dreckiger und lärmiger ist. Ein Raum für Ideen, ein Ort der Selbstverwirklichung. Ein Schwimmbad ohne Wasser, in dem der Köpfler vom Sprungbrett etwas mehr Mut braucht, aber einen auch, oder gerade deshalb, jung fühlen und mit Stolz erfüllen lässt.

Wo Poesie und Fantasie zusammenfliessen

Feierabendstimmung, die sich kurz vor sechs Uhr abends im Zürcher Hauptbahnhof spürbar bemerkbar macht: Menschen hetzen kreuz und quer durch die Bahnhofshalle, sind in Eile. Mitten im Gemenge, in einen graufarbenen Wollmantel gehüllt, steht, ruhig und gelassen, keine Geringere als Lara Stoll. Sie gilt in der Poetry Slam Szene als Pionierin.

 

Hinaus in die grosse, weite Welt

Lara Stolls Terminkalender ist straff. Mit ihrem Solo-Programm tourt die Exil-Thurgauerin quer durch die Schweiz: Sie tritt unter anderem in Bibliotheken, Kleintheatern, Firmen und Buchhandlungen auf – und ist sehr gefragt. Ihre Darbietungen auf der Bühne wirken ausgesprochen imposant; sie besticht mit ihren ausgefallenen Texten und erzählt Geschichten aus dem Leben, die mit einer Prise schwarzem Humor gespickt sind. Beim Schreiben lasse sie sich von Geschehenem und Gefühltem inspirieren, so die Slammerin.

 

Zugegeben – Lara Stoll abseits der Bühne zu treffen, sorgt für einen gewissen Überraschungseffekt. Als sie wartend unter der grossen Bahnhofsuhr beim Zücher Hauptbahnhof steht, ist sie – für einen Augenblick – unter der Menschenmasse kaum zu erkennen. Klein und unscheinbar steht sie da, ihr blondes, schulterlanges Haar verleiht ihrem Äusseren eine gewisse Besonderheit, gar einen Wiedererkennungswert. In einem Strassencafe, welches etwas abseits der Zürcher Bahnhofstrasse liegt, gibt die Slam Künstlerin geduldig Auskunft über ihr Leben und ihr Schaffen als Slam Poetin. Während des Gesprächs unterstreicht sie ihre Worte mit ruhigen Handbewegungen.

 

Im Sog von Lara Stolls Geschichten

Auch wenn das Multitalent abseits der Bühne eher zierlich, zurückhaltend und ruhig wirkt – auf der Bühne sprudeln die Texte nur so aus ihr heraus. Das Publikum vermag sie mit ihren Texten und ihrem Auftritt stets mitzureissen. “Es geht darum, diese Energie während des Auftretens auf das Publikum zu übertragen”, erzählt Lara Stoll. Wie ein gigantisches Feuerwerk, welches – umgeben von einer unüberhörbaren Geräuschkulisse – den nächtlichen Himmel in ein farbiges Lichtspiel verwandelt, wirkt Lara Stoll, wenn sie auf der Bühne ihre Texte zum Besten gibt.

 

Nebst ihren ideenreichen Texten überrascht sie das Publikum auch in Lautstärke und Tempo. Das ist es, was die Zuschauenden packt. Durch diese Vielfältigkeit erweckt sie ihre Texte zum Leben. In den vergangenen Jahren hat die Poetry-Slammerin mit ihrem Können etliche Siege davongetragen. Im September 2010 gewinnt das Energiebündel die erste Slam-Poetry Schweizermeisterschaft und im Dezember desselben Jahres die ersten Europameisterschaften in Reims, Frankreich. Für ihr kulturelles Schaffen wurde Stoll im darauffolgenden Jahr mit dem Thurgauer Kulturpreis geehrt.

 

Bereits als Kind und Jugendliche zog es die auf dem Lande aufgewachsene Lara Stoll auf die Bühne; bevor sie den Poetry-Slam entdeckte, hatte sie im Laientheater gespielt. Als junge Erwachsene siedelte sie vom beschaulichen Rheinklingen nach Winterthur. Heute lebt sie im Zentrum von Zürich. Seit 2011 studiert sie Film an der Zürcher Hochschule der Künste. Ihre Freizeit ist genau so bunt durchmischt, wie ihr Bühnenprogramm; nebst Studium und Poetry-Slam trifft sie sich mit Freunden, verbringt Zeit mit der Familie, spielt in einer Punkband und geht immer mal wieder gerne ins Kino.

 

Ihre Klassiker im Gepäck

Mit dem Text, worin sie erklärt, weshalb sie manchmal gerne ein John Deere Traktor 7810 Powershift mit Gewichten in der Fronthydraulik wäre, kann sich Lara Stoll vor rund 10 Jahren in der Poetry Slam Szene etablieren. Auch in ihrem aktuellen Programm findet sich jeder irgendwo in einem ihrer Texte wieder.

 

Ihre Geschichten sind, auch wenn beim Poetry Slam der Fantasie keine Grenzen gesetzt sind, realitätsbezogen und authentisch. So gelingt es einem als Zuschauer, dem Alltag zu entfliehen. Was zählt, ist das Hier und Jetzt. Bei jedem ihrer Texte gelingt ihr der Spagat zwischen einer eigenen Fantasiewelt, in der sie selbst Löffel, Gabel und Messer vermenschlicht, und dem wahren Leben. Die beiden Texte “John Deere Traktor 7810” sowie “Das Besteck und ich” setzte sie vor einigen Jahren in Eigenregie als Film um.

 

Zu ihren bekanntesten Texten gehört auch der sogenannte “Schnarch-Text”: Darin ahmt sie, verblüffend echt, verschiedene Tonlagen eines schnarchenden männlichen Wesens nach und verpackt das Ganze in eine wunderbar ausgeschmückte und facettenreiche Geschichte. Gekrönt wurde ihr fulminanter Erfolg mit ihrer Debüt CD “Die unglaubliche Reise der total verrückten Lara”, worauf viele ihrer Texte festgehalten wurden.

 

Was ist Poetry Slam?


Bei Poetry Slam handelt es sich um einen Dichterwettstreit, wobei Menschen mit ihren selbst geschriebenen Texten vor Publikum auftreten. Es geht darum, den geschriebenen Zeilen auf der Bühne Ausdruck zu verleihen; die Texte zum Leben zu erwecken und das Publikum zu überzeugen. Dabei darf der Dichter keinerlei Requisiten, Kostüme oder Musikinstrumente einsetzen und muss die Zeitlimite einhalten.