Politik | 15.04.2015

Pflanzliche Ernährung als Allheilmittel?

Text von Lukas Blatter | Bilder von Lukas Blatter)
Per Online-Petition fordert Sentience Politics mehr Transparenz bei den ökologischen und tierethischen Folgekosten der Nutztierindustrie. So sollen globale Probleme wie Klimawandel, Welthunger und Wasserknappheit gelöst werden. In Zürich wird zudem eine Initiative mit ähnlichen Zielen lanciert.
Die beiden Vertreter von Scentience Politics, Philipp Ryf (links) und Adriano Mannino, fordern vom Bundesrat Antworten in Bezug auf die Folgen der Nutztierhaltung. (
Bild: Lukas Blatter)

Nicht nur Menschen, sondern auch Tiere seien empfindungsfähig. Das erklärten die Vertreter von Sentience Politics an einer Medienkonferenz am vergangenen Dienstag im Zürcher Volkshaus. Die politische Gruppe will den gesellschaftlichen Diskurs über den Konsum von tierischen Produkten fördern.

 

Die Gründe liegen laut der Organisation auf der Hand: “Über Tierprodukte können mehrere globale Themen angegangen werden”, sagt Philipp Ryf, Projektleiter von Sentience Politik. Denn einer der wichtigsten Faktoren, der zum Klimawandel beiträgt, sei die Ernährung. Laut einer Studie des Bundes wird fast ein Drittel aller Treibhausgase durch sie verursacht.

 

Transparenz-Petition

Darum lancierte Sentience Politics eine Petition, die vom Bundesrat mehr Transparenz über die Herstellung von tierischen Produkten und deren Folgen fordert. Unterstützt wird dieses Anliegen auch von den beiden grünen Nationalräten Aline Trede und Balthasar Glättli.

 

Für den Anbau der Futtermittel, die in der Schweiz an die Nutztiere verfüttert werden, brauche es beinahe eine zweite Schweiz, so Glättli. “Wer von einem Selbstversorgungsgrad von 60 Prozent spricht, vergisst in seiner Rechnung die Produktion des importierten Tierfutters.”

 

Mit dem grossen Bedarf an Landfläche einhergeht ein massiver Wassereinsatz. Während für ein Kilogramm Rindfleisch circa 15’000 Liter Wasser an grauer Energie in der Produktion benötigt werden, braucht es für dieselbe Menge Weizen weniger als einen Zehntel des Wassers. Problematisch ist die Verfütterung von Agrarerzeugnissen an Nutztieren auch darum, weil diese dann den hungerleidenden Menschen in der dritten Welt fehlen.

 

Mehr Information gefordert

Doch in der Politik und in der Gesellschaft ist diese Erkenntnis noch nicht angekommen. Nur selten werde im Zusammenhang mit Umweltthemen über die Ernährung diskutiert, obwohl die Herstellung von Tierprodukten laut mehreren Studien eine, wenn nicht sogar die Hauptursache des Klimawandels sei, monierten die Vertreter von Scentience Politics.

 

Auch wisse ein Grossteil der Bevölkerung nicht über die Tierhaltungsbestimmungen in der Schweiz bescheid. Drei Vierteln sei demnach nicht bewusst, dass die Haltung von Mastschweinen ohne jeden Auslauf und ohne Einstreu gesetzeskonform sei, und dies, obwohl der Bund laut Tierschutzgesetz für die Information der Öffentlichkeit zu sorgen hat.

 

Fleischproduktion sei Tierquälerei

Dasselbe Gesetz definiert Tierquälerei als unnötige Schädigung von Tieren. Für Adriano Mannino, Mit-Initiant von Sentience Politics, ist diese Definition Wasser auf den Mühlen der Vorhaben der Denkfabrik: “Es steht ausser Frage, dass die Fleischproduktion Tiere leiden lässt und tödlich schädigt.” Weil der Konsum von Fleischwaren unnötig sei, wie dies Vegetarier vorlebten, sei auch die Fleischproduktion unnötig und folglich tierquälerisch.

 

Kritisiert wurde an der Medienkonferenz zudem die Tatsache, dass heuer zahlreiche Subventionsgelder zugunsten der Nutztierhaltung fliessen. In der Petition richtet sich daher die Frage an den Bundesrat, ob dies nicht in eklatantem Widerspruch zu den gesetzten Nachhaltigkeitszielen des Bundes stehe. Zudem wollen die Petitionäre wissen, inwiefern die Förderung der pflanzlichen Ernährung zu Erreichung ebendieser Ziele beitragen kann.

 

Städtische Initiative

Die Petition auf nationaler Ebene ist nicht die erste politische Kampagne der Organisation. Zusammen mit den Jungen Grünen Zürich will Sentience Politics in Zürich dasselbe versuchen, was bereits in Basel auf Zustimmung stiess: eine städtische Initiative.

 

Darin wird die Ausweitung des Ernährungsangebots auf pflanzliche Produkte und die fundierte Information der Bevölkerung über die Konsequenzen der Nutztierhaltung gefordert. Neu soll so in Verpflegungseinrichtungen mit mehr als einem Menu mindestens eine vegane Alternative angeboten werden.

 

“Echte Wahlfreiheit”

Die in der Initiative geforderten Punkte sind aus Sicht von Meret Schneider, Co-Präsidentin der Jungen Grünen Zürich, dringend nötig: “Es braucht definitiv eine Reduktion des Tierproduktekonsums.” Hierfür müsse das Angebot an pflanzlichen Alternativen ausgeweitet werden.

 

“Wir wollen echte Wahlfreiheit.” Aktuell sei dies teils nicht möglich, da in Mensen und Restaurant oftmals kein vegetarisches oder veganes Menu angeboten werde. Die Initiative soll noch im April lanciert werden. Bis dann lässt sich bereits die Petition unterzeichnen: www.sentience.ch/politik/transparenz-petition