Gesellschaft | 25.04.2015

Fünfzigster Brief aus Deutschland

Irgendwie wurde den Kollegen von Eine Zeitung eine Studie untergejubelt. Nun meinen die doch tatsächlich, die Schweizer seien glücklich. Dabei müssen wir lästige Auftritte von Roger Köppel im deutschen Fernsehen, Löcher in unserem bekanntesten Exportprodukt und wöchentliche Anfeindungen durch deutsche Nachwuchsschreiberlinge ertragen.
Von schweizerischem Glück beflügelt, kehrt die Brieftaube wieder nach Deutschland zurück. (
Bild: Katharina Good)

Hallo Schweiz,

 

Ihr seid also das glücklichste Volk der Welt, was? Ihr habt also Dänemark vom Thron gestoßen, wie? Habt Ihr eine Vorstellung davon, wie sich die Dänen nun fühlen, hä?

Wisst ihr selber eigentlich, dass ihr glücklich seid oder habt ihr das auch bloß aus den Medien erfahren, wie der Rest der Welt?

Wie fühlt man sich so, wenn man glücklich ist? Wir kennen dieses Gefühl nicht. Wir sind Deutsche.

 

Nun denn, wie auch immer, wir gratulieren euch zum großen Glück und sehen ein, dass wir offenbar nicht länger gebraucht werden. Aus diesem Grunde überlassen wir euch die nächsten drei Wochen euch selbst. Wollen wir doch mal sehen, ob ihr dann Mitte Mai noch immer so glücklich seid!

 

Mal im Ernst: unsere Arbeit scheint getan. Dies ist der 50. Brief an Euch. Offenbar haben unsere Belehrungen und unsere Strenge Früchte getragen. Seit über einem Jahr haben wir Euch Woche für Woche gesagt, was Ihr ändern müsst. Nun werden wir mal sehen wie Ihr alleine zurecht kommt, ob dieses Glücksgefühl nur von kurzer Dauer ist oder ob Ihr uns doch wieder braucht.

 

Okay, jetzt aber wirklich im Ernst: wir machen Urlaub. Bei uns beginnt der Sommer ja bekanntlich früher als bei Euch, und nun steht er unmittelbar bevor. Morgen schon wird einer von uns weit, weit weg reisen. Und der andere bleibt, wo er ist, weil es Zuhause doch am schönsten ist. Das Ding ist nur: wir haben versäumt, es der Redaktion von Tink.ch rechtzeitig mitzuteilen. Aus diesem Grund kam diese Studie mit dem glücklichsten Land der Welt gerade zur rechten Zeit.

 

Ehrlich gesagt, wir glauben nicht an diese Studie. Wir wurden gar nicht gefragt. Nicht ein Mal hat uns jemand gefragt, ob wir glücklich sind. Kennt Ihr jemanden, der gefragt wurde?

 

Na, ist ja auch egal. Der nächste Brief kommt dann also am 22. Mai. Bis dahin sind wir aber grundsätzlich in Gedanken bei euch.

 

 

Herzlichst,

 

Euer Urlaubsland Nummer 1.