Kultur | 27.04.2015

Ein sprachliches Feuerwerk

Text von Raphaela Gmür
Beim "Grande Finale" der diesjährigen Schweizermeisterschaften im Poetry Slam lieferten sich Christoph Simon und Remo Zumstein ein Kopf-an-Kopf-Rennen. Ob Christoph Simon seinen letztjährigen Titel verteidigen konnte und welche Rolle dabei ein junger Apfelbaum spielte und ... - lest selbst.
Bas Böttcher führte als einer der Moderatoren durch das Programm der Schweizermeisterschaften.

U20-Finale: Donnerstag, 16.04.2015

Mehrere Hundert Zuschauende strömen in die Halle des Schiffbaus. Vorfreude und Anspannung liegen in der Luft.

Die Slam Poeten nutzen die letzte Gelegenheit, um ihren Text nochmals einzuüben. Sichtlich angespannt, den Text mit festem Griff in den Händen haltend, marschiert der eine oder andere Slammer hin und her.

Um 20 Uhr fällt der Startschuss mit der Kategorie U20. Durch den Abend führen die Moderatoren Daniela Dill und Bas Böttcher. Zu Beginn des Wortspektakels erklärt Dill die Regeln.

Über das Weiterkommen entscheidet die Jury. In einem Testlauf, der zur Einstimmung des Publikums gilt, gibt der Moderator selbst in der Rolle als sogenanntes «Opferlamm« einen seiner Texte zum Besten.

 

Nach der Bewertung seines Auftritts merkt Böttcher scherzhaft an: “Wir kennen die Namen der Jury-Mitglieder. Ina, ich weiss, du hast mir nur eine Sieben gegeben (mit Betonung auf die letzte Silbe)”.

Im ersten Durchlauf können sich Jonas Balmer (BE), Olga Schmitz (TG), Sarah Altenaichinger (BS) und Hannes Schraner (ZH) gegen die restlichen vier Mitstreiter durchsetzen. Mit ihrem Text, dessen Szenario sich in Berlin abspielt, gewinnt Olga Lakritz in der Kategorie U20.

 

Teamfinale: Freitag, 17.04.2015

Etrit Hasler und Patrick Armbruster moderieren gekonnt.

Acht Teams, bestehend aus jeweils zwei bis drei Teilnehmenden, treten in dieser Kategorie gegeneinander an.

Die Auftritte der einzelnen Teams wirken dynamisch und facettenreich. Die Entscheidung zwischen dem Team “Interrobang” (Valerio Moser und Manuel Diener) sowie dem Team “Das helvetische Dreieck” fällt äusserst knapp aus.

 

Am Ende tragen Dominik Muheim und Sven Hirsbrunner den Sieg davon. Sie beeindrucken durch eine Beatbox- Einlage und überzeugen das Publikum mit ihren verschachtelten, skurrilen, laut und schnell gesprochenen Texten.

 

Einzelfinale: Samstag, 18.04.2015

Philipp Reichling und Simon Chen führen durch das Einzelfinale in der restlos ausverkauften Halle des Schiffbaus. Was sich wie ein roter Faden durch diese drei Tage, an denen die Besten der Besten aus dem Bereich des Poetry Slams gekürt werden, zieht, ist die Interaktion zwischen den Poeten, den Moderatoren und dem Publikum.

 

Es scheint, als würden die dicken Mauern des Schiffbaus an diesen für die Poeten bedeutsamen und entscheidenden Tagen alle an diesem Ereignis Teilnehmenden in sich schützend zusammenhalten und eins werden zu lassen.

Neun Poeten, darunter eine Frau, treten im Einzelfinale gegeneinander an. Die Reihenfolge wird durch das Los bestimmt.

Als Zuschauer ist es deutlich spürbar, dass die Finalisten mit Begeisterung und Freude auftreten. Was zählt ist der Moment.

 

Am Ende liefern sich der Titelverteidiger Christoph Simon und Remo Zumstein ein spannendes Stechen. Vor der Verkündung der Entscheidung erklärt Reichling, welcher Gewinn den Sieger erwartet: “Wir möchten gerne wissen, wer heute Abend diesen eingetopften Apfelbaum mit nach Hause nehmen kann, um ihn einzupflanzen. Das entsprechende Wasser zum Giessen, einen Whisky, gibt es auch noch dazu”.

 

Die Entscheidung durch den Beifall des Publikums ist nicht eindeutig genug, um einen Sieger zu küren. Die Spannung hält bis zum Schluss. Die auserwählte Jury ist gebeten, anhand der Zahlen eins oder zwei, die jeweils für einen der beiden Slam Poeten festgelegt wurde, den Sieger zu bestimmen.

Mit vier zu drei Stimmen holt Christoph Simonzum zweiten Mal in Folge den Sieg im Einzelfinale der Poetry Schweizermeisterschaft 2015.

 

Was während seinen Auftritten überrascht, ist seine nahezu immer gleichbleibende Tonlage. Mit seinen Texten, die vollgespickt mit schwarzem Humor sind, punktet der zurückhaltend wirkende Schweizermeister und sorgt für einen gewissen Überraschungseffekt.