Kultur | 03.04.2015

Die Ideologisierung der Basler Zeitung

Text von Anne-Lea Berger | Bilder von Matthias Käser)
Der Autor Guy Krneta und Filmemacher Edgar Hagen zeigen in ihrem Film "Die Übernahme" den Standpunkt von Basler Persönlichkeiten, Bürger und Bürgerinnen zur Basler Zeitung. Diese ist seit 2014 Teileigentum von Unternehmer und SVP-Politiker Christoph Blocher. Tink.ch war zu Gast bei der Berner Premiere und dem anschliessenden Gespräch mit Stadtpräsident Alexander Tschäppät, Nationalrätin Aline Trede und "Bund"-Chefredaktor Patrick Feuz.
Die Skepsis vor den Missionaren der BaZ ist auch in Bern zu spüren. (
Bild: Matthias Käser)

Vorspann

Immer wieder seit 2010 wurden Aktien der Basler Zeitung (BaZ) gekauft und weiterverkauft, lange wurde der Einfluss von Christoph Blocher dementiert. Für den Autoren Guy Krneta und den Filmemacher Edgar Hagen stand bald fest, dass etwas getan werden müsse. Sie wollten Druck ausüben. Klarheit fordern. Mehr Transparenz über die Wirrungen der Besitzerschaft und sonstige Einflussnehmer der Basler Zeitung.

 

2014 wurde dann auch offiziell bestätigt, was viele schon längst befürchteten: Blocher ist zusammen mit seinem Biografen Markus Somm und dem Manager Rolf Bollmann zu je einem Drittel Eigentümer der Basler Zeitung. Trotz den Beteuerungen, eine unabhängige Zeitung sein zu wollen; die Veränderungen in Stil und Inhalt hin zu einer „Blocher-genehmen“ Zeitung sind nicht zu übersehen.

 

Der Film

Krneta und Hagen luden zu einem Hearing in Basel ein. Persönlichkeiten aus Regierung, Wissenschaft und Wirtschaft. Ausserdem forderten sie die Basler Bevölkerung auf, ein eigenes Statement zur BaZ abzugeben. Die BaZ selbst lehnte die Einladung zum Gespräch ab.

 

Beim Hearing wurden Artikelpassagen vorgelesen und anschliessend darüber diskutiert. Mit Kritik wurde dabei nicht gespart. Besonders verurteilt wurden die persönlichen Attacken auf politische Gegner, systematische Vernichtungen von unliebsamen Institutionen und die teils sexistische und rassistische Wortwahl.

 

Dass diese Vorwürfe nicht aus der Luft gegriffen sind, zeigen auch die Verurteilungen und acht hängigen Beschwerden beim Presserat. Allein 2014 wurden vier von sieben Beschwerden wegen Verletzungen von Privatsphäre und Wahrheitspflichten gutgeheissen, bei der ähnlich angriffigen Weltwoche wurden dagegen alle vier Klagen abgewiesen.

 

Die Basler Bevölkerung kritisierte vor allem die in ihren Augen einseitige Berichterstattung. Sie will als Platz Basel nicht für eine solche Zeitung hinstehen müssen. So meint denn auch ein Basler als Fazit: „Ich möchte Herrn Somm bitten, nicht diese lange aufgebauten Strukturen zu nutzen, um Propaganda zu machen. Ich finde das… respektlos.“

 

Abspann

Auch die Gesprächsgäste in Bern nahmen dieses Argument auf. Die Meinungsfreiheit erlaube politisch ausgerichtete Zeitungen. Das Problem für Patrick Feuz (Chefredaktor des „Bund“) sei somit eher, dass es sich bei der BaZ um politisch motiviertes Handwerk handle, man könne kaum mehr von Journalismus sprechen.

 

Für Feuz hat der Medienstandort Bern gegenüber Basel einen entscheidenden Vorteil. Christoph Blocher verfolge mit seiner BaZ ein ideologisches Projekt, oder wie es der ebenfalls mitdiskutierende Stadtpräsident Alexander Tschäppät ausdrückt: „Bei der BaZ geht’s ums Missionieren“.

 

Im Gegensatz dazu habe die Tamedia (Herausgeberin von „Bund“ und Berner Zeitung) rein wirtschaftliche Ziele. Um möglichst viele Leser zu erreichen, müsse sie ein breites Spektrum an Meinungen anbieten, so Feuz. Beim „Bund“ oder der Berner Zeitung strebe die Tamedia die Auflagensteigerung durch guten Qualitätsjournalismus an, welcher verschiedene Positionen und nur gut recherchierte Geschichten bringen kann.

 

Aus wirtschaftlicher Sicht ist es höchst riskant, sich auf nur eine Position zu konzentrieren. Dies erfuhr auch die BaZ. Seit 2010, als Blocher-Biograf und -Freund Somm Chefredaktor wurde, ist die Auflage um einen Drittel eingebrochen.

 

Allerdings haben auch andere Zeitungen Mühe, ihre Leserschaft zu behalten. In ihrem Bekanntenkreis habe kaum jemand mehr ein Abonnement, meint Nationalrätin Aline Trede. Für sie sollte sich eine bezahlte Zeitung – im Unterschied zu Gratisblättern wie 20 Minuten – durch guten Journalismus unterscheiden. Dies wäre auch eine Möglichkeit, den schlecht recherchierten Hetzkampagnen der BaZ Gegensteuer zu geben.

 

Auswirkungen

Bei den drei Gesprächsgästen hält sich die Angst um den Medienstandort Bern dennoch in Grenzen. Einen zweiten „BaZ-Fall“ werde es kaum geben, auch weil in Bern keine Monopolsituation herrsche wie dies in Basel zuvor der Fall war. Heute hat auch Basel wieder verschiedene kleinere Zeitungen wie etwa die 2011 lancierte „Tageswoche“.

 

Die Auswirkung von Artikeln der Basler Zeitung in der ganzen Schweiz sollten aber nicht verharmlost werden. Kritischer Investigativjournalismus ist wichtig und nötig, das ist unbestritten. Bei der BaZ werden aber teilweise kaum geprüfte Behauptungen zwecks ideologischen und politischen Interessen der Zeitungseigentümer verbreitet.

 

So wurde einer SP-Regierungsrätin eine Affäre mit einem Kollegen oder dem Vorsteher des Bau- und Verkehrsdepartement Basel Stadt Budgetüberschreitungen unterstellt. Beide Vorwürfe erwiesen sich später schlicht als falsch. Für die betroffenen Personen und Institutionen kann dies weitreichende Folgen für ihre Arbeit, ihre Mitarbeiter, Familien und Freunde haben.

 

Was in Basel geschrieben wird, bleibt nicht unbedingt in Basel. Alexander Tschäppäts nicht ganz ernst gemeinte Idee von Waffenscheinen für Journalisten geht wohl etwas zu weit. Journalisten sollten sich aber trotzdem ihrer Macht und somit grossen Verantwortung für Gesellschaft und Bürger bewusst sein.