Politik | 10.03.2015

Wer ist die Frau ganz rechts im Bild?

Beim Betrachten des neusten Bundesratsfotos fällt auf, dass man als guter Staatsbürger zwar alle Bundesräte mit Namen und Parteizugehörigkeit benennen kann. Aber da ist noch jemand auf dem Bild: Die Bundeskanzlerin. Was macht sie überhaupt?
Ganz rechts im
Bild: Bundeskanzlerin Corina Casanova sorgt unter anderem dafür, dass wir jeweils rechtzeitig das "Abstimmungsbüechli" erhalten. (Foto: zVg)

Die Bundeskanzlerin Corina Casanova arbeitet tagtäglich mit den sieben Politikern des Landes zusammen, die die Schweiz regieren. Sie selbst bleibt aber im Hintergrund. Als Bundeskanzlerin nimmt sie zwar an den Sitzungen des Bundesrates teil und darf auch zu Wort kommen – bei den Abstimmungen des Gremiums muss sie jedoch still bleiben. Ihre Aufgabe ist es nicht, zu regieren, sondern dafür zu sorgen, dass die Bundesräte regieren können. Sie bereitet beispielsweise Dossiers vor und unterstützt die Bundespräsidentin bei der Leitung der Sitzungen. Die Bundeskanzlei ist die älteste Institution der Eidgenossenschaft – 1803 gegründet, ist sie gar älter als der Nationalstaat Schweiz selbst, welcher erst seit 1848 existiert.

 

Logenplatz der Geschichte

Corina Casanova selbst schätzt es, dass sie als Bundeskanzlerin eher selten im Rampenlicht steht. Ihre Medienpräsenz ist im Vergleich zu den Bundesräten sehr gering, und auch auf der Strasse hat sie das Gefühl, dass sie sich unerkannt bewegen kann. „Das zeigt, dass meine Arbeit vor allem hinter den Kulissen stattfindet. Und das gefällt mir.“ Sie sieht ihre Position in einer Schnittstelle zwischen Regierung, Parlament und Bevölkerung. Ihre Faszination für den Beruf lebe unter anderem davon, dass sie sich  als Bundeskanzlerin auf einem „Logenplatz in der Geschichte“ befinde. Sie sei nahe an allen wichtigen Ereignissen und Entscheiden, die die Zukunft des Landes gestalten. Eines der grössten Projekte, das die Bundeskanzlei momentan selbst in Angriff nimmt, ist die „Vote électronique“. Künftig sollen alle Schweizer Stimmbürgerinnen und Stimmbürger die Möglichkeit haben, elektronisch abzustimmen und zu wählen. Momentan laufen Pilotprojekte, die vor allem mit Schweizerinnen und Schweizern, die im Ausland leben, durchgeführt werden. Für die Bundeskanzlei gilt aber: „Sicherheit vor Tempo“.

 

Parteipolitik bleibt aussen vor

Seit Anfang 2008 ist Corina Casanova Bundeskanzlerin. 1956 in Ilanz (Graubünden) geboren, studierte sie Rechtswissenschaften in Freiburg und ist seit 1992 Mitglied der Bundesverwaltung. Ihr Einsatz für die Mehrsprachigkeit in der Schweiz wurde bereits mit mehreren Preisen honoriert. Obwohl sie Mitglied der CVP ist, sieht sich Casanova selbst nicht als Politikerin. In ihrer Tätigkeit als Bundeskanzlerin sollen parteipolitische Positionen aussen vor bleiben. Vielmehr sind es ihre Qualitäten als Planerin und Organisatorin, die gefragt sind. Die Bundeskanzlerin hat als Leiterin der Kanzlei rund 270 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter unter sich. Im Vergleich zu den Bundesratsdepartementen ist das relativ wenig. Selbst die personell kleineren Departemente haben bereits mehr als 2000 Angestellte.

 

Abstimmungsbüechli und Sprachgruppen

Die auflagenstärkste Publikation der Schweiz ist nicht etwa eine Pendlerzeitung, die am Bahnhof aufliegt. Sie kommt in einem Couvert, das der Stimmbürger ungefähr viermal im Jahr per Post zugeschickt bekommt. Die als „Abstimmungsbüechli“ bekannten Erläuterungen des Bundesrates: Sie werden von der Bundeskanzlei publiziert. Die Schweiz als direktdemokratischer Staat ist darauf angewiesen, dass Wahl- und Abstimmungsgänge reibungslos über die Bühne gehen. Die Bundeskanzlei ist dafür verantwortlich, dass genau dies geschieht. Die Eigenheit der Viersprachigkeit verlangt ausserdem, dass die verschiedenen Sprachgruppen koordiniert werden, sodass auch der Rätoromane in der Surselva die Unterlagen in seiner Muttersprache erhält. Das ist der Bundeskanzlerin ein besonderes anliegen; stammt sie ursrpünglich doch aus diesem Tal.